Beschlussvorschlag zum Konsensprinzip

Wie vielen anderen der Gewaltfreiheit verpflichteten Organisationen ist es auch dem IVB in den letzten Jahrzehnten ein Anliegen gewesen, Entscheidungsstrukturen zu entwickeln, die auch die Interessen und Rechte von Minderheiten wirksam schützen und dazu befähigen, dass wichtige Entscheidungen möglichst von allen mitgetragen werden können.  Stichwort: Konsensprinzip.

Dabei musste immer wieder neu bestimmt werden, wie dieses Prinzip in den einzelnen Situation gelebt werden kann, ohne dass die Arbeit des Verbandes dadurch dauerhaft blockiert wird oder Diskussionen über weniger wichtige Dinge, Wichtiges in den Hintergrund drängen.

Der Vorstand hat nun beschlossen folgende Beschlussvorschlag, der auch schon auf der letzten MV vorlag, hier auf der Homepage zur Diskussion zu stellen. Um Kommentare wird gebeten.

Der weitere Text ist nur für auf der Homepage angemeldete Mitglieder sichtbar.

Für die Beschlussfassung bei politischen Fragen wird folgendes Verfahren beschlossen:

  1. Die Mitgliederversammlung (MV) bemüht sich bei ihren Beschlüssen zu politischen Fragen um einen Konsens der abstimmenden Mitglieder.
  2. Zur Beschlussfassung eines entsprechenden Antrags findet nach der Aussprache eine Abstimmung statt, bei der jeweils Zustimmung, Ablehnung und Enthaltung erfragt werden. Bei ablehnenden Stimmen werden die betreffenden Personen gefragt, ob ihr „Nein“ als „Veto“ zu verstehen ist.
  3. Als „Veto“ ist eine Stimmabgabe zu verstehen, wenn der entsprechende Beschluss so schwer gegen die Überzeugung der betreffenden Person verstoßen würde, dass er oder sie nur schwer damit leben könnte und gegebenenfalls mit dem von ihr/ihm abgelehnten Beschluss die eigene Mitgliedschaft im Versöhnungsbund in Frage stehen würde.
  4. Die Person oder die Personen, die ein „Veto“ abgeben, werden von der Versammlungsleitung gebeten, ihre Gründe hierfür zu erklären, soweit dies nicht bereits in der vorangegangenen Aussprache geschehen ist.
  5. Nach dieser weiteren Anhörung wird die Diskussion nicht neu eröffnet, sondern die MV für eine Pause unterbrochen, deren Länge von der Versammlungsleitung festgelegt wird. Diese Zeit soll zum einen dazu dienen, im Gespräch zwischen Antragsteller und dem oder der mit „Veto“ dagegen sprechenden Personen mit Unterstützung durch eine Person einen vermittelnden Beschluss-Vorschlag zu finden. Die anderen Mitglieder können in dieser Zeit im Gespräch miteinander klären, wie sie mit dem Veto umgehen wollen.
  6. Nach dieser Pause wird der MV entweder der gefundene Vermittlungsvorschlag vorgelegt oder der MV ohne weitere Sachdiskussion die Frage vorgelegt, ob das eingelegte Veto überstimmt werden soll. Diese erneute Bestätigung bedarf einer Mehrheit von 2/3 der abgegebenen Stimmen.