Büchel-Blog

Berichte von den Fasten-Aktion des Initiativkreises gegen Atomwaffen (Regionalgruppe des Internationalen Versöhnungsbundes) am Atomwaffenlager Büchel

Am kommenden Samstag, 29. Juli, startet in Mutlangen die diesjährige Fastenaktion für eine atomwaffenfreie Welt, die von unserem ehemaligen Vorsitzenden Matthias Engelke initiiert wurde. Infos dazu findet Ihr nicht mehr in unserem Büchel-Blog, sondern auf der Seite fastenkampagne.blogspot.de/ dokumentiert. Wir freuen uns über alle, die diese Aktion und die Fastenden unterstützen!

Büchel. Auf dem Weg zum Frieden reiche eine friedliche Gesinnung also solche nicht aus. Das hat Landeskirchenrätin Christine Busch am Nachmittag bei einem Friedensgebet vor dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel unterstrichen. Jesus selbst spreche in der Bergpredigt – wörtlich übersetzt – davon, Frieden zu machen: „Frieden machen heißt: sich einmischen, Freundinnen und Freunde des Friedens suchen, sich verbünden, die Stimme erheben, sich zeigen, sich erkennbar machen“, sagte die stellvertretende Leiterin der Abteilung Ökumene der Evangelischen Kirche im Rheinland in ihrer Predigt vor dem Bundeswehrstandort, der als der einzige in Deutschland gilt, an dem US-Atomwaffen gelagert werden.

„Wir stehen an einem Ort des großen Widerspruchs, von dem wir in der Evangelischen Kirche im Rheinland sagen: er ist ein Stachel im Fleisch, eine Wunde in diesem Land. Denn unter der freundlichen Grasnarbe liegen die Silos mit den todbringenden Atomwaffen. An diesem Geschwader-Stützpunkt hängen viele Ausbildungs- und Arbeitsplätze; er ist ein wichtiger Faktor in einer strukturschwachen Region“, beschrieb Busch die Situation vor Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Ökumenischen Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit, die im Rahmen eines Workshop-Tags auch in die Eifel gekommen waren: Gegen die 20 amerikanischen Atomsprengköpfe werde seit 20 Jahren friedlich protestiert. „2010 hat der Deutsche Bundestag den Abzug aller Atomwaffen beschlossen. Der US-amerikanische Präsident hat sich gegen Atomwaffen ausgesprochen. Doch heute wissen wir: Die Atomsprengköpfe und die Tornado-Träger sollen modernisiert und die Landebahn dieses Flugplatzes soll erneuert werden. Das ist der große Widerspruch: das Eine sagen, das Andere tun. Den Abzug beschließen und die nukleare Teilhabe pflegen. Gedanklich und strategisch mit dem Tod spielen. Büchel liegt an der ,via negativa’ dieses Pilgerweges des Friedens und der Gerechtigkeit; es ist ein Schmerzpunkt.“

Widerspruch ist nötig

Die Bergpredigt Jesu weise andere Wege zum Frieden, machte die rheinische Landeskirchenrätin deutlich. Deswegen sei auch Widerspruch nötig, „wenn man uns glauben machen will, dass Sicherheit militärisch zu gewinnen und dass dies eine Voraussetzung für den Frieden sei. Widerspruch ist nötig, wenn man erklärt, dass atomare, biologische, chemische und konventionelle Waffen der Friedenssicherung dienen oder eine Machtbalance gewährleisten würden. Öffentlicher Widerstand ist gefragt, wenn man militärische Gewalt als eine Option ausweist, die in unserem Namen geschieht oder geschehen kann.“

Die komplette Predigt findet sich hier.

(Quelle des Artikels ist diese Pressemitteilung der EKiR).

Mittwoch, den 21.10. 11.57 Uhr bis Donnerstag, den 22.10., 11.57 Uhr

Es ist drei vor Zwölf - Die Atomkriegsuhr wurde am 22. Januar dieses Jahres um zwei Minuten vorgestellt.
Angesichts der Kriege in Syrien und in der Ukraine ist es höchstfahrlässig wenn die Bundeswehr zusammen mit der Nato den Abwurf von Atombomben übt

Der Initiativkreis gegen Atomwaffen / Regionalgruppe des Internationalen Versöhnungsbundes Cochem-Zell hält  tagsüber vom 21.10. ab 11.57 Uhr bis zum 22.10. 11.57 Uhr eine öffentliche Mahnwache: Pfarrer Dr. Matthias-W. Engelke wird sich dort mit dem Zeichen der Christen für eine gewaltfreie Welt, dem Kreuz Jesu, vor die Haupteinfahrt des Atomwaffenlagers  Büchel stellen und zur Umkehr aufrufen: Atomwaffen abschaffen - jetzt!
Die Atomwaffen der Vereinigten Staaten von Amerika auf dem Fliegerhorst Büchel gehören abgezogen. Stattdessen sollen sie nun so aufgerüstet werden, dass - wie vor kurzem die Fernsehsendung Frontal21 berichtete - eine neuer Typ von Atombombe entsteht.

Jedes Jahr übt die Nato den Abwurf dieser Atomwaffen. Es gibt Hinweise, dass diese Übung, "Steadfast noon" genannt, in diesem Jahr vom 19.-24.10. in Büchel stattfindet. Dieser massiven Dokumentation eines absurden und unmenschlichen Gewaltglaubens treten wir mit dem Zeichen der Liebe Jesu entgegen. Angesichts der Krise in der Ukraine, der Krim und in Syrien den Abwurf von Atombomben zu üben ist hochfahrlässig. Jeder Mensch, der in seinem Haus ausprobiert, ob sein Gasbrenner noch funktioniert, während es im Nachbarhaus lichterloh brennt, wird für unzurechnungsfähig gehalten; wieviel mehr erst, wenn es sich nicht um einen Gasbrenner handelt sondern um eine Bombe, die in der Lage ist das 20igfache einer Großstadt wie Hiroshima mit allem was dort lebt zu vernichten. Wie lange dulden wir Bundesbürger und Europäer den Auswuchs dieses Irrglaubens noch?

Es ist eine Aktion, die die Idee von Pfarrer Rainer Schmid aufgreift, der in der Zeit vom 21.9.-25.9. diese Mahnwache vor dem Atomwaffenlager Büchel hielt. Es ist eine Einzelaktion, die keiner Anmeldung bedarf. Wer sich anschließen möchte ist eingeladen sein Kreuz auf sich zu nehmen oder zu einem anderen sprechenden Symbol zu greifen und sich in einigem Abstand dazu zu stellen oder auf andere Weise seine/ihre Solidarität mit dem Anliegen zu bezeugen. Es findet keine Versammlung statt.

nach der melodie: zieh ein zu deinen Toren

 

so war's, seit kain den abel

sein eignen bruder schlug ...

so war's, seitdem in babel

gott sprach: es ist genug ...

die menschen sind erst klug

posthum, seit noahs zeiten ...

es gibt seit ewigkeiten

nichts als nur lug und trug ...

 

oh müde redensarten

oh hoffnungslosigkeit!

ihr kennt nur haus und garten

seid sonst zu nichts bereit.

ihr könnt gut leben noch

mit krieg und mit dem bösen

werft alles, was gewesen

ins selbe große loch.

 

wie weit wir auch entfernen

uns von dem ursprungsort

kann menschheit denn nicht lernen

und sich entwickeln fort?

muss alles weitergehn

wie eh und je und immer?

im regenbogen schimmern

sechs hoffnungsfarben schön.

 

27.8.2013

Fragen und Thesen zur 6. Öffentlichen Fastenaktion am Atomwaffenlager Büchel vom 31. Juli - 9. August 2015

 

1. Im Kampf gegen Atombomben sind Soldaten unsere potentiellen Verbündeten.
Wie findet das seinen Ausdruck?
Das betrifft auch die eigene Umkehr, indem Amt und Person sowie die Institution Bundeswehr und die sie verkörpernden Person getrennt und für sich wahrgenommen werden.

 

2. Das Arbeitsplatz-Argument enthält einen bislang ungenutzten Spielraum: Es ist nicht automatisch ein Argument für den Erhalt der Atomwaffen.
Es lässt außerdem offen, dass bei anderen oder besseren Arbeitsplätzen die Zustimmung zum Atomwaffenlager als Arbeitgeber schwinden kann.

 

3. Atombomben sind keine rein politische Waffe, die NATO übt mit ihnen:
Die NATO übt im Oktober 2015 den Einsatz von Atombomben der Vereinigten Staaten von Amerika mit deutschen Tornado-Kriegsdüsenjets. Das sollte nicht ohne Aktionen, Mahnwachen, Blockaden o.ä. vonstatten gehen.

 

4. Was weiß die überregionale Presse von der Fastenaktion – was will sie davon wissen?
Die diesjährige Fastenaktion fand Beachtung in der lokalen Presse, vom russischen Fernsehen, vom Friedensbeauftragten der EKD und dem Ratsvorsitzenden der EKD aber nicht von der überregionalen deutschen Presse – was für eine Allianz?!

 

5. Der Willkür der Bundeswehrverwaltung ist zu widersprechen.
Die Bundeswehrverwaltung in Wiesbaden hat willkürlich eine angeblich 50-Meter-Abstandszone vom Bundeswehrzaun festgelegt. Auch das Errichten eines Versammlungszeltes war uns in diesem Bereich nicht erlaubt. Die vorgegebene Linie wurde kritiklos und ohne Prüfung von der zivilen Verwaltung in Cochem übernommen. Diese Auflage hielt jedoch einer Überprüfung nicht stand. Wie ist eine professionelle Unterstützung für Friedensaktivisten möglich, die schnell, zeitnah und kompetent zur Stelle ist und den Geldbeutel der Fastenden nicht belastet?

 

6. Die geistliche Auseinandersetzung nicht scheuen: Es gilt, der geballten Ansammlung unmenschlicher Destruktivität und der irrationalen Naivität in der Auffassung „Aufrüstung garantiere den Frieden“ den Glauben in die Kraft der Liebe und der Wahrheit entgegenzusetzen. Dieser Glaube kann Berge versetzen.

 

7. Fasten und ziviler Ungehorsam sind Geschwister, sie gehören zusammen und leben getrennt; es ist gut, wenn sie hin und wieder zusammen kommen. Das Fasten macht den Ernst deutlich, worum es geht, der zivile Ungehorsam die Dringlichkeit, dass sich etwas ändern muss – bei den Soldaten, bei Politikern, in der Öffentlichkeit etc.

Ziviler Ungehorsam ist ergänzungsbedürftig wenn er geschieht, weil man Berührungsängste im Gespräch mit Polizisten und Soldaten hat; Fasten ist ergänzungsbedürftig, wenn es geschieht um sich selbst zu beweisen und es nicht der Feier des Lebens dient.

 

8. Wie schützen wir uns vor Allmachtsphantasien des Aktivismus und vor Ohnmachtsanfällen des Grauens?
Dieses kann zum Diabolisieren führen – diejenigen, die das Atomregime unterstützen, werden verteufelt. Allmachtsphantasien – als wenn die Aufgabe, vor der wir stehen in kurzer Zeit bewältigt werden könnte – entmächtigen, weil zu leicht übersehen wird, was jetzt schon möglich ist – und notwendig ist für die nächsten und übernächsten Schritte, die ohne ihre Vorgänger nicht möglich sind; Allmachtsphantasien füttern auf heimtückische Weise nur die Ohnmachtsgefühle.
Wir leben aus der Kraft der Hoffnung.

 

9. Aschram auf Zeit: Ein öffentliches Fasten von einer Dauer von länger als einer Woche und wohl mit mehr als etwa sieben Personen ist wie ein Aschram auf Zeit. Das verlangt nach einer gestalteten und miteinander vereinbarten inneren und äußeren Struktur:
- Regeln für wiederkehrende tägliche Aufgaben;
- Gewohnheiten fürs Zusammenleben;
- Strukturen für Ämter und Aufgaben;
- inhaltliche Schwerpunkte z. B. zu aktuellen Fragen der atomaren Bedrohung genauso wie über Vor- und Nachteile verschiedener Formen zu fasten, geistliche und körperliche Übungen in der Gewaltfreiheit etc.

 

10. Als Fastende benötigen wir mehr Zeit für körperliche Bewegung – aber nicht für mehr Aktionen; hier ist die Unterstützer-Gruppe mehr gefragt.

 

11. Die viele Zeit für Gespräche und den Austausch von Ideen sowie ungeplante und freie Vernetzungen ist ein wunderbarer Schatz dieser Fastenaktion, vielleicht der wichtigste.

 

12. Wider die Vereinzelung:
Wenn ein Soldat seine Offenheit oder gar Sympathie den Fastenenden gegenüber zeigt, dann ist das gewiss nicht der Beginn der Flut, aber möglicherweise zeigt es das Ende der Ebbe an. Das Argument „das ist doch nur einer!“ ist spiegelbildlich identisch mit der formelhaften Ausrede „ich als Einzelner kann ja doch nichts tun“ und bestärkt die Diktatur der Hoffnungslosigkeit und Vereinzelung.

 

13. Die Rationalität der Hoffnung: Hoffnung ist nicht die Religion der Irrationalität sondern entspringt der Rationalität der Liebe: Eine atomwaffenfreie Welt ist eine humane Selbstverständlichkeit; dass sie freiwillig herbeigeführt wird ist eine menschliche Notwendigkeit; alles andere ist außerhalb menschlicher Vorstellungskraft und damit reine Irrationalität.

 

14. Wir sind keine Wahrsager, aber es ist unsere Kraft, zu sagen, was wahr ist, öffentlich.

 

15. Wie kann die Bundeswehr als Institution überwunden werden?
Die Bundeswehr ist nicht unser Gegner, der besiegt werden muss. Der Mensch strebt in der Regel nach dem Besseren. Wie kann die Struktur, die die Bundeswehr verkörpert, im Sinne von Walter Wink überwunden werden? In eine Institution mit Fachleuten für den Technischen Hilfsdienst und gewaltfreien Zivilen Friedensfachkräften als Alternative und nicht als Ergänzung zum Militär!

 

16. Der Zusammenhang von innerer und äußerer Befreiung ist deutlicher zu machen: Durch das Fasten leisten wir einen Beitrag zur inneren Befreiung von Plastik-Partikelchen, Giften und Schadstoffen, die wir durch die Industrialisierung, die Verschmutzung der Umwelt und überirdischen Atomwaffentests u.a. in uns aufgenommen haben; und das Fasten dient der äußeren Befreiung von der Gewalt der Atomkette, die die Welt von der Uran-Forschung, über den Uran-Abbau bis zu den Atomkraftwerken und Atomwaffentests und Atomwaffen in Abhängigkeit fesselt. Die Auseinandersetzung kann z. B. beinhalten
- die Unterstützerregimes nambar zu machen;
- dazu beitragen, Unterstützungsmechanismen auszutrocknen durch das Unterlassen ihrer direkten und indirekten Geld-, Zeit- und Kraftzufuhr.

 

17. Vorschlag für eine zukünftige Bezeichnung: „7. Öffentliches Befreiungsfasten“
Befreiung von der Atomkette – Frei für eine Welt ohne Atombombe.

 

18. Befreiungsfasten will auch feiern:
Als Befreiungsfasten kann die Befreiung von Schadstoffen und politisch-wirtschaftlicher Unterdrückung jetzt schon gefeiert werden. Wie kann das nicht nur beim Fastenbrechen sondern auch während einer Fastenaktion Ausdruck finden?

 

19. Das Befreiungsfasten ist offen für andere Gruppen, die sich mit anderem Zeitkontingent ganz oder teilweise und mit ihrem jeweiligen Glaubenshorizont anschließen wollen. Gewaltfreiheit ist die Basis für das gemeinsame politische Handeln.

 

20. Das Einwirken auf die deutsche Öffentlichkeit in gleicher Weise wie in Büchel öffentlich auf das Unrecht der Atomkette und speziell die atomare Bewaffnung in einem deutschen Bundeswehrstandort hinzuweisen, kann ausgeweitet werden.

 

21. Wer fastet und wer unterstützt sollte in der Öffentlichkeit auch im Sinne der eigenen Glaubwürdigkeit transparent sein. Das beinhaltet z. B. Zeiten und Orte für Mahlzeiten für die Unterstützergruppe.

 

22. Das Befreiungsfasten führt auch in eine geistliche Auseinandersetzung:
Gewalt hat viele Gründe, aber bewirkt nichts fürs Leben und für den Frieden.
Liebe ist grundlos, sie ist spontan, immer ursprünglich, aber nie ohne Wirkung für Leben und Frieden.

Der Irrtum ist: Wer an Gewalt glaubt, glaubt, dass sie – weil sie als Mittel zum Zweck dient – für einen guten Zweck etwas Gutes bewirkt. Sobald Gewalt angewandt wird, verwandelt sie sich, von einem Mittel zu einem Selbstzweck - was sie von Anfang an, verborgen hinter einem Schleier von Täuschung und Selbsttäuschung, ist.

Wer an die Liebe glaubt wird merken, dass das allein nicht ausreicht um die Welt zu verändern: Ohne Denken, Ausdauer, Gemeinschaft, Wahrhaftigkeit, Wissen und Können u.a.m. geht es nicht; Liebe ermöglicht dies alles aber ist es nicht.

Es gilt den Streitgegner nicht bei seinen Schwächen zu treffen sondern ihn auf seine Stärken hin anzusprechen.
Denn wird der Streitgegner bei seinen Schwächen angegriffen, liegt der Gedanke nahe, dass es nur nötig sei, die Schwächen abzustellen, um noch stärker zu werden; und ist der Friedensbewegung womöglich noch dankbar auf Schwächen aufmerksam gemacht worden zu sein, die ohne sie gar nicht aufgefallen wären und nun abgestellt werden können.

Ziel der Auseinandersetzung ist es nicht, den „Feind“ zu überwinden und die Entgegensetzung von Sieger und Besiegtem damit weiter zu bedienen, sondern die Feindschaft zu überwinden, indem aus dem gegenseitigen Streit ein mit- und füreinander streiten wird für eine gerechtere Welt, eine Welt frei von Atomwaffen.

Wenn wir aber nicht in der Lage sind, in den Soldaten zukünftige Bündnispartner für eine gerechtere Welt und eine Welt frei von Atomwaffen zu erkennen, werden wir dann für sie als Bündnispartner angenommen werden können, wenn sie auf uns zukommen, um diesem Ziel näher zu kommen? Und werden wir dann solche Chancen überhaupt wahrnehmen?

 

23. Die Zusammenarbeit zwischen der Friedensarbeit vor Ort am Atomwaffenlager und der überregionalen Friedensarbeit kann intensiver werden. Im Vorfeld wurde in verschiedenen überregionalen Zeitschriften und Veröffentlichung selbst der Friedensbewegung auf die öffentliche Fastenaktion nicht hingewiesen (z. B. Ohne Rüstung leben, Versöhnung). Wenn die Hiroshima- und Nagasaki-Gedenktage thematisiert werden, sollte es sich von selbst verstehen, dass auf die Stützpunkte der Atomwaffen der Vereinigten Staaten von Amerika in Europa hingewiesen wird und zugleich auf die dort und an anderen Orten stattfindenden Aktionen u. a. der internationalen Fastenaktionen.

 

24. Das internationale Fasten kann in seiner Bedeutung und Wahrnehmung noch verbessert werden. Hier wäre eine verbesserte Technik und einfachere Abläufe hilfreich (peer to peer-Austausch in Zweierverbindung als Basis; nur bei stabiler Technik größere Konferenzen).

 

25. Der Kontakt zu Politikern vor und nach einer Fastenaktion kann ausgebaut werden. Das betrifft die eigenen Landtags- und Bundestagsabgeordneten wie auch andere Mandatsträger. Zukünftig ist es wohl nötig, Aufgaben untereinander aufzuteilen und Menschen dafür zu gewinnen, um die Möglichkeiten einer Fastenaktion besser ausschöpfen und einer Überforderung Weniger vorbeugen zu können.

 

26. Für 2016 ist im Gespräch, das 7. Öffentliche Befreiungsfasten von der Gewalt der Atomkette und für eine atomwaffenfreie Welt in Berlin beginnen zu lassen verbunden mit verschiedenen Aktionen zivilen Ungehorsams vor den Botschaften der offiziellen und inoffiziellen atomwaffenführenden Staaten. Eine gute Zusammenarbeit von Fastenden und Unterstützergruppen ist gerade dafür besonders wichtig. Die Vorbereitungen dafür sollten schon bald beginnen.

 

27. Gewöhnung und Vertrauen
Die wenigsten Soldaten am Atomwaffenstandort in Büchel und in Cochem-Brauheck – dort ist die Verwaltungseinheit des Atomwaffenstützpunktes – dürften ihren Dienst tun, weil sie gezielt und unbedingt mit den Atomwaffen der Vereinigten Staaten von Amerika zu tun haben wollen. Das birgt Handlungspotentiale für die Friedensarbeit. Das System einer Armee fußt nicht einfach auf Befehl und Gehorsam sondern auch auf Gewöhnung und Vertrauen. Sobald jemand am Atomwaffenstützpunkt Büchel angekommen ist, wird die Gewöhnung einsetzen und das Vertrauen dies bestärken, dass es schon zu irgendetwas gut sei – und wenn es der Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes ist.

Hier kann die Friedensbewegung ansetzen, passiv und aktiv:
a) Passiv: Durch Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit, Transparenz und Glaubwürdigkeit; auf der Basis der aktiven Gewaltfreiheit kann ein anderer Gewöhnungsprozess einsetzen, der Soldaten mit Menschen der Friedensarbeit vertraut macht. Dagegen steht, dass Soldaten der oberen Ränge recht häufig versetzt werden. Viele aber bleiben vor Ort solange es nur geht. Die persönliche Begegnung mit Soldaten und ihren Angehörigen vor Ort ist darum sehr wichtig. Das dürfte am ehesten in den Wohnorten der Soldaten und ihren Familien möglich sein.
b) Aktiv: Soldaten vertrauen der Bundeswehr und ihrer politischen Führung. Dem setzen wir etwas Besseres entgegen. Wir säen kein Misstrauen, sondern verkörpern das Vertrauen in die Wahrheit, die Kraft der Fragen und Fakten und die verändernde Wirkung der Liebe. Was bei einer Armee notwendigerweise beschränkt und partikular ist, dem setzen wir das entgegen, was weit und befreiend ist. Und dies in aller Öffentlichkeit.

 

Steyl, den 8. September 2015

Die Atomkette schlägt die ganze Welt in Fesseln.
Vom Uranabbau über Forschung und Entwicklung, Atomkraftwerke und Anreicherungsanlagen, Atombombenabwürfe, Atomwaffentests, uranhaltige Munition bis hin zum Atommüll - die ganze Welt, Mensch wie Tier und Pflanzenwelt und die unbelebte Natur - alles wird in Mitleidenschaft gezogen. Eine Minderheit unterdrückt die gesamte Menschheit mitsamt der Mitwelt. Dies nenne ich eine Herrschaft der Gewalt. Die offiziellen und inoffiziellen Staaten im Besitz von Atomwaffen - die Vereinigten Staaten von Amerika, Russland, China, England, Frankreich, Indien, Pakistan, Nord-Korea und Israel wirken wesentlich daran mit, dass Atombomben - auch 70 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki - immer noch gegenwärtig sind und alles Leben auf der Welt bedrohen. Die Beispiele, wie Staaten auf den Besitz von Atomwaffen verzichteten und die Fähigkeit, sie zu bauen, willentlich verlernten - wie die Ukraine und Süd-Afrika - sind verblasst. Im Gegenteil, der Staatsführung der Ukraine wird Naivität vorgeworfen. Und die NATO - und mit ihr die Bundeswehr und das Luftwaffengeschwader 33 in Büchel - übt jährlich den Einsatz von Atomwaffen in der Übung "Steadfast noon". So auch bald wieder, voraussichtlich vom 20.-24. Oktober 2015.

Menschliches Zusammenleben ist gestaltbar. Es kann sich entwickeln hin zu mehr Gewalt und Ungerechtigkeit. Es kann sich aber auch entwickeln hin zu mehr Menschlichkeit und Solidarität.

Ausgehend von Weisungen aus dem Alten Testemant - die sogenannten Zehn Gebote ist nur die bekannteste Reihung solcher Weisungen für ein gelingendes Leben - fragten wir uns in den täglichen Andachten und Gedenkfeiern, welche Weisungen können uns heute dabei helfen, diese Herrschaft der Gewalt zu überwinden oder wenigstens ihre Unterstützung zu unterlassen. Dabei wurden im Laufe der Tage von verschiedenen Mitwirkdenden folgende Weisungen vorgeschlagen. Sie werden hiermit zur weiteren Diskussion gestellt.

WENN DU DAS LEBEN LIEBST DANN

ÜBE NIEMALS GEWALT

STEHE ZUR EIGENEN OHNMACHT

ÜBERWINDE DAS FREUND-FEIND-DENKEN! WIR SIND ALLE MENSCHEN

WERDET VERSTEHER UND VERSTEHERINNEN

ÜBERZEUGE MIT DEINEN TATEN, NICHT NUR MIT DEINEN WORTEN

ERKENNE IN JEDEM MENSCHEN DIE HANDARBEIT GOTTES

NEHME KEINE GEISEL

TUE NICHTS, WAS DIE NACHFOLGENDE GENERATION BELASTET UND TUE NUR DAS, WAS AUCH FÜR DIE NACHFOLGENDE GENERATION GUT IST

DENN ICH BIN DER HERR, DEIN GOTT, SPRICHT GOTT, DER HERR: GLAUBE NICHT AN DIE ERLÖSENDE KRAFT DER GEWALT.

Im Rahmen der Andachten bzw. Gedenkfeiern fragen wir uns, wie Weisungen für eine Welt ohne Gewalt aussehen können bzw. zur Überwindung einer Herrschaft der Gewalt. In der Atomkette, die vom Uranabbau angefangen bis zu den Atombombenabwürfen die Welt in Fesseln schlägt, sehen wir eine globale Herrschaft der Gewalt. Ausgehend von Weisungen aus dem Alten Testament - die sogenannten 10 Gebote sind nur eine von vielen solcher Reihen - luden wir dazu ein, Weisungen vorzustellen.

Rüdiger Lancelle stellte die Weisung vor "NIEMALS GEWALT" und verband sie mit einem sehr persönlichen Wort und der Preisrede von Astrid Lindgren bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1978. Hier sein Beitrag:

 

Friedensinitaitive Büchel 4. August 2015 - Andacht

Schwerter zu Pflugscharen“ Micha 4, 1 - 5

Das kommende Friedensreich Gottes

1 In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über die Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen,

2 und viele Heiden werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des HERRN gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.

3 Er wird unter großen Völkern richten und viele Heiden zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

4 Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des HERRN Zebaoth hat's geredet.

5 Ein jedes Volk wandelt im Namen seines Gottes, aber wir wandeln im Namen des HERRN, unseres Gottes, immer und ewiglich!

 

Matthäus 5 Die Seligpreisungen

 

9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

 

Ich war, wie einige von Euch wissen, etwa 35 Jahre meines Lebens Lehrer. Da ist mir Gewalt begegnet – Gewalt zwischen Kindern, zwischen Jugendlichen, auch zwischen Lehrenden und Lernenden. Mein erster Konrektor war gefürchtet [sein Spitzname: das Schlachtschiff], weil er zuschlagend für die Ordnung sorgte, die er anordnete. Einmal – auf einer Klassenfahrt – habe ich selbst Gewalt gegen einen Schüler angewendet. Er wollte am letzten Abend stiften gehen, weil er sich vor seinem Vater fürchtete. Und ich habe mit ihm gerungen, bis ich ihn überzeugen konnte, sein Vorhaben aufzugeben. Nach diesem Vorfall begegnete mir ein Text von Astrid Lindgren, die Rede, die sie bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1978 gehalten hat:

Liebe Freunde!

[ Das erste, was ich zu tun habe, ist Ihnen zu danken, und das tue ich von ganzem Herzen. Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels strahlt einen solchen Glanz aus und ist eine so hohe Auszeichnung, dass es einen fast überwältigt, empfängt man ihn. Und jetzt stehe ich hier, wo schon so viele kluge Männer und Frauen ihre Gedanken und ihre Hoffnungen für die Zukunft der Menschheit und den von uns allen ersehnten ewigen Frieden ausgesprochen haben - was könnte ich wohl sagen, das nicht schon andere vor mir gesagt haben? ]

Über den Frieden sprechen heißt ja über etwas sprechen, das es nicht gibt. Wahren Frieden gibt es nicht auf unserer Erde und hat es auch nie gegeben, es sei denn als Ziel, das wir offenbar nicht zu erreichen vermögen. Solange der Mensch auf dieser Erde lebt, hat er sich der Gewalt und dem Krieg verschrieben, und der uns vergönnte, zerbrechliche Friede ist ständig bedroht. Gerade heute lebt die ganze Welt in der Furcht vor einem neuen Krieg, der uns alle vernichten wird. Angesichts dieser Bedrohung setzen sich mehr Menschen denn je zuvor für Frieden und Abrüstung ein - das ist wahr, das könnte eine Hoffnung sein.

Doch Hoffnung hegen fällt so schwer. Die Politiker versammeln sich in großer Zahl zu immer neuen Gipfelgesprächen, und sie alle sprechen so eindringlich für Abrüstung, aber nur für die Abrüstung, die die anderen vornehmen sollen. Dein Land soll abrüsten, nicht meines! Keiner will den Anfang machen. Keiner wagt es anzufangen, weil jeder sich fürchtet und so geringes Vertrauen in den Friedenswillen des anderen setzt. Und während die eine Abrüstungskonferenz die andere ablöst, findet die irrsinnigste Aufrüstung in der Geschichte der Menschheit statt. Kein Wunder, dass wir alle Angst haben, gleichgültig, ob wir einer Großmacht angehören oder in einem kleinen neutralen Land leben. Wir alle wissen, dass ein neuer Weltkrieg keinen von uns verschonen wird, und ob ich unter einem neutralen oder nicht-neutralen Trümmerhaufen begraben liege, das dürfte kaum einen Unterschied machen.

Müssen wir uns nach diesen Jahrtausenden ständiger Kriege nicht fragen, ob der Mensch nicht vielleicht schon in seiner Anlage fehlerhaft ist? Und sind wir unserer Aggressionen wegen zum Untergang verurteilt? Wir alle wollen ja den Frieden. Gibt es denn da keine Möglichkeit, uns zu ändern, ehe es zu spät ist? Könnten wir es nicht vielleicht lernen, auf Gewalt zu verzichten? Könnten wir nicht versuchen, eine ganz neue Art Mensch zu werden? Wie aber sollte das geschehen, und wo sollte man anfangen?

Ich glaube, wir müssen von Grund auf beginnen. Bei den Kindern.

Sie, meine Freunde, haben Ihren Friedenspreis einer Kinderbuchautorin verliehen, und da werden Sie kaum weite politische Ausblicke oder Vorschläge zur Lösung internationaler Probleme erwarten. Ich möchte zu Ihnen über die Kinder sprechen. Über meine Sorge um sie und meine Hoffnung für sie.

Die jetzt Kinder sind, werden ja einst die Geschäfte unserer Welt übernehmen, sofern dann noch etwas von ihr übrig ist. Sie sind es, die über Krieg und Frieden bestimmen werden und darüber, in was für einer Gesellschaft sie leben wollen. In einer, wo die Gewalt nur ständig weiterwächst, oder in einer, wo die Menschen in Frieden und Eintracht miteinander leben.

Gibt es auch nur die geringste Hoffnung darauf, dass die heutigen Kinder dereinst eine friedlichere Welt aufbauen werden, als wir es vermocht haben? Und warum ist uns dies trotz allen guten Willens so schlecht gelungen?

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, welch ein Schock es für mich gewesen ist, als mir eines Tages - ich war damals noch sehr jung - klar wurde, dass die Männer, die die Geschichte der Völker und der Welt lenkten, keine höheren Wesen mit übernatürlichen Gaben und göttlicher Weisheit waren. Dass sie Menschen waren mit den gleichen menschlichen Schwächen wie ich. Aber sie hatten Macht und konnten jeden Augenblick schicksalsschwere Entscheidungen fällen, je nach den Antrieben und Kräften, von denen sie beherrscht wurden. So konnte es, traf es sich besonders unglücklich, zum Krieg kommen, nur weil ein einziger Mensch von Machtgier oder Rachsucht besessen war, von Eitelkeit oder Gewinnsucht, oder aber - und das scheint das häufigste zu sein - von dem blinden Glauben an die Gewalt als das wirksamste Hilfsmittel in allen Situationen. Entsprechend konnte ein einziger guter und besonnener Mensch hier und da Katastrophen verhindern, eben weil er gut und besonnen war und auf Gewalt verzichtete.

Daraus konnte ich nur das eine folgern:

Es sind immer auch einzelne Menschen, die die Geschichte der Welt bestimmen. Warum aber waren denn nicht alle gut und besonnen? Warum gibt es so viele, die nur Gewalt wollten und nach Macht strebten? Waren einige von Natur aus böse? Das konnte ich damals nicht glauben, und ich glaube es auch heute nicht.

Die Intelligenz, die Gaben des Verstandes mögen zum größten Teil angeboren sein, aber in keinem neugeborenen Kind schlummert ein Samenkorn, aus dem zwangsläufig Gutes oder Böses sprießt. Ob ein Kind zu einem warmherzigen, offenen und vertrauensvollen Menschen mit Sinn für das Gemeinwohl heranwächst oder aber zu einem gefühlskalten, destruktiven, egoistischen Menschen, das entscheiden die, denen das Kind in dieser Welt anvertraut ist, je nachdem, ob sie ihm zeigen, was Liebe ist, oder aber dies nicht tun.

"Überall lernt man nur von dem, den man liebt",
hat Goethe einmal gesagt, und dann muss es wohl wahr sein.

Ein Kind, das von seinen Eltern liebevoll behandelt wird und das seine Eltern liebt, gewinnt dadurch ein liebevolles Verhältnis zu seiner Umwelt und bewahrt diese Grundeinstellung sein Leben lang. Und das ist auch dann gut, wenn das Kind später nicht zu denen gehört, die das Schicksal der Welt lenken. Sollte das Kind aber wider Erwarten eines Tages doch zu diesen Mächtigen gehören, dann ist es für uns alle ein Glück, wenn seinen Grundhaltung durch Liebe geprägt worden ist und nicht durch Gewalt. Auch künftige Staatsmänner und Politiker werden zu Charakteren geformt, noch bevor sie das fünfte Lebensjahr erreicht haben - das ist erschreckend, aber es ist wahr.

Blicken wir nun einmal zurück auf die Methoden der Kindererziehung früherer Zeiten. Ging es dabei nicht allzu häufig darum, den Willen des Kindes mit Gewalt, sei sie physischer oder psychischer Art, zu brechen? Wie viele Kinder haben ihren ersten Unterricht in Gewalt "von denen, die man liebt", nämlich von den eigenen Eltern erhalten und dieses Wissen dann der nächsten Generation weitergegeben!

Und so ging es fort, "Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben", hieß es schon im Alten Testament, und daran haben durch die Jahrhunderte viele Väter und Mütter geglaubt. Sie haben fleißig die Rute geschwungen und das Liebe genannt. Wie aber war denn nun die Kindheit aller dieser wirklich "verdorbenen Knaben", von denen es zur Zeit so viele auf der Welt gibt, dieser Diktatoren, Tyrannen und Unterdrücker, dieser Menschenschinder?

Dem sollte man einmal nachgehen.
Ich bin überzeugt davon, dass wir bei den meisten von ihnen auf einen tyrannischen Erzieher stoßen würden, der mit einer Rute hinter ihnen stand, ob sie nun aus Holz war oder im Demütigen, Kränken, Bloßstellen, Angstmachen bestand.

In den vielen von Hass geprägten Kindheitsschilderungen der Literatur wimmelt es von solchen häuslichen Tyrannen, die ihre Kinder durch Furcht und Schrecken zu Gehorsam und Unterwerfung gezwungen und dadurch für das Leben mehr oder weniger verdorben haben. Zum Glück hat es nicht nur diese Sorte von Erziehern gegeben, denn natürlich haben Eltern ihre Kinder auch schon von jeher mit Liebe und ohne Gewalt erzogen. Aber wohl erst in unserem Jahrhundert haben Eltern damit begonnen, ihre Kinder als ihresgleichen zu betrachten und ihnen das Recht einzuräumen, ihre Persönlichkeit in einer Familiendemokratie ohne Unterdrückung und ohne Gewalt frei zu entwickeln.

Muss man da nicht verzweifeln, wenn jetzt plötzlich Stimmen laut werden, die die Rückkehr zu dem alten autoritären System fordern? Denn genau das geschieht zur Zeit mancherortens in der Welt. Möglicherweise könnte diese erwünschte "härtere Zucht" eine äußerliche Wirkung erzielen, die die Befürworter dann als Besserung deuten würden. Freilich nur so lange, bis auch sie allmählich zu der Erkenntnis gezwungen werden, dass Gewalt immer wieder nur Gewalt erzeugt - so wie es von jeher gewesen ist.

Nun mögen sich viele Eltern beunruhigt durch die neuen Signale fragen, ob sie es bisher falsch gemacht haben. Ob eine freie Erziehung, in der die Erwachsenen es nicht für selbstverständlich halten, dass sie das Recht haben zu befehlen und die Kinder die Pflicht haben, sich zu fügen, womöglich nicht doch falsch oder gefährlich sei.

Freie und un-autoritäre Erziehung bedeutet nicht, dass man die Kinder sich selber überlässt, dass sie tun und lassen dürfen, was sie wollen. Es bedeutet nicht, dass sie ohne Normen aufwachsen sollen, was sie selber übrigens gar nicht wünschen.

Verhaltensnormen brauchen wir alle, Kinder und Erwachsene, und durch das Beispiel ihrer Eltern lernen die Kinder mehr als durch irgendwelche anderen Methoden. Ganz gewiss sollen Kinder Achtung vor ihren Eltern haben, aber ganz gewiss sollen auch Eltern Achtung vor ihren Kindern haben, und niemals dürfen sie ihre natürliche Überlegenheit missbrauchen. Liebevolle Achtung voreinander, das möchte man allen Eltern und allen Kindern wünschen.

Jenen aber, die jetzt so vernehmlich nach härterer Zucht und strafferen Zügeln rufen, möchte ich das erzählen, was mir einmal eine alte Dame berichtet hat. Sie war eine junge Mutter zu der Zeit, als man noch an diesen Bibelspruch glaubte, dieses "Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben".

Im Grunde ihres Herzens glaubte sie wohl gar nicht daran, aber eines Tages hatte ihr kleiner Sohn etwas getan, wofür er ihrer Meinung nach eine Tracht Prügel verdient hatte, die erste in seinem Leben. Sie trug ihm auf, in den Garten zu gehen und selber nach einem Stock zu suchen, den er ihr dann bringen sollte. Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: "Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast du einen Stein, den kannst du ja nach mir werfen."

Da aber fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind musste gedacht haben, "Meine Mutter will mir wirklich weh tun, und das kann sie ja auch mit einem Stein."

Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme, und beide weinten eine Weile gemeinsam. Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche, und dort blieb er liegen als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selber gegeben hatte:

"NIEMALS GEWALT!"

Ja, aber wenn wir unsere Kinder nun ohne Gewalt und ohne irgendwelche straffen Zügel erziehen, entsteht dadurch schon ein neues Menschengeschlecht, das in ewigem Frieden lebt? Etwas so Einfältiges kann sich wohl nur ein Kinderbuchautor erhoffen! Ich weiß, dass es eine Utopie ist. Und ganz gewiss gibt es in unserer armen, kranken Welt noch sehr viel anderes, das gleichfalls geändert werden muss, soll es Frieden geben. Aber in dieser unserer Gegenwart gibt es - selbst ohne Krieg - so unfassbar viel Grausamkeit, Gewalt und Unterdrückung auf Erden, und das bleibt den Kindern keineswegs verborgen. Sie sehen und hören und lesen es täglich, und schließlich glauben sie gar, Gewalt sei ein natürlicher Zustand.

Müssen wir ihnen dann nicht wenigstens daheim durch unser Beispiel zeigen, dass es eine andere Art zu leben gibt?

Vielleicht wäre es gut, wenn wir alle einen kleinen Stein auf das Küchenbord legten als Mahnung für uns und für die Kinder:

NIEMALS GEWALT!

Es könnte trotz allem mit der Zeit ein winziger Beitrag sein zum Frieden in der Welt.

am sechsten august
    um acht uhr fünfzehn und
        wenige bruchteile von sekunden später
            verdampfte ich
                wurde ich aufgelöst
                    in hitze
                        verbrannte alles von mir im nu
 
die energie
    die auf der sonne zu hause ist
        wurde an mir ausprobiert
            und an meinem wellensittich
                meiner mutter
                    mit meinem geschwisterchen in ihrem bauch
 
zum kaum sichtbaren schemen vorm haus wurde ich
    kurz zuvor
        hatte ich ein einzelnes flugzeug gesehen
            und dann einen blitz
                wie ich ihn nie mehr sehen werde
                    und keinem wünsche ihn jemals zu sehen
                        denn danach
                            verdampfte ich
 
 
aufgelöst alles was ich bin und war
    zu weniger als gas
        und mit mir alle meine freunde und nachbarn
            mich gibt’s nicht mehr
                noch nicht mal eine erinnerung von mir gibt es
                    denn alle, die mich hier kannten
                        sind mit mir nicht mehr
                            wir sind alle verdampft
 
dabei wurden wir von denen beneidet
    die überlebten
        deren leib sich langsamer auflöste als bei mir
            zerstört von einer kraft
                entfesselt von einem menschen
                    ausgeführt von einem soldaten
                        befohlen von vielleicht auch einem vater
                            erdacht geplant und in die tat 
umgesetzt von solchen
    die ich nicht kenne
        und nicht kennenlernen werde
            denn ich bin
                verdampft worden
 
Dieses Gedicht wurde während der Fastenaktion 2015 an Werktagen morgens am Verteilerkreis vor dem Haupttor zum Atomwaffenlager in Büchel verteilt.
 
Copyright by Matthias-W. Engelke, zum Nachruck freigegeben. Belegexemplare bitte an matthias.engelke@ekir.de
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PDF Icon Hiroshima 2015_Prosa-Gedicht.pdf38.62 KB

Täglich feierten wir während unser Fastenaktion vor dem Atomwaffenlager Büchel drei Gedenkfeiern/Andachten. Dabei wurde die folgende Vaterunser-Paraphrase von Andres Hämer von ihm selbst an einigen Tagen ausgelegt. Gelegentlich wurde dabei auch sein dazugehörendes Vaterunser-Lied gesungen, nach der Melodie "Wunderbarer König".

 

Vaterunser-Paraphrase

Vater – oder Mutter
unser und der anderen
du Himmel über ‚Gerechten’ und ‚Ungerechten’,
du Regenbogen über ‚Bösen’ und ‚Guten’
– Meer der Liebe!

Geheiligt werde dein Name,
bewahrt vor Missbrauch,
gewagt in Auseinandersetzung,
bewahrheitet in Solidarität!

Dein Reich komme,
das Unmögliche werde möglich:
die Überwindung von Hass,Feindschaft und Gier
Terror, Krieg und Angst
die Versöhnung in Israel / Palästina
Frieden auf Erden!

Dein Wille geschehe:
dem Recht schaffe Raum,
unsere Achtsamkeit wachse,
das Totschweigen ende –
wie im Himmel, so auf Erden!

Unser tägliches Brot gib uns heute –
uns und den anderen:
den Kindern, die arbeiten müssen
und in den Krieg geschickt werden,
den Frauen, die ausgenutzt werden
und die sich selbst verkaufen,
der hungernden Bevölkerung in allen Erdteilen

und vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben haben unseren Schuldnern,
erlass uns die Schulden, wie auch wir erlassen unseren Schuldnern.
3,3 Billionen Dollar lass nicht länger wahr sein,
und all das andere auch nicht

und führe uns nicht in die Versuchung,
gut zu leben mit dem Bösen,
nichts zu fühlen,
nichts zu sehen, nichts zu hören, nichts zu sagen,
nichts zu glauben, nichts zu hoffen, nichts zu tun,
sondern…

erlöse uns von dem Bösen,
von dem, was uns angetan wird
und dem, was wir anderen antun,
von den verkehrten Mustern in uns und um uns.
vom Gefühl der Ohnmacht und dem Wahn der Allmacht –
erlöse uns und die Welt!

Denn dein ist das Reich – diese Erde
und die Kraft – die unerschöpflichen Potenziale der Liebe
und die Herrlichkeit – Gelingen und Scheitern
jetzt und in alle Zukunft.

Amen.

 

Quelle: https://andreashaemer.wordpress.com/2014/04/15/vaterunser-paraphrase/ 

vaterunserlied

zu singen nach der melodie: wunderbarer könig

vater – oder mutter –
unser und der andern,
himmel unter dem wir wandern:
böse und gerechte.
großer regenbogen
über beide weit gezogen.
offenheit
himmelweit,
großes meer der liebe,
weltenlauf-getriebe.

namenloser name,
allerorts entheiligt
oder nicht? wir sind beteiligt,
dich vor inflation und
missbrauch zu bewahren,
auch konflikte zu erfahren
und bewahr-
heiten gar,
solidarisch leben
und nach klarheit streben.

dein reich, ganz unmöglich,
werd trotz allem möglich,
alles tote werd beweglich.
feindschaft überwinde,
friedensland ergrüne
israel und palästina –
die versöhn!
lass uns sehn:
frieden soll auf erden,
wie versprochen, werden.

du willst nicht, dass wir blind
an das schicksal glauben –
nein, dem tod die maske rauben.
recht und wahrheit raum zu
schaffen, ist dein wille
unrecht und gewalt mach stille.
achtsamkeit
wachse heut:
nichts mehr totzuschweigen,
sondern aufzuzeigen.

unser täglich brot und
wasser, ach, gib uns heut
und auch allen andern, weltweit.
kindern, die als billig-
arbeitskräfte schaffen,
nahrung brauchen und nicht waffen.
wer denn, gott,
sieht die not
jener die verkaufen
selbst sich – oder saufen?

und vergib uns große
oder kleine schulden,
nicht nur euros, dollars, gulden,
wie auch unsern schuldnern
wollen wir vergeben
denn sie alle wollen leben.
drei billion’ –
blanker hohn
nicht wahr, nicht zu fassen,
darum zu erlassen.

führe uns nicht in ver-
suchung, abzuheben
und mit bösem gut zu leben,
nichts zu hören, nichts zu
sehen, nichts zu sagen
nichts zu hoffen, nichts zu wagen,
nichts zu tun,
fromm zu ruhn,
jetzt-zeit zu verpennen
und nach luxus rennen.

sondern uns erlöse
ganz von allem bösen,
dummheit und korruptem wesen,
vom gefühl der ohnmacht
von dem wahn der allmacht
und von aller falschen andacht.
ach befrei
und erneu
diese welt, die kalte
durch dein’ geist gestalte.

denn dein ist das reich. ab-
surd, dich zu beschränken,
von der erde abzulenken –
und die kraft der liebe,
die uns treibt zu handeln,
und was bös ist, zu verwandeln.
herrlichkeit,
die sich freut
scheitern und gelingen,
beides, zu besingen.

 

Quelle: https://andreashaemer.wordpress.com/2014/04/15/vaterunserlied/

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