Zur Syrien-Berichterstattung: Studie von Richard Lloyd und Theodore Postol zum Giftgas-Einsatz in Damaskus / J. Todenhoefer: Verhandelt mit Assad!

Fr, 24/01/2014 - 19:58 - Clemens Ronnefeldt

Liebe Friedensinteressierte,

die Medien-Schlagzeilen zum Beginn der Syrien-Konferenz haben die schweren Menschenrechtsverletzungen des Assad-Regimes zum Thema:

"Assads Verbrechen" titelt z.B. die Süddeutsche Zeitung am 22.1.2014, S. 2.

Während die Fotos sich im Besitz der "Syrischen Nationalen Koalition" befinden, die ein erkennbares Interesse hat, das Assad-Regime zu Beginn der Verhandlungen in die Defensive zu drängen, hätten die Leit-Medien in den letzten Tagen z.B. auch über ein Assad entlastendes Dokument  aus "neutraler Quelle" berichten können - was sie nicht taten.

Richard Lloyd, ein früherer UN-Waffeninspekteur, und Theodore Postol, Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) für Wissenschaft, Technologie und Nationale Sicherheitspolitik, haben am 14. Januar 2014 unter dem Titel "Mögliche Auswirkungen falscher technischer US-Aufklärung beim Giftgasangriff in Damaskus am 21. August 2013 " eine 23-seitige Studie  veröffentlicht.

https://www.documentcloud.org/documents/1006045-possible-implications-of...

Darin kommen sie zu folgenden Ergebnissen, die auf der Titelseite ihrer Studie nachzulesen sind:

  • Die syrischen unkonventionellen chemischen Waffen, die beim Nervengasangriff vom 21. August in Damaskus benutzt wurden, haben eine Reichweite von rund zwei Kilometern.
  • Die unabhängige Bewertung der Reichweite der chemischen Waffen durch die Vereinten Nationen steht in genauer Übereinstimmung mit unseren Ergebnissen.
  • Daraus wird ersichtlich, dass diese Munition unmöglich vom "Herz" oder dem östlichen Rand des von der syrischen Regierung kontrollierten Gebietes nach Ostghuta abgefeuert wurde, wie eine Geheimdienstkarte zeigt, die das Weiße Haus am 30. August 2013 veröffentlichte.
  • Diese falsche Geheimdienstinformation hätte zu einer ungerechtfertigten US-Militäraktion aufgrund falscher Nachrichten führen können.
  • Eine genaue Überprüfung der Tatsache, dass die Waffen eine solch geringe Reichweite hatten, hätte zu einer völlig anderen Bewertung der Situation auf Grundlage der gesammelten Daten geführt.
  • Welche Gründe auch immer zu den ungeheuerlichen Fehlern in den Geheimdienstinformationen führten, die Quelle dieser Fehler muss aufgeklärt werden.
  • Wenn die Quelle dieser Fehler nicht identifiziert wird, werden die Vorgänge, die zu diesem Versagen der Geheimdienste geführt haben, unkorrigiert bleiben, und die Möglichkeiten für ein zukünftiges Politikdesaster werden mit Sicherheit wachsen.

(Übersetzung: Clemens Ronnefeldt)

---------------------------------------------------------

Diese Studie ist auch zusammen zu sehen mit  der nachfolgenden Berichterstattung im "Focus":

http://www.focus.de/politik/ausland/krise-in-der-arabischen-welt/syrien/...

Enthüllungsjournalist klagt an - Seymour Hersh: Obama täuschte Öffentlichkeit zu Syrien

Dienstag, 10.12.2013

US-Präsident Barack Obama soll die Öffentlichkeit nach dem tödlichen Giftgaseinsatz in Syrien Ende August getäuscht haben - diesen Vorwurf erhebt einer der bekanntesten Journalisten der Vereinigten  Staaten:


Seymour Hersh.

(...)

„Laut Hersh lagen den US-Geheimdiensten Informationen vor, dass die Al-Nusra-Front in der Lage war, Saringas herzustellen. ‚Al-Nusra hätte nach dem Angriff ein Verdächtiger sein müssen, aber die Regierung hat sich aus den Geheimdienstinformationen die Rosinen herausgesucht, um einen Angriff gegen Assad zu rechtfertigen‘, schreibt Hersh.

Er beruft sich unter anderem auf ein Geheimdienstdokument von Juni, in dem von chemischen Kampfstoffen in den Händen islamistischer Rebellen die Rede gewesen sein soll.“ (...)

------------------------------------------

Süddeutsche Zeitung, 21. Januar 2014

Syrien und der Westen: Verhandelt mit Assad!

In Syrien haben religiöse Fanatiker das Lager der Rebellen übernommen.
Al-Qaida ist die größere Gefahr als das alte Regime. Der Westen ist
mitverantwortlich dafür, dass aus einem Terroristenhaufen eine
schlagkräftige Armee wurde.

Ein Gastbeitrag von Jürgen Todenhöfer

http://www.sueddeutsche.de/politik/syrien-und-der-westen-verhandelt-mit-...