Herzlich willkommen beim Versöhnungsbund

Radtour für eine Friedenskirche
Radtour für eine Friedenskirche (und gegen die Verdammung der Täufer)

Der deutsche Zweig ist seit über 100 Jahren gewaltfrei aktiv gegen Krieg und Unrecht. Er vereint Menschen aller Generationen, die sich aus ihrem Glauben oder ihrer sonstigen inneren tiefen Überzeugung heraus für die Gewaltfreiheit einsetzen und auf unterschiedlichsten Wegen Schritte suchen, gewaltsame Strukturen zu bekämpfen und friendensfördernde zu schaffen.

Schauen Sie sich auf der Seite um - wir würden uns sehr freuen, wenn auch Sie unsere Anliegen aktiv unterstützen könnten.

Rückführung des Artikel 16 der Confessio Augustana (CA) nach Wittenberg

CA 16 ist ein Artikel aus der Confessio Augustana, dem „Augsburger Bekenntnis", einer zentralen reformatorischen Bekenntnisschrift von 1530, verfasst von Philipp Melanchthon, die in den lutherischen und vielen unierten Kirchen bis heute Gültigkeit hat. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer, Gemeindeälteste und Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher wurden und werden auf dieses Bekenntnis verpflichtet. Der Artikel CA 16 legt fest:

,,dass Christen ohne Sünde Übeltäter mit dem Schwert bestrafen, rechtmäßig Kriege führen und in ihnen mitstreiten können. (...) Hiermit werden verdammt [ursprgl. die (Wieder)Täufer], die lehren, dass das oben Angezeigte unchristlich sei” (Textfassung im Evgl. Gesangbuch)

CA 16 ist immer wieder benutzt worden, um in zweifelhafter Weise staatliche Gewalt theologisch zu legitimieren. In seiner Wirkungsgeschichte hat dieser Artikel zur blutigen Verfolgung von Täuferinnen und Täufern durch die evangelischen Kirchen beigetragen und zur Ausgrenzung von Pazifistinnen und Pazifisten bis heute. Immer wieder bekamen friedensbewegte Pfarrer und Pfarrerinnen wegen dieses Artikels Schwierigkeiten mit ihrer Kirche.

Der Internationale Versöhnungsbund/Deutscher Zweig hat lange mit den evangelischen Kirchen um eine Distanzierung und Abkehr vom Artikel 16 des Augsburger Bekenntnisses gerungen (www.versoehnungsbund.de/ca16).

In einer symbolischen Aktion soll nun dieses hochproblematische Erbstück der Reformation von Augsburg zurück nach Wittenberg gebracht werden. Im Rahmen einer Friedensradtour vom 01.09.2017 bis zum 10.09.2017 werden neben Augsburg auch weitere geschichtsträchtige Orte angesteuert, an denen an die weitgehend vergessene Verfolgung der täuferischen Christen zu erinnern ist.

Wir verweigern die Annahme und senden zurück an den Absender. Wir werden den Artikel 16 des „Augsburger Bekenntnisses" seinem Verfasser Melanchthon wieder auf den Schreibtisch legen.Die Aufgabe christlicher Weltverantwortung lässt sich besser formulieren!

Näheres unter https://www.versoehnungsbund.de/2017-ca16-fahrt-ankuendigung.

Kontakt: Thomas Nauerth, 0521/171861, nauerth@friedenstheologie.de

Das Kuratorium der Bremer Stiftung „die schwelle“ hat Junior Nzita zu einem der Preisträger des diesjährigen Internationalen Bremer Friedenspreis erklärt. Nzita (33) ist ehemaliger Kindersoldat aus der Demokratischen Republik Kongo und heute ehrenamtlicher UN-Botschafter zum Thema Kindersoldaten. Er erhält den Preis in der Kategorie „Der unbekannte Friedensarbeiter“. Vorgeschlagen wurde Junior Nzita vom Deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes, der im Winter 2015/2016 eine insgesamt dreiwöchige Vortragsreise mit ihm organisiert hatte. Der Internationale Friedenspreis wird seit 2003 alle zwei Jahre vergeben und ist in jeder Kategorie mit 5000,- Euro dotiert.

Auf der Vortragstour des Versöhnungsbundes war Junior Nzita in vielen Schulen und Kirchengemeinden zu Gast. „Es war faszinierend zu sehen, wie Junior mit jungen Menschen ins Gespräch kam und sie für die Auswirkungen von Waffenexporten und Kriegen sensibilisieren konnte“, sagt Samya Korff aus dem Vorstand des Versöhnungsbundes. „Deshalb sind wir sehr froh über diese Auszeichnung.“ Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schülern waren oft sehr bewegend. An einer Berliner Waldorfschule, bei der er auf Bitten eines Achtklässlers einen spontanen Besuch möglich gemacht hatte, hinterließ er solchen Eindruck, dass die Schüler_innen dort bis heute in mehreren Projekten mehr als 1000,-Euro für seine Arbeit gesammelt und ein 80 Seiten starkes Heft über ihn heraus gegeben haben.

Junior Nzita wurde im Alter von zwölf Jahren mit anderen Klassenkameraden aus seiner Schule entführt und von Rebellengruppen gezwungen, als Kindersoldat an den Bürgerkriegen in seinem Land teilzunehmen. Durch diese Zeit ist er bis heute schwer traumatisiert und leidet nach wie vor an starken Schlafstörungen. „Trotz dieser unendlich leidvollen Erfahrungen schafft Junior es, die Kraft zu finden, selber Hoffnung zu spenden und so engagiert und couragiert für dieses Thema einzutreten“, so Samya Korff. Im Rahmen eines UN-Programmes wurde Junior im Jahr 2006 demobilisiert. 2010 hat er in Kinshasa, der Hauptstadt der DR Kongo, die Organisation „Paix pour l'enfance“ (Frieden für die Kindheit) gegründet, um Kinder, welche aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen zu Waisen wurden, in neue Familien einzugliedern und ihnen durch Schulbesuch eine Zukunftschance zu bieten. Heute setzt er sich als ehrenamtlicher Botschafter der Vereinten Nationen für die weltweite Ächtung der Mobilisierung von Kindersoldaten ein. Aufgrund seiner Aktivitäten musste er 2015 sein Land verlassen und im Ausland Asyl beantragen.

Der Internationale Versöhnungsbund ist eine Bewegung von Menschen, die sich seit 1914 mit den Mitteln der Gewaltfreiheit für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Weltweit haben Mitglieder des Versöhnungsbundes immer wieder zu friedlichen Umbrüchen beigetragen. Der Internationale Versöhnungsbund ist in rund 40 Ländern vertreten und zählt sechs FriedensnobelpreisträgerInnen zu seinen Mitgliedern.

Weitere Infos: Samya Korff, 0176-82 16 24 67
Geschäftsstelle: Mirjam Mahler, 0571-85 08 75

Gerne lade ich ein zu Konzerten und Begegnungen mit der Musikgruppe KIÑEHUEN  aus Talca in Chile.
 Die vb - Reginalgruppe Magdeburg hat die Tour organisiert.

Es sind 5 Musiker und Musikerinnen, die im Jahr des Reformationsjubiläums Deutschland besuchen möchten.       

Im Gepäck haben sie mit ihren Instrumenten die Melodien und Rhythmen ihrer Heimat in den Anden, worin sie ihren Glauben ausdrücken. 

"Aùn se trata de jesus" ist der Titel der Konzerte. "Noch immer handelt es sich um Jesus".

Im Jahre 1987, zur Zeit der Diktatur in Chile, hatte sich die Gruppe gegründet. In Not und Bedrängnis fanden sie im Musizieren und Texten neu in ihre Energie und Ausrichtung. So kamen im Laufe der Zeit immer neue Lieder hinzu, um den tiefen sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen  in der Nachfolge von Jesus Christus zu begegnen.   Der Kontakt zur Gruppe entstand in meinen Sabbatjahr 2001, als ich in Talca in einem Frauenbildungsprojekt tätig war.

Hier die Konzerttermine:

Mi, 19.7.  14.30 Uhr Konzert in Wittenberg, Ort: Marktplatz Wittenberg – Reformationsjubiläum
Do, 20.7. 14.30 Uhr Konzert in Wittenberg, Ort: Marktplatz Wittenberg- Reformationsjubiläum
Fr,21.7.  19.30 Uhr Geistliche Abendmusik, Ort: Erfurt, Kaufmannskirche
Mo, 24.7. 16 Uhr  Musik und Begegnung, Ort: St. Josefsgemeinde, St. Josefstr. 13, Magdeburg
Die, 25.7. 16 Uhr  Musik und Begegnung, Ort: Hoffnungsgemeinde, Krähenstieg 2, 39126 Magdeburg
Sa. 29.7. ab 15 Uhr, Begrüßung und Austausch, ab 16 Uhr Konzert, danach gemeinsames Singen und Erzählen mit besonderen Informationen zur Erd-Charta, Ort: Vitopia Projekt, Herrenkrug 2, 39114 Magdeburg  
So: 30.7. 16 Uhr  Konzert in Poppau 21,  38489 Beetzendorf (Ökodorf Sieben Linden)     
 

Fortsetzung G 20 - Nachlese: Stellungnahme von Geschäftsleuten, Hindergrundberichte

Fr, 14/07/2017 - 17:27 - Clemens Ronnefeldt

Liebe Friedensinteressierte,

die Berichterstattung und Kommentare der allermeisten Medien fokussieren sich seit den G 20-Gewalt-Exzessen darauf, Linksautonome ("Linksterroristen“) als allein verantwortlich für die Eskalationen zu beschreiben.

Zu den Stimmen, die kritisch recherchieren und kommentieren, zählt u.a. Axel Schröder vom Deutschlandfunk (DLF):

G20 Nachlese und mehr

Do, 13/07/2017 - 19:06 - Clemens Ronnefeldt

Liebe Friedensinteressierte,

das vergangene Wochenende in Hamburg mit den Gewalt-Exzessen anlässlich des G 20-Gipfels wird die politische (Demonstrations)- Kultur vermutlich nachhaltig verändern.

Wieder einmal hat sich gezeigt, wie Gewalt in eine Abwärtsspirale führt - und wie wichtig Gewaltfreiheit als Grundlage gesellschaftlichen Miteinanders ist.

Versöhnte Vielfalt – Gewaltfrei leben in Gerechtigkeit und Selbstbestimmung

Schon lange richtet sich die Genderkommission einladend nicht nur an Frauen, sondern an Menschen aller Geschlechter. Aus der Erkenntnis, dass es zwar Frauen sind, die stärker von Diskriminierung betroffen sind, dass aber auch Männer durch Rollenerwartungen geprägt sind und beide *Geschlechter durch starre Zuschreibungen eingeschränkt werden. Und Menschen, die sich nicht klar als Frau oder Mann zuordnen lassen oder sich der klaren Einteilung verweigern, werden im besten Fall nicht mitgedacht, meistens aber ausgegrenzt.

Und so saßen an diesem Nachmittag sieben *Frauen und drei *Männer zusammen und kamen direkt in einen lebhaften Austausch. Kurzerhand wurden die vorbereiteten Fragestellungen zurückgestellt (und doch während der Diskussion quasi nebenbei erarbeitet). Ausnahmslos alle Teilnehmenden brachten sich mit ihren persönlichen Erfahrungen ein. Spannend zu erleben, dass trotz des Altersunterschiedes von fünf Jahrzehnten einige gemeinsame Feststellungen getroffen werden konnten:

Das soziale Geschlecht (Gender) ist eine Kategorie, der wir nicht entkommen können. Die Zuschreibung eines Geschlechtes nach der Geburt geht einher mit Rollenerwartungen und Lebensperspektiven. Sie wird der Vielfalt nicht gerecht und lässt sich nicht ohne weiteres durch Bildung, Anstrengung o.ä. überwinden. Geschlechtsspezifische Diskriminierung kann offen oder subtil, gewalttätig oder strukturell sein. Sie bemächtigt sich der Köpfe und der Körper.

Pink ist das neue Rosa: Die Kleiderordnung bei den Jüngsten scheint in den letzten Jahr(zehnt)en eher rigider geworden zu sein. Muss man das ernst nehmen? Das Phänomen, das frau als Modetrend abtun könnte, flankiert die Angriffe auf das befreiende Anliegen der Geschlechtergerechtigkeit, das zunehmend als irrelevant, überflüssig, übertrieben, lächerlich dargestellt wird. Und hier haben wir etwas zu verlieren – und zu verteidigen. Es geht um die Freiheit unterschiedlicher Lebensentwürfe, Schutz vor (sexualisierter) Gewalt, Überwindung von Ausgrenzung und nicht zuletzt das Erkennen, dass all dies politisch relevante Themen sind, die den Kern unseres Menschseins berühren.

Und so stand am Ende der Wunsch, die nächste Jahrestagung unter ein Genderthema zu stellen. Mit ihrem Antrag schlägt die Genderkommission folgenden Arbeitstitel vor: „Versöhnte Vielfalt – Gewaltfrei leben in Gerechtigkeit und Selbstbestimmung“. Einerseits sollen VB-Themen und -Fragestellungen aus der Genderperspektive betrachtet werden, andererseits Gender-Themen aus dem Blickwinkel des Pazifismus und der Gewaltfreiheit. Diese Empfehlung an den Vorstand wurde in der Mitgliederversammlung zunächst mit der Nennung von etlichen anderen Themen beantwortet, fand dann aber doch die Zustimmung der Mehrheit der Anwesenden. Wir dürfen gespannt sein auf Fragestellungen und Perspektiven, die einigen neu und ungewohnt erscheinen mögen. Freuen wir uns auf einen lebendigen Austausch …!

Renate Firgau
 

Bericht von der Kommission Gewaltfreie Kommunikation auf der Jahrestagung 2017

Die Gewaltfreie Kommunikation ist ein Instrument, die Welt zu verbessern, das Miteinander zu harmonisieren, Menschen zu verbinden, die sich im Streit befinden, die sich nicht anschauen mögen, die auf die andere Straßenseite wechseln, wenn sie im Näher-Kommen, jemanden entdecken, den sie nicht mögen, die mit dem nächsten Nachbarn nicht mehr ins Gespräch kommen, weil es dafür plausible Gründe gibt.

Jahrestagung in Arendsee 2017, Samstag-Nachmittag, im Haus Stendal ganz oben rechts treffen sich acht Menschen. Birgit Gündner und Julia Lang werden uns weiterbringen in einer Übung der GfK.
Kurze Vorstellrunde:

  1. Übung – wir stehen uns zu zweit gegenüber Ich stelle meinem gegenüber die Frage: Was bedeutet Vergebung für dich? – Dann Wechsel, Ich werde gefragt: Was hindert dich zu vergeben?
  2. Übung – wie eben, die Fragen: Was ändert sich, wenn du vergibst? Wechsel, Was ist das Schönste, wenn Du vergibst?

Trotz der kurzen Zeit, jeweils 2 Minuten pro Frage, kommen wir in einen intensiven Austausch

An der Wand hängt ein Ablauf von Schritten, wie wir sie verwenden, um miteinander in Kontakt zu treten, aus dem Kontakt schließlich Handlungsschritte zu entwickeln.

Vergebungs-Prozess

inspiriert durch Desmond + Mpho Tutu und Marshall B. Rosenberg

Überlege, wann du dich über etwas, was jemand anderer gesagt oder getan hat, geärgert hast. (z.B. auch wenn ich mir selber sage, „ich sollte“ „ich muss“)

  1. Gibt es da einen Schmerz?
    Die Geschichte erzählen
    Die Beobachtung
    Was ist genau passiert?
  2. Die Verletzung beim Namen nennen
    Selbst-Empathie
    Wie fühle ich mich, wenn ich mich daran erinnere?
    Welche Bedürfnisse sind/waren nicht erfüllt?
  3. Vergeben – Die Menschlichkeit der anderen anerkennen
    Mich in die Schuhe der anderen Person stellen
    Was ist ihre Geschichte?
    Was sind ihre Gefühle und Bedürfnisse?
  4. Beziehung erneuern oder beenden?
    Gibt es eine Bitte an mich oder das Gegenüber?
    Möchte ich unsere Beziehung erneuern oder beenden?

Heute sind es nicht die den GfKlerInnen bekannten Schritte von Marshall Rosenberg. Nein, Birgit und Julia haben bei Desmond Tutu Ähnliches, Vergleichbares entdeckt in D. und M. Tutu „Das Buch des Vergebens“

Wir haben nach diesen Schritten zunächst jedeR für sich die Schritte im Vergebungsprozess niedergeschrieben, und dann Zeit gehabt sie eineR anderen mitzuteilen. Für mich ist erstaunlich, wie dicht und emotional es zwischen zwei Menschen wurde, die sich doch kaum, ja eher gar nicht kennen. Dank der souveränen Leitung durch Birgit und Julia!

Nach dieser Übungsrunde schließt sich noch ein Austausch an über die Stellung der GfK zu den Fachverbänden. Schließlich soll die Mitgliederversammlung über einen Antrag der Kommission GfK abstimmen.

Da gibt es zwei Verbände DACH e.V. und Fachverband Gewaltfreie Kommunikation e. V. – und gegensätzliche Auffassungen darüber, wer von den beiden, Zertifikate ausgeben darf. Ich finde interessant, dass es diese Gegensätze gibt. Dass anerkannte Trainer*innen ihren verband haben müssen.

Das Ergebnis aus der Mitgliederversammlung am Sonntag heißt dann: Die Mitgliederversammlung hat beschlossen, dass der Versöhnungsbund, der inzwischen mit der GFK Organisationen „DACH“ kooperiert, ab jetzt genauso mit dem GFK „Fachverband“ kooperiert, weil beide Organisationen gleichermaßen die Menschen in Deutschland vertreten, die sich um eine Haltung der Gewaltfreiheit im Sinne Marshall Rosenbergs bemühen.

Annette Keimburg und Birgit Gündner sind zuständig für die Kooperation mit dem Versöhnungbund

Harald Riese

Ein Bericht von der Kommission Beloved Communities auf der Jahrestagung 2017

(im Anhang ein Überblick über verschiedene Formen von Gewalt)

Pfingsten ist vorbei.

Mist. Damit habe ich ein Verprechen gebrochen.

Vier Tage sind seit Pfingsten vergangen und erst jetzt finde ich die Ruhe, um diesen Bericht zu schreiben. Aber von vorne...

Über Himmelfahrt war wieder einmal die Jahrestagung des Versöhnungsbundes. Wie jedes Jahr finden sich Samstags die Kommissionen zusammen, also jene Gruppen innerhalb des VBs, die über viele Jahre hinweg an bestimmten Themen arbeiten. Vor einem Jahr gründeten wir die Kommission „Beloved Communities“, auf eine Anregung von Lucas Johnson hin, der diese Arbeit schon in den Niederlanden angefangen hat. Es geht primär um Anti-Rassismus-Arbeit. Zum einen, jenen, die rassifiziert werden und darunter leiden, einen Raum zu bieten Strategien zu entwickeln, sich auszutauschen und mit Referent*innen zu sprechen, die sich schon lange mit ihrer Arbeit gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen. Zum anderen, die Arbeit mit Weißen, jenen, die in der priveligierten Position sind. Sie zu sensibilisieren und sie zu unterstützen, ihre Wahrnehmung öffnen zu können und Verantwortung zu übernehmen.

Ein solches Seminar hatten Samya Korff und Annette Kübler uns an der Jahrestagung ermöglicht. Eingeladener Referent war Tsepo Andreas  Bollwinkel, 1. Solo-Oboist der Lüneburger Symphoniker. Eigentlich. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen mit Rassifizierung und Benachteiligung ist er, außer Berufsmusiker, auch noch Trainer für u.a. Practical Black Consciousness und Critical Whiteness.

Wir begannen den Workshop mit einer Übung, draußen auf der Wiese, denn sie braucht Platz. Leider. Wir alle stehen im Kreis und bekommen jede*r einen Personalbogen mit neuen Identitäten. Darauf stehen Name, Herkunft, Religion, Hautfarbe, Berufsausbildung, Aufenthaltsstatus, Sprache, Arbeitserlaubnis etc. All diese Pernonalbögen sind reale Menschen, Freunde von Tsepo.

Ich bin Syrer und atme sofort erleichtert auf. Ganz unbewusst. Syerer sein scheint mir wohl sofort als ein bisschen besser. Obwohl ich schon weiß, dass mir Deutsch mit Akzent, keine Arbeitserlaubnis und Muslim sein wohl eher zum Verhängnis werden wird. Aber bei Syrien weiß eben gerade jeder Idiot, dass man dort nicht leben kann. Bei Syrern wird es weniger in Frage gestellt, warum sie hier sind. Oder?

Während der nächsten Minuten liest Tsepo Eigenschaften vor und gibt an, ob wir dadurch ein oder mehrere Schritte nach vorne oder nach hinten treten dürfen/müssen. Ich gehe jedes Mal nach hinten. Wirklich jedes Mal. Nur ein einziges Mal darf ich einen Schritt nach vorne gehen. Und das ist bei der Aussage: “du bist ein Mann”. Ich freue mich wahnsinnig, feiere diesen kleinen Sieg. Als dieser Syrer. Als Maria ärgere ich mich wahnsinnig darüber, denn hier wird deutlich, wie sehr man sich über Privilegien freuen kann, von denen man weiß, dass andere dadurch nicht im Vorteil sind. Ich selbst bin ja kein Mann. Und wäre ich eine syrische Frau auf diesem Zettel, hätte ich nicht einmal die Freude erlebt, einen Schritt nach vorne zu gehen. Und wie wichtig es dann doch werden kann, Mann zu sein. Wenn es das einzige positive Attribut ist, das einem zugestanden wird. Wobei man in der Debatte um Geflüchtete ja doch auch eher sieht, dass die Männer nicht gerne gesehen werden. Hm.

Am Ende der Übung gibt es einen kleinen sehr eng stehenden Kern in der Mitte, der Rest ist weit nach draußen verteilt. Ich stehe ganz außen. Verstehe nichts mehr von dem, was erzählt wird in der Mitte. Es interessiert mich auch nicht mehr. Ich blicke eher nach außen, beobachte Vögel und Bäume. Alles was dort in der Mitte erzählt wird, hat sowieso rein gar nichts mit mir zu tun. Die Mitte soll nun Vorschläge machen, wie wir weiter nach innen kommen können. Meistens hilft das alles nix. Ausbildung nochmal machen, könnte ich tun, aber dadurch darf ich ja immer noch nicht arbeiten. Deutsch lernen. Ja, bei mir geht das. Schritt nach vorne. Bei anderen allerdings nicht. Sie sprechen fließend Deutsch, haben eine super Ausbildung. Einen guten Job. Aber die verflixte Hautfarbe... Sie kommen einfach nicht von der Stelle. Weder vor, noch zurück. Ein schreckliches Gefühl. Eine Teilnehmerin gibt sogar ihren Namen auf, damit sie in die Mitte darf. Der klang einfach zu polnisch. Ich werde geheiratet. Von einer Frau aus der Mitte, die ich gar nicht kenne. Aber dadurch habe ich endlich die Arbeitserlaubnis. Fühlt sich trotzdem scheiße an, denn es hat ja nichts mit mir oder meinen Fähigkeiten zu tun, dass ich nun ein wenig mehr vom Rand weg bin.

Nach der Übung reden wir darüber, wie es uns ergangen ist in den Rollen. Was hat es mit uns gemacht? Es ist eine emotionale und fruchtbare Diskussion. Eine Teilnehmerin erzählt, dass sie, auch rassifiziert und auf der Privilegienleiter eher unten angesiedelt, mit einem Arzt zusammen ist, der, auf Grund seiner Hautfarbe und Herkunft hier allerdings nur als Putzmann arbeitet. Ich bin sofort unglaublich wütend. Unser gesamtes Gesundheitssystem ist überfordert. Menschen werden von Chirurgen operiert, die schon 24 Stunden keine Auge mehr zugetan haben. Und es gibt so viele Menschen mit den richtigen Qualifikationen, die dennoch nicht arbeiten dürfen. Es ist zum Kotzen. Diese Teilnehmerin erzählt dann unter Tränen, dass sie auch soch überlegt hat, dass sie sich vielleicht trennen sollte, weil sie ihn noch mehr blockiert. Dass er, würde er eine weiße Frau heiraten, vielleicht mehr Chancen hätte. Sofort schießen mir Tränen in die Augen. Dass eine solche Überlegung in die Beziehung von zwei Menschen eingreift, die sich offensichtlich sehr lieben, ist eine Unverschämtheit! Und es erinnert mich auch an all den Druck, der von außen in meine Ehe eingewirkt hat. All die Probleme, die nichts mit unserer ganz persönlichen Beziehung zu tun hatten. Das Gefälle, das sich auftut, wenn man nur bleiben darf, weil sie mich geheiratet hat. Die Anspannung, die ins Leben tritt, immer kurz vor dem nächsten Termine in der Ausländerbehörde. Der Fakt, dass ein Gespräch darüber, ob wir eine Paarberatung machen oder uns trennen wie folgt endet: „Wenn wir uns trennen, dann vor dem 25. Oktober. Denn da kriege ich meine Niederlassung. Wenn wir uns danach trennen, denkt jeder, ich hätte dich nur dafür geheiratet. Und so will ich auf keinen Fall gesehen werden!“ Dass nicht mal die privatesten der privatesten Gespräche unberührt vom Außen sind. Es macht so schrecklich wütend! Und auch dass die letztendliche Trennung von so vielen ständig auf „kulturelle Probleme“ reduziert wird. Habt ihr mir überhaupt zugehört!? Warum trennen sich denn deutsch-deutsche Beziehungen? Werden diese Probleme nicht gestattet in einer deutsch-türkischen Beziehung?

Aber gut. Zurück zu Pfingsten.

Am Ende des Seminars berieten wir in Kleingruppen, was jede*r von uns bis Pfingsten tun kann, um etwas an der Situation zu ändern. Einen kleinen, erreichbaren Schritt. Ein Buch zum Thema lesen, oder oder oder. Ein Versprechen, das bis Pfingsten eingehalten wird. Jede*r von uns fand etwas. Ich sagte, ich würde mal wieder nach langer Zeit etwas schreiben, dass ich an Freunde weiterleite. So, hier ist es nun. Vier Tage nach Pfingsten. Aber immerhin.

Hier noch einige Literaturtipps von Tsepo:

Americanah, Skandal in Togo, Deutschland Schwarz-Weiß, Exit Racism

Und Google-Tipps:

Achille Mbembe, Sharon Otoo, Anton W. Arno, Homestory Deutschland, Kübra Gümüşay

Pazifismus und offene Grenzen

Di, 11/07/2017 - 17:27 - Ullrich Hahn

Rückblick auf Evian 1938

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich stieg der Auswanderungsdruck jüdischer Bürger aus dem nunmehr „Großdeutschen Reich“. In der Folge schlossen alle Nachbarstaaten ihre Grenzen für Juden. In einer von den USA initiierten Konferenz zur Frage der Aufnahme jüdischer  Flüchtlinge aus Deutschland in Evian, an der 32 Staaten teilnahmen, war kein einziger dieser Staaten bereit, Juden aus Deutschland aufzunehmen. Die Konferenz wurde ergebnislos beendet. Zu einer Zeit, als die Auswanderung von Juden aus Deutschland noch möglich gewesen wäre, blieben ihnen die Grenzen verschlossen.

I. Grundsätze

1. Die Haltung des Pazifismus tendiert zur Öffnung von Grenzen.

Eine wirksame Grenzkontrolle setzt Gewalt voraus in Gestalt von Mauern, Zäunen, Überwachung bis hin zum Schusswaffengebrauch und der lebensgefährlichen Abwehr und Zerstörung von Flüchtlingsbooten auf hoher See. Die Absage an jede Form verletzender und tödlicher Gewalt verträgt keine geschlossenen Grenzen.

Neue Eskalationsstufe im Syrienkrieg

Mi, 28/06/2017 - 19:38 - Clemens Ronnefeldt

Stellungnahme der Kampagne "Macht Frieden" / BSV zu Mossul und Bundeswehr / Bundeswehr ohne Drohen / Friedensschluss in Zentralafrika /Gehen wir

Liebe Friedensinteressierte,

der Krieg in Syrien steht vor einer neuen Eskalationsstufe.

Nach dem Abschuss eines syrischen Militärflugzeuges am 18.6.2017 durch die US-Luftwaffe hat der Pressesprecher von US-Präsident Donald Trump am vergangenen Montag, 26.6.2017, erklärt, dass das Assad-Regime einen Giftgas plane - und einen einen hohen Preis bezahlen müsste, falls es erneut zu einem chemischen Angriff käme.

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