Anfänge der Friedensforschung - von Theodor Ebert

Anfänge der Friedensforschung

 

Einleitung bei der Sonntagsrunde am 19. September 2016

 

Als ich 1956 in Tübingen das Studium der Geschichte und der Germanistik be­gann, wusste ich gar nicht, dass ich auch Politische Wissenschaften stu­dieren könnte, und peace research gab es ohnehin an keiner deutschen Universität.

Existierte denn ein Bedürfnis für ein solches neues Fach? Durch die Entwicklung und Bereitstellung von Atomwaffen war die Menschheit in eine neue Lage geraten. Sie ermöglichten es den Menschen, der eigenen Geschichte ein Ende zu berei­ten, indem sie alles zerstörten, was eigentlich geschützt und entwickelt werden könnte. Dies wurde aber von den verantwortlichen Politikern nicht eingestanden. Bundes­kanzler Ade­nauer bezeichnete die atomaren Gefechtsfeldwaffen als eine Fortent­wicklung der Artillerie, während US-amerikanische Realisten in der Atomwaffe eine doomsday machine sahen. Die moderne Friedensforschung suchte eine Ant­wort auf diese Herausforderung.

Als Gu­stav Heinemann 1968 sein Amt als Bundesspräsident antrat, reklamierte er die Förderung der Friedensforschung und ir­ritierte damit ein weiteres Mal Politiker, die „keine Experimente“ für eine zugkräf­tige Wahlkampfparole hielten und behaupteten, dass die Grenzen von Nationalstaaten sich weiterhin mit Waffen­gewalt verteidigen ließen.

Für die Politische Wissenschaft war das Neue an der Situation, dass ihr wichtigster Lehrsatz fraglich geworden war: Die Ausübung des Monopols der physischen Ge­waltsamkeit ist selbstverständliches und unverzichtbares Merkmal des modernen Staates. Doch was ist zu tun, wenn im Zuge des Versuchs, dieses Mo­nopol der physi­scher Gewaltsamkeit zu erlangen bzw. auszuüben, die Menschen, um die es in der Politik geht, restlos oder fast restlos vernichtet werden?

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