Hintergründe zur Jerusalem-Entscheidung

Liebe Friedensinteressierte,

nachfolgend sende ich einige Hintergründe zur Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump:

  1. In der SZ beschreibt Hubert Wetzel, wie Donald Trump, Jared Kushner und Jason Greenblatt offenbar Jerusalem wie eine Immobilie behandeln - und welchen Einfluss Evangelikale sowie der Milliardär Sheldon Adelson, Großspender für Donald Trump, im Hinblick auf die Kongresswahl 2018 und die Neuwahlen 2020 haben.
  2. In der „Welt“ beschreibt Michael Borgstede, wie Sheldon Adelson auch die Politik von Benjamin Netanjahu durch den Aufkauf mehrerer israelischer Medienorgane unterstützt.
  3.  In der F.A.Z. beschreibt Andreas Ross die Denkstrukturen evangelikaler Christen in den USA und die Bedeutung Jerusalems für deren Denken sowie ihre Zukunftsvisionen - ebenso ihre Lobbyarbeit im US-Präsidenten.
  4. Domradio Köln berichtet, wie die Appelle christlicher Oberhäupter ignoriert wurden - und wie Papst Franziskus den Jerusalem-Beschluss scharf kritisiert.

Angesichts des evangelikalen Einflusses auf die Entscheidung des US-Präsidenten sind vor allem die evangelische und katholische Kirche auch in Deutschland herausgefordert, durch Stellungnahmen diese den Weltfrieden immer stärker gefährdenden Einfluss zurück zu drängen.

Mit freundlichen Grüßen

Clemens Ronnefeldt, Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes

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6. Dezember 2017, 21:48 Uhr Trumps Außenpolitik

Trump behandelt Jerusalem wie eine Immobilie

von Hubert Wetzel, Washington

Bevor Donald Trump Präsident der USA wurde, war er im Immobiliengeschäft tätig - alles drehte sich um Wohnungen, Golfplätze, Hotels. Das gilt auch für seinen Schwiegersohn Jared Kushner, der früher Hochhäuser baute und heute ein ranghoher Berater im Weißen Haus ist, von Trump damit beauftragt, Frieden zu schaffen zwischen Israel und den Palästinensern. Und es gilt für Jason Greenblatt, der sein ganzes Berufsleben als Anwalt mit Grundstücken zu tun hatte, bis ihn Trump voriges Jahr zu seinem Beauftragten für internationale Verhandlungen ernannte.

Insofern war die Frage nicht allzu ketzerisch, die der israelisch-amerikanische Medienunternehmer Haim Saban vor einigen Tagen Kushner bei einer Veranstaltung in Washington stellte. Kushner sollte erklären, wie er das hinkriegen wolle mit dem Frieden im Heiligen Land, an dem er seit Monaten bastelt. Und Saban machte keinen Hehl aus seinen Zweifeln: "In der ganzen Gruppe ist kein einziger Nahostexperte", stichelte er. "Ich meine, wie arbeitet ihr mit lauter Leuten, die keine Ahnung von nichts haben? Was macht ihr Jungs?"

Weiterlesen unter http://www.sueddeutsche.de/politik/trumps-aussenpolitik-trump-behandelt-jerusalem-wie-eine-immobilie-1.3780484

 

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Ausland Sheldon Adelson

Ein Milliardär kauft Israels Presse

Von Michael Borgstede, Tel Aviv | Veröffentlicht am 09.04.2014 |

Sheldon Adelson ist Milliardär, bedingungsloser Unterstützer Israels und Freund von Ministerpräsident Netanjahu. Um sich politischen Einfluss zu sichern, hat er einen Weg: Er kauft israelische Medien.

(…)

Adelson ist ein entschiedener Gegner eines Palästinenserstaates. Das geht so weit, dass Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey, sich nach seiner Rede in Las Vegas angeblich dafür entschuldigen musste, dass er von den „besetzten Gebieten“ gesprochen hatte. (…)

Der renommierte Kolumnist der „New York Times“, Thomas Friedman, aber fand deutliche Worte für den Zirkus: Sheldon Adelson und der iranische Religionsführer Ajatollah Ali Khamenei hätten eine Eigenschaft gemeinsam: Beide versuchten, Israel zu zerstören, schrieb er in seiner Kolumne und bezeichnete Adelson als einen „primitiven, rechten, proisraelischen Extremisten“. Der Milliardär stehe „für alles, was Israels und unsere Demokratie heute vergiftet“, fuhr Friedman fort. Und das seien Oligarchen, die sich das System mit riesigen Geldbeträgen nach ihrem Willen zurechtbiegen wollten. Beste Verbindungen zu Netanjahu

Weiterlesen unter https://www.welt.de/politik/ausland/article126770326/Ein-Milliardaer-kauft-Israels-Presse.html

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Jerusalem-Beschluss :

Ein Schritt zum Tausendjährigen Reich Gottes

Von Andreas Ross , Washington

Aktualisiert am 07.12.2017

Evangelikale wollten, dass Trump Jerusalem als Hauptstadt anerkennt. Sie glauben, dass dort Jesus Christus wiederkehrt. Und viele haben Angst vor dem Islam.

Pastor John Hagee geizte nicht mit Lob, nachdem Donald Trump am Mittwoch mit Jahrzehnten amerikanischer Nahost-Politik gebrochen und Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte. Es galt dem Präsidenten, aber auch seiner eigenen Arbeit. Als Vorsitzender der „Vereinigten Christen für Israel“ (CUFI) habe er Trump und Vizepräsident Mike Pence persönlich „während mehrerer Audienzen im Weißen Haus“ zu dem Schritt gedrängt, teilte der Gründer einer evangelikalen Megakirche in der texanischen Stadt San Antonio mit. (…)

Weiterlesen unter http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/evangelikale-unterstuetzen-trumps-vorhaben-jerusalem-als-hauptstadt-anzuerkennen-15329888.html

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https://www.domradio.de/themen/kirche-und-politik/2017-12-06/trump-zuendelt-us-praesident-erkennt-jerusalem-als-hauptstadt-des-staates-israel

06.12.2017

US-Präsident erkennt Jerusalem als Hauptstadt des Staates Israel an

Trump zündelt

(…) Brief der christlichen Oberhäupter ignoriert

(…)

Die christlichen Oberhäupter Jerusalems hatten noch wenige Stunden vor Trumps Ansprache an den US-Präsident appelliert, den internationalen Status der Stadt auf keinen Fall aufzukündigen. "Jede plötzliche Veränderung würde irreparablen Schaden anrichten", schrieben die 13 Patriarchen und Würdenträger in einem offenen Brief am Mittwoch. "Wir sind überzeugt, dass solche Schritte verstärkten Hass, Konflikte, Gewalt und Leid in Jerusalem und dem Heiligen Land verursachen wird", heißt es in dem Schreiben.

Die 13 Unterzeichner baten Trump, vielmehr den Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern zu unterstützen. Ein endgültiger Frieden könne nicht erreicht werden, wenn Jerusalem nicht als Heilige Stadt und gemeinsamer Ort dreier Religionen und zweier Völker erhalten bleibe: "Wir sind zuversichtlich, dass wir mit starker Unterstützung unserer Freunde, Israelis wie Palästinensern, für die Vereinbarung eines dauerhaften und gerechten Frieden arbeiten können, der allen dient, die nach der Heiligen Stadt Jerusalem streben, um deren Schicksal zu erfüllen."

Unterzeichnet ist der Brief unter anderen vom griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III., dem Apostolischen Administrator des lateinischen Patriarchats, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, und dem Franziskaner-Kustos des Heiligen Landes, Francesco Patton. (…)

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https://www.domradio.de/themen/kirche-und-politik/2017-12-06/starke-kritik-us-entscheidung-ueber-jerusalem-als-hauptstadt

(…) Franziskus: Dringender Appell, Status quo Jerusalems

Papst Franziskus zeigt sich "tief besorgt" über die Situation um Jerusalem. Er hoffe, dass sich "Weisheit und Klugheit durchsetzen", damit keine neuen Spannungen zu der schon von Konflikten gezeichneten Weltlage hinzukämen, sagte er am Ende seiner Generalaudienz am Mittwoch im Vatikan. Gleichzeitig richtete er einen "dringenden Appell" an alle, den Status quo der Stadt und die Resolutionen der Vereinten Nationen zu respektieren.

Jerusalem sei Juden, Christen und Muslimen heilig und habe eine "besondere Berufung zum Frieden", so der Papst. Diese Identität Jerusalems müsse bewahrt und gestärkt werden zum Wohl des ganzen Heiligen Landes und des ganzen Nahen Ostens. Erzbischof Tomasi: USA stiften Trennung statt Einheit

Auch der langjährige vatikanische UN-Diplomat Erzbischof Silvano Tomasi hat die Entscheidung der USA kritisiert, ihre Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. In einem Interview mit Radio Vatikan am Mittwoch sagte der frühere Ständige Beobachter bei der UNO, mit der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem werde eine Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina wesentlich schwieriger. Der Vatikan aber unterstütze eine solche Lösung schon lange.

In dem Zusammenhang kritisierte Tomasi auch andere Maßnahmen der Trump-Regierung wie das Einreiseverbot für Menschen aus sechs vorwiegend muslimischen Ländern sowie den Rückzug Washingtons aus Verhandlungen zu einem internationalen Migrations- und Flüchtlingspakt. Alle diese Maßnahmen verschärften die Lage. Die Haltung der US-Regierung "stiftet somit sehr viel Trennung anstatt Einheit. Es fehlt an gutem Willen, mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten", so Tomasi. (…)

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http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/darum-verlegt-donald-trump-die-amerikanische-botschaft-nach-jerusalem-15327219-p2.html

(…)

Wenn die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt wird, wäre sie nicht die erste Botschaft in der Heiligen Stadt, aber zumindest aktuell die einzige. In der Vergangenheit waren zeitweise sogar mindestens 16 Botschaften gleichzeitig dort angesiedelt, schreibt die „Haaretz“. Unter anderem Kenia, Bolivien, die Niederlande und Haiti hätten in den 1950er Jahren Botschaften in Jerusalem eröffnet. Allerdings seien die Vertretungen wieder geschlossen worden, die meisten nach der Annexion Ost-Jerusalems im Jahr 1980. 2006 verließen mit Costa Rica und El Salvador die letzten Botschaften West-Jerusalem.

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