Offizielle Stellungnahme

Offizielle Stellungnahmen des VB

pax christi und Versöhnungsbund kritisieren die Budgetkürzungen auf 29 Prozent
 
Der Versöhnungsbund und pax christi kritisieren die Budgetkürzungen der israelischen Regierung für christliche Schulen in Israel und Ostjerusalem. Durch die Kürzung auf 29 Prozent sei die Gefahr groß, dass diese Schulen nicht weiter betrieben werden können.  Mit dieser Kürzungs-Maßnahme, die gegenüber jüdischen Schulen nicht gelte, werde das Gleichheitsprinzip verletzt.
 
Von der Kürzung betroffen sind rund 3.000 Lehrerinnen und Lehrer sowie rund 33.000 Schülerinnen und Schüler. Es sind vor allem palästinensische die mit ihren Eltern als Minderheit in Israel leben und die christliche Schulen in Israel besuchen.
 
Die dortige Erziehung im Geist der Nächstenliebe und der Toleranz hilft den jungen Menschen ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Wenn nun Gehälter von Lehrerinnen und Lehrern nicht mehr bezahlt werden können, Schüler nicht mehr zur Schule gehen können, entsteht ein neuer Konflikt, der sich zu den bestehenden wie  der derzeit äußerst angespannten Situation in Jerusalem, addiert. Durch die Rücknahme der Budget-Kürzungen für christliche Schulen könnte die Regierung ein Zeichen der Deeskalation setzen.

Fluchtgründe und Verursacherprinzip berücksichtigen!

Do, 10/09/2015 - 19:49 - Webmaster

Appell des Internationalen Versöhnungsbundes, Deutscher Zweig,

Den unten stehenden Appell zur Flüchtlingssituation hat der Deutsche Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes heute an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Joachim Gauck, die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag sowie die MinisterpräsidentInnen der Bundesländer und an die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration verschickt.

Ansprechpartner für dieses Thema sind:

Unser Dachverband, die AGDF, hat zusammen mit der katholischen Friedensbewegung pax christi folgende Stellung nahme zum geplanten Weißbuch der Bundesregierung verfasst:

Christliche Friedensverbände: Sicherung wirtschaftlicher und machtpolitischer Interessen kann kein Ziel für militärisches Planen und Handeln sein
 
Die katholische Friedensbewegung pax christi und die evangelische Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) haben die deutschen Bischöfe und Kirchenleitungen aufgefordert, im Zusammenhang mit der Erarbeitung des neuen Weißbuches der Bundeswehr deutlich zu machen, dass die Sicherung wirtschaftlicher und machtpolitischer, geostrategischer Interessen keine Zielvorgabe für militärisches Planen und Handeln sein kann. Stattdessen sollten sich die christlichen Kirchen gegenüber der Bundesregierung dafür einsetzen, dass die Interessen der Armen und Elenden in den Blickpunkt deutscher Außen- und Sicherheitspolitik genommen werden, betonen die pax christi-Bundesvorsitzende  Wiltrud Rösch-Metzler, und der AGDF-Vorsitzende Horst Scheffler in ihrem gemeinsamen Schreiben an den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, sowie alle weiteren Vorsitzenden der Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.
 
Die beiden christlichen Friedensverbände kritisieren, dass in den Militärdoktrinen hochgerüsteter Staaten durchgehend Zielvorgaben Eingang gefunden hätten, die auf eine Sicherung ökonomischer und geostrategischer Interessen abzielen würden, wofür es allerdings weder eine verfassungsrechtliche noch eine völkerrechtliche Grundlage gebe. Durch eine solche Doktrin würde das ökonomische Ungleichgewicht auf der Erde aufrecht erhalten werden, ebenso die Abwehr der Armen an den Mauern reicher Länder, eine militärische Absicherung der Exportwirtschaft und eine Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung zu Ungunsten der schwächeren Nationen.
 
„Solche Zielvorgaben in Militärdoktrinen widersprechen fundamental der christlichen Friedensethik“, stellen dazu pax christi und AGDF fest. Und sie betonen: „Wir sehen nicht, wie sie für ein christlich inspiriertes Gewissen in Einklang zu bringen sein könnten mit dem christlichen Glauben.“ pax christi und AGDF erinnern dabei an die Ökumenische Erklärung von rund 2000 Christinnen und Christen von 2006 gegen Rohstoffkriege: „Treue zum Evangelium und Bekenntnis zum Gott des Friedens“.
 
Wenn im laufenden Weißbuch-Prozess wiederholt die Frage gestellt werde, was aus internationaler Perspektive von Deutschland erwartet werde, müssten hier auch die beiden großen Kirchen in Deutschland ihre Stimme erheben, heben die beiden christlichen Friedensverbände in ihrem Schreiben hervor und fordern die Leitungen der evangelischen und der katholischen Kirche auf, sich in diesen Diskussionsprozess des Bundesverteidigungsministeriums für die Erstellung des Weißbuchs aktiv einzubringen.
 
„Nach zwei Weltkriegen wissen Christen und Kirchen, dass Krieg ein Verbrechen, also kein Mittel der Politik ist und ein Scheitern von Politik bedeutet. Jetzt ist den Kirchenleitungen die Chance gegeben, sich mit Klartext zu Fragen der Militärdoktrin zu Wort zu melden und hierbei den Konsens der gesamten christlichen Ökumene allen Beteiligten vor Augen zu halten“, betonen nachdrücklich pax christi und AGDF.

Mehr Informationen bei

Dieter Junker
Verein für Friedensarbeit im Raum der EKD
Referent für Öffentlichkeitsarbeit

Endenicher Straße 41
53115 Bonn
 
Tel: 0228-24999-0
Fax: 0228-24999-20
Mobil 0171 4161087
 
junker@evangelische-friedensarbeit.de
presse@evangelische-friedensarbeit.de:


 

VB-Delegation nimmt an Blockade teil

Anlässlich seiner Jahrestagung wird eine Delegation des deutschen Zweiges des Internationalen Versöhnungsbundes am 16. Mai nach Büchel fahren, um die Aktion büchel65 zu unterstützen. Bei dieser Aktion blockieren Friedensgruppen aus dem ganzen Bundesgebiet noch bis Ende Mai die Zufahrtswege zum Fliegerhorst Büchel in der Eifel. Dort liegen noch rund 20 Atombomben der USA; deutsche Piloten trainieren im Rahmen der sogenannten „nuklearen Teilhabe“ ihren Abwurf. Mit den gewaltfreien Blockaden wollen sich die Friedensaktivisten für den Abzug dieser Atombomben aus Deutschland und für ein internationales Verbot von Atomwaffen einsetzen. Der Zeitpunkt passt: Seit dem 27. April tagt in New York die internationale Konferenz zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrages.

„Der deutsche Bundestag hatte sich im März 2010 für den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland ausgesprochen, doch passiert ist nichts“, kritisiert Katja Tempel, Sprecherin der Aktion büchel65. „Stattdessen sollen die Bomben jetzt sogar modernisiert werden.“ Das wollen die Friedensaktivisten nicht hinnehmen. „Atomwaffen sind ein Verstoß gegen das Völkerrecht – deshalb beteiligen wir uns an den weltweiten Aktionen gegen diese Waffen“, sagt Matthias Engelke, Vorsitzender des Versöhnungsbundes. Bisher hat es in Büchel seit Beginn der Aktion büchel65 bereits 16 Blockaden gegeben; für Mai sind weitere acht Blockaden angekündigt. Weitere Infos: www.buechel-atomwaffenfrei.de/buechel65

Die Jahrestagung des Versöhnungsbundes findet vom 14. bis 17. Mai in Bonn statt; Thema ist: „Den Mythos der Gewalt überwinden – die Mächte kreativ verwandeln“. Rund 220 Personen aus dem ganzen Bundesgebiet haben sich angemeldet. Außer bei der Aktion am Samstag Morgen wird es auch in einer Kommission am Samstag Nachmittag um Atombomben gehen.

Der Versöhnungsbund ist eine internationale Friedensorganisation, die 1914 gegründet wurde und heute in rund 40 Ländern vertreten ist. Die Mitglieder setzen sich auf der Basis der aktiven Gewaltfreiheit für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ein. Dem deutschen Zweig gehören rund 860 Mitglieder an. Weitere Infos: www.versoehnungsbund.de sowie www.ifor.org

 

Weitere Informationen:

Matthias Engelke, Vorsitzender
Tel. 02153-25 39
Handy 0157-87 31 30 98
vb@versoehnungsbund.de

Katja Tempel, Sprecherin büchel 65
Handy 0160-44 00 206
presse.buechel65@buechel-atomwaffenfrei.de

Minden, 04.02.2014

100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges ist es in der Tat hohe Zeit, in Erinnerung an die Desaster der Kriege des 20. Jahrhunderts die deutsche Außenpolitik für das 21. Jahrhundert zu überdenken. Insofern sind wir dankbar für den Anstoß, den Bundespräsident Joachim Gauck gegeben hat.

Wie Joachim Gauck, so betonen auch wir, dass „Außen- und Sicherheitspolitik ... nicht nur Sache von Eliten“ sein darf. „Das Nachdenken über Existenzfragen gehört in die Mitte der Gesellschaft. Was alle angeht, muss von allen beraten werden.“ Damit hat Joachim Gauck präzise umrissen, was Friedensbewegungen jeglicher Couleur und was auch uns als Internationaler Versöhnungsbund (IVB) seit über 100 Jahren umtreibt. Genau vor 100 Jahren erfolgte auf einer internationalen kirchlichen Konferenz der Anstoß zur Gründung des IVB. Wir fühlen uns in unserer Arbeit ermutigt, und wir werden in diesem Sinne fortfahren, öffentliche Debatten über die Fragen von Krieg und Frieden einzufordern.

Engagieren wir uns schon ausreichend dort, wo die Bundesrepublik eigens Kompetenz entwickelt hat – nämlich bei der Prävention von Konflikten? Ich meine: Die Bundesrepublik sollte sich als guter Partner früher, entschiedener und substantieller einbringen.“ Auch hier stimmen wir mit dem Bundespräsidenten völlig überein. Allerdings, die Kompetenz der „Bundesrepublik“ zu Themen wie „Mediation“, „zivile Konfliktbearbeitung“ und „ziviler Friedensdienst“ wurde erarbeitet von den vielen NGO´s im Bereich der sog. Friedensbewegung - und wird bis heute im politischen Raum weder hinreichend wahrgenommen noch gefördert.

Irritiert sind wir, wie breit dann doch wieder der Raum ist, den Joachim Gauck traditionellen militärischen Lösungsansätzen widmet. Es erscheint uns wenig zielführend, erneut der Logik anderer Weltmächte hinterherzulaufen. Um als innovativ wahrgenommen zu werden, braucht es eine Abkehr von der militärischen Logik der Gewalteskalation und von der Annahme, Sicherheit und Frieden seien Synonyme. Nur eine konsequente Abrüstung und Rüstungskonversion würde die Mittel freisetzen, die für eine neue gewaltfreie Außenpolitik dringend gebraucht werden. Zu diskutieren wäre im Sinne von Joachim Gauck über eine endlich angemessene Förderung des Zivilen Friedensdienstes, über Förderung und Etablierung von Friedenserziehung, über eine Öffnung der Grenzen für Schutzsuchende und nicht zuletzt über eine gerechte Verteilung vorhandener Ressourcen.

Ohne Verzicht auf die so trügerische militärische Sicherheit ist ein nachhaltiger Frieden unvorstellbar. Dazu gehört unabdingbar, ein klares Rüstungsexportverbot. Als Pfarrer sollte Joachim Gauck die Mahnung kennen: Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen. Als Pfarrer sollte er auch wissen, dass Erlösung nie auf dem Weg der Gewalt gefunden wurde. Als ehemaliger Bürgerrechtler sollte Joachim Gauck zudem eigentlich wissen, dass die größten Siege im 20. Jahrhundert gewaltlose Siege gewesen sind. Wenn er dies nicht bereits 1989 in der DDR gelernt hat, hätte er es jüngst bei der Beerdigung von Nelson Mandela lernen können.

Bei einem Festhalten an den alten militärischen Logiken bleiben die Spiralen von Gewalt, Zerstörung und Vertreibung unausweichliche Kollateralschäden einer Außenpolitik, die kaum als neu zu bezeichnen sein dürfte.

In der Tat, es ist hohe Zeit für eine öffentliche Debatte darüber, was wir in Deutschland unter internationaler Verantwortung verstehen wollen.

Weitere Informationen:

Dr. Matthias Engelke, Vorsitzender Deutscher Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes
Tel. 02153-12 19 89 Handy: 0157-87 31 30 98
mwEngelke@t-online.de


 

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Freising.  Am 12. Dezember 2012, wird der deutsche Bundestag auf Antrag der Bundesregierung über die „Entsendung bewaffneter deutscher Streitkräfte zur Verstärkung der integrierten Luftverteidigung der NATO (NATINADS) auf Ersuchen der Türkei auf Grundlage des Rechts auf kollektive Selbstverteidigung (Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen) sowie des Beschlusses des Nordatlantikrates vom 4. Dezember 2012 hierzu“ entscheiden. Der deutsche Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes fordert alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, diesem Antrag die Zustimmung zu verweigern, da er zu einer erheblichen Eskalation und direkten Kriegsbeteiligung deutscher Soldaten im Nahen und Mittleren Osten führen könnte.

"Die Stationierung von Patriot-Raketen ist rein militärisch gesehen ein unwirksames Mittel gegen Granaten aus Syrien. Nach den jüngsten Äußerungen des Nato-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen ist davon auszugehen, dass die Patriot-Raketen im Zusammenhang einer  größeren offensiven Nato-Eingreifplanung in Syrien zu sehen sind", so der Vorsitzende der Versöhnungsbundes, Dr. Matthias Engelke. 

Der deutsche Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes spricht sich entschieden gegen die Entsendung deutscher Soldaten sowie der Patriot-Raketen aus. Dies nicht nur, weil der Versöhnungsbund grundsätzlich jegliche militärische  Gewalt ablehnt, sondern besonders auch in diesem speziellen Fall, weil es sich erneut zeigt, dass die vorgegebenen Gründe offenbar nicht die tatsächlichen sind.

Im Gesamtzusammenhang der Lieferung von mehreren hundert Panzern an Saudi-Arabien bedeutet ein möglicher Beschluss zur Entsendung deutscher Soldaten, die die Patriot-Raketen bedienen werden, eine erhebliche Eskalation hin zur deutschen Kriegsbeteiligung in der Region.

Die Patriot-Raketen sowie die deutschen Panzer an Saudi-Arabien sind vor allem gegen Iran gerichtet. Wie die kritische Soldatenvereinigung 'Darmstädter Signal' mitteilte, zielt die Patriot-Stationierung vermutlich auch auf den russischen  Widerstand gegen eine Nato-Militärintervention. Im syrischen Hafen Tartus ankerte Anfang 2012 der russische Flugzeugträger 'Admiral Kusnezov'. Seit Monaten operiert die 6. US-Flotte vor der Küste Syriens, mehrere Natostaaten unterstützen die Aufständischen in Syrien militärisch.

"Vor diesem Hintergrund erschweren die Patriot-Raketen in der Türkei die Operationsplanungen der russischen Luftstreitkräfte erheblich.  Im Falle einer Nato-Intervention könnte es zu einer direkten Konfrontation zwischen der Nato und Russland kommen", so Clemens Ronnefeldt, langjähriger Friedensreferent des Internationalen Versöhnungsbundes mit Erfahrungen bei etlichen Friedensdelegationen in Irak, Iran, Syrien, Libanon, Israel, Palästina und Ägypten. Diese Eskalation gilt es durch eine breite Ablehnung des Beschlusses zu verhindern.

Mit einer Zustimmung zum Antrag der Bundesregierung verliert die deutsche  Außenpolitik bedeutende Möglichkeiten, mit diplomatischen Mitteln  zu einem Waffenstillstand und zur Deeskalation beizutragen.

Der Versöhnungsbund ruft alle Abgeordneten dazu auf, ausschließlich ihrem Gewissen zu folgen und die Friedensverpflichtung des Grundgesetztes zu beachten.

Verantwortlich für diese Pressemitteilung:

Dr. Matthias Engelke, Vorsitzender des deutschen Zweiges des
Internationalen Versöhnungsbundes, Lobberich

Clemens Ronnefeldt, Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig
des Internationalen Versöhnungsbundes, Freising



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Weitere Hintergrundinformationen zu dieser Pressemitteilung:

http://www.sueddeutsche.de/politik/streit-zwischen-buendnis-und-mitgliedstaaten-nato-chef-erwaegt-militaerische-intervention-in-syrien-1.1542913
 

Offener Brief des Internationalen Versöhnungsbundes - Deutscher Zweig
an Herrn Bundespräsident Joachim Gauck

Minden, den 26. Juni 2012

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Gauck,

mit Entsetzen und Empörung haben wir Ihre Rede bei der Führungsakademie der Bundeswehr am 12.6.2012 vernommen. Insbesondere sehen wir Ihre Rede sehr kritisch als eine Rechtfertigung und Verharmlosung von Kriegseinsätzen an. Wir wollen und können uns nicht damit abfinden, dass noch mehr (deutsche) SoldatInnen getötet werden und auch andere Menschen töten, was Sie im übrigen nicht erwähnen.

Eine Gesellschaft in diesem Kontext als "glückssüchtig" zu bezeichnen, finden wir sehr zynisch, da es nicht einfach um "Hedonismus" geht, von dem Sie an anderer Stelle sprechen, sondern um die Würde und das Recht auf Leben und Unversehrtheit, die jeder Mensch - egal ob als SoldatIn oder ZivilistIn - besitzt. Über dieses Recht setzen Sie sich mit Ihrer Rede hinweg, das ebenso für alle Menschen gilt wie z. B. für die Menschen, die im September 2009 im afghanischen Kundus bei der vom deutschen Oberst Georg Klein befohlenen Bombardierung getötet wurden.

Nach den neuen „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ des Verteidigungsministers de Maizière gehört die Rohstoffabsicherung zu den „nationalen Interessen“ (Quelle s. u.). Es geht also nicht um die von Ihnen beschworene Freiheit, oder bedeutet Freiheit nach Ihrem Verständnis, dass die Bundesrepublik wie andere Industriestaaten die Freiheit hat, die Zweidrittel-Welt auszuplündern? Die Bundeswehr praktiziert die staatlich-institutionalisierte Aufhebung des in unserer Gesellschaft verankerten Tötungstabus. SoldatInnen erlernen dort die Anwendung tötender Gewalt.

Bereits das Erlernen, wieviel mehr die Androhung und erst recht die Anwendung tötender Gewalt stehen im direkten Widerspruch zur Gewaltfreiheit. Unseres Erachtens ist Gewaltfreiheit eine unverzichtbare Voraussetzung, wenn nicht der Ermöglichungsgrund für jede Art menschlicher Kommunikation. Ohne Gewaltfreiheit ist die Achtung vor der Würde des Menschen nicht möglich. In diesem Sinne können wir es nicht verstehen, wenn Sie die "Ohne uns"-Haltung gegen eine neue Erstarkung des Militarismus in Deutschland kritisieren. Sie selbst bezeichnen (militärische) Gewalt als ein Übel, rechtfertigen sie aber als ein - manchmal notwendiges - Mittel, um andere Gewalt zu überwinden.

Uns geht es auch nicht nur um "Ohne uns": Sie ignorieren, dass es viele zivile, gewaltfreie Alternativen der Konflitkbearbeitung gibt, von denen einige als Ziviler Friedensdienst auch von der Bundesregierung finanziert werden. Dabei sind auch die zivilen Interventionen in Konflikte nach dem "Do no harm"-Ansatz von Mary B.
Anderson mit der notwendigen Konfliktsensibilität durchzuführen, die wir bei militärischen Interventionen vermissen. Wenn nun Waffengewalt und Kriege Frieden schaffen würden, sozusagen als Ihre Lehre aus der
Geschichte, dann müsste ja nach all dem Töten, den Zerstörungen und den Grausamkeiten, nach all den zivilen und militärischen Toten der letzten Jahrhunderte, der Weltfrieden schon längst ausgebrochen sein. Das ist er aber nicht.

Auch unser Lehrer und Bruder, der Wanderprediger aus Nazareth, in dessen Nachfolge Sie als Pfarrer stehen, war an dieser Stelle schon anderer Meinung als Sie.

Der Internationale Versöhnungsbund setzt sich seit 1914 für eine Kultur der Gewaltfreiheit ein und ist weltweit in über 40 Ländern vertreten. Seine Mitglieder haben in zahlreichen Projekten Erfahrungen damit gesammelt, Gewalt gewaltfrei zu überwinden. Bekannt geworden sind vor allem die Friedensnobelpreisträger Martin Luther King, Mairead Corrigan-Maguire und Adolfo Maria Pérez Esquivel. In der Hoffnung auf einen in dieser Hinsicht alsbald wirksamen Politikwechsel – für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung –
verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Dr. Matthias Engelke,
Vorsitzender des Internationalen Versöhnungsbundes - Deutscher Zweig


Zitierte Quelle:
vgl. Bundesministerium der Verteidigung (2011):
Die Verteidigungspolitischen Richtlinien.
http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/!ut/p/c4/LY1BDsIwDARfRHznxiugXJCTWu6qiV...

VB unterzeichnet Erklärung zum Iran "Friedens- statt Kriegspolitik ..."

Di, 06/03/2012 - 23:40 - Clemens Ronnefeldt

Der Irankonflikt spitzt sich mit der Verschärfung der Sanktionen, den Vorbereitungen Israels für Luftschläge, der verstärkten Präsenz von US-Kriegsschiffen in der Region und Gegendrohungen Irans zu.

Der Versöhnungsbund hat deshalb eine Erklärung aus der Friedensbewegung und der Friedensforschung: "Friedens- statt Kriegspolitik im Irankonflikt - Sanktionen und Kriegsdrohungen sofort beenden" unterzeichnet, die von der Kooperation für den Frieden initiiert worden ist. Die Initiative dazu hatten Andreas Buro, Christoph Krämer und Mohssen Massarat ergriffen.

Freising. Der deutsche Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes fordert nach dem Abzug der US-Truppen aus Irak und dem offiziell von Präsident Bush verkündeten Ende des Krieges Entschädigungen für die Bevölkerung des Zweistromlandes von den beiden hauptverantwortlichen Ländern USA und Großbritannien.
 
Mit massiven Kriegslügen wurde die Intervention begründet, die offenbar die Kontrolle über die riesigen Ölvorräte Iraks als eigentliches Hauptziel hatte.
 
Mehr als 100 000 Menschen wurden in Irak seit 2003 getötet, viele Tausende an Körper und Seele verwundet.  Die angerichteten Verwüstungen an der Infrastruktur des Landes liegen im mehrstelligen Milliarden US-Dollar-Bereich. Noch auf Jahrzehnte hin werden Generationen an den Folgen des Krieges, so zum Beispiel an den Dekontaminierungen durch abgereichertes Uran, zu leiden haben.
 
Angesichts der massiven Menschenrechtsverletzungen wie im Gefängnis Abu Graib oder Kriegsverbrechen wie in Falludscha fordert der Versöhnungsbund die Regierungen in Washington und London auf, einen Fonds bereit zu stellen, um die irakischen Opfer dieses Krieges zu entschädigen. Dessen Höhe sollte in einem angemessenen Verhältnis zu den Kosten des Krieges stehen, die allein für die US-Regierung auf mindestens 800 Milliarden US-Dollar beziffert werden.
 
Dem Internationalen Versöhnungsbund, dessen Wurzeln auf das Jahr 1918 zurück gehen, gehören in rund 40 Staaten der Erde etwa 100 000 Mitglieder an. Der Verband hat Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.

Das Schweigen angesichts der Gewalt in Syrien beenden - Hilfe zulassen

Vor knapp drei Monaten begannen die Unruhen in Syrien, bei denen weit über 1 000 größtenteils gewaltfrei Demonstrierende im Auftrag der syrische Regierung von Soldaten und Polizisten getötet wurden. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, verurteilte die "schockierende Brutalität" des Assad-Regimes. Mehr als 10 000 Menschen sollen derzeit inhaftiert sein, viele von Ihnen vermutlich auch Misshandlungen ausgesetzt.

Angesichts des Ausmaßes an Gewalt empfindet der Deutsche Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes es als skandalös, dass es bisher zu keiner Sitzung des UN-Sicherheitsrates gekommen ist, um diese Gewalt zu verurteilen und einzudämmen. Nicht einmal eine Untersuchung der Gewalttaten durch die Vereinten Nationen konnte bisher in der UNO beschlossen werden.

Mehr als 200 Vertreterinnen und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen aus 18 Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens haben den UN-Sicherheitsrat in einem Schreiben eindringlich aufgefordert, das skandalöse UN-Schweigen zu beenden und endlich zu handeln, bevor die Zahl der Opfer der Demokratiebewegung noch weiter steigt.

Ein Grund für das derzeitige Nicht-Zustandekommen einer UN-Resolution ist der Widerstand Russlands, das traditionell eng mit Syrien verbunden ist. Nach der missbräuchlichen Instrumentalisierung der UN-Resolution 1973 zum Schutz der Zivilbevölkerung in Libyen, wird der russische UN-Botschafter vermutlich nicht noch einmal einen UN-Beschluss passieren lassen, der dann von Nato-Staaten zu ganz anderen Zielen benutzt wird. Insofern haben auch die derzeit in Libyen kriegführenden Staaten eine Mitverantwortung für das Nicht-Zustandkommen einer UN-Resolution zu Syrien.

Auch in Syrien droht ein Bürgerkrieg, nachdem "erstmals glaubwürdige Berichte" eintrafen, "dass sich einige der Demonstranten bewaffnen. In Homs, das seit Tagen beschossen wird, erwiderten Einwohner das Feuer mit automatischen Waffen und Granatwerfern", so die Süddeutsche Zeitung am 1./2.6.2011.

Der Deutsche Zweig des Internationalen Versöhnungsbund fordert vom syrischen Regime die Einstellung der Gewalt gegen Demonstrierende. Der Versöhnungsbund hofft, dass die Oppositionsbewegung sich ausschließlich auf gewaltfreie Mittel im Kampf um Freiheit und Demokratie beschränkt, damit das Land nicht in einem blutigen Bürgerkrieg im Chaos versinkt.

Ausländische Propaganda-Unterstützung wie z.B. Dollar-Millionen-Zahlungen der US-Regierung zur Ausstrahlung regimekritischer Sender lehnt der Versöhnungsbund ebenso ab wie eine militärische Intervention.

Obwohl das syrische Regime seine Zusage gab, wurde humanitären Helferinnen und Helfern wiederholt der Zugang nach Syrien verwehrt. Noch nicht einmal das Rote Kreuz konnte in jenen Städten Opfer versorgen, in denen es zuvor zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen war.

Daher fordert der Deutsche Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes den freien Zugang für Internationale UN-Beobachter sowie Humanitäre Helferinnen und Helfer.

Kontakt: Friedensreferat des Versöhnungsbundes
E-Mail: C.Ronnefeldt@t-online.de Tel: 08161 - 54 70 15

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