Syrien- Kampagne: Banner- Aktion vor dem Reichstag

Berthold Keunecke - Rede in Berlin am 10. Nov. 2016 anlässlich der Bundestagsabstimmung über die Verlängerung des Syrien-Mandates für die Bundeswehr

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

wir stehen hier rund um ein großes Transparent, denn wir vertreten auch eine große Kampagne. Eine Kampagne, die ruft: Macht Frieden in Syrien – gebt Raum für Zivile Lösungen! Beendet das Bundeswehrmandat!

Krieg darf kein Mittel der Politik sein, Krieg kann heute kein Mittel der Politik mehr sein, weil Kriege nicht mehr gewonnen werden können. Der Krieg in den Städten ist in Mossul genauso barbarisch wie in Aleppo. Der waffentechnisch ungleiche Luftkrieg gleicht für mich eher einer unzählbaren Menge an extralegalen Hinrichtungen. Das schürt Hass und Verzweiflung, und jeder getötet Kämpfer wird schnell ersetzt. Dieser Krieg in Syrien kann deshalb die Terrorgefahr nicht mindern, sondern führt wieder nur zur Zerstörung eines weiteren Landes, nach Afghanistan, Somalia, Irak und Libyen … und dazu kommt dann noch die Gefahr einer direkten Konfrontation zwischen NATO und Russland.

Es ist ein Teufelskreis der Gewalt, aus dem wir dann nicht wieder herausfinden – für mich ist selbst das Zuschauen am Fernsehen schrecklich: Die Bilder der Zerstörung, die Gesichter der verzweifelten Menschen, das alles gräbt sich tief in in meine Gehirnwindungen ein, und lässt ein Gefühl der Ohnmacht zurück, das übermächtig scheint.

Ich will diese Ohnmacht und Angst nicht länger aushalten – und am besten hilft, dagegen aktiv zu werden. Dabei bin ich nicht allein: Gerade in den letzten Tagen sind dafür in der ganzen Republik unzählige Aktionen gelaufen. Ich merke dabei: Die Menschen lassen sich ansprechen - ich glaube, ganz viele riechen diese einfache Wahrheit: Soldaten bringen Zerstörung, aber keinen Frieden. Militär und Konfliktlösung schließen sich gegenseitig aus.

Darum rufen wir heute den Mitgliedern des Bundestages zu: Stop! Aufhören! Machen Sie nicht einfach so weiter!

Stärken Sie stattdessen den Friedensprozess unter UN- Verantwortung und die Einbeziehung der Zivilgesellschaft – fördern Sie die Einbeziehung von Frauen am Verhandlungstisch, an vielen auch lokalen Verhandlungstischen! Stocken Sie die Humanitäre Hilfe deutlich auf!

Schaffen Sie endlich die Voraussetzungen für Zivile Konfliktbearbeitung! Und konkret: stärken Sie die Basisfriedensarbeit in Syrien! Wir brauchen viel mehr ausgebildete Fachkräfte, die auch vor Ort tätig werden können: Zwischen verfeindeten Gruppen vermitteln, Bewusstseinsarbeit für den Frieden leisten, Verbrechen öffentlich machen, Ausstiegsprogramme für Milizionäre anbieten und vieles mehr. Waffenstillstandsverhandlungen sollten lokal organisiert werden, wenn die Diplomaten in Genf nicht weiterkommen. Es gibt viele Möglichkeiten, aber zunächst müssen wir innehalten:

Darum unsere Forderung: Beendet das Bundeswehrmandat für Syrien, gebt Raum für Zivile Lösungen!

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