K1 Kommission indischer Subkontinent

In der AG waren rund zehn Personen, zusammen mit den Berichtenden.

Am Anfang zwei politische „Splitter“ zur Lage in Indien. So wird auf den Regierungswechsel hingewiesen. Die indische Volkspartei verfolgt eine „hinduistische“ Politik. Wer in dem Land lebt und bleiben will, muss sich den Regeln des Hinduismus unterwerfen. Wer das nicht will, der kann gehen. Es werden Schulbücher umgeschrieben, wodurch der Eindruck entstehen soll, dass es keine islamische und christliche Tradition in Indien gibt. Aber es gab auch Studentenproteste, die sich mittelbar gegen den „hinduistischen“ Kurs wandten. Dann wurde u.a. darauf hingewiesen, dass das Land zwar auch strenge Umweltgesetze hat. In der Praxis wird aber, wenn man Umsätze wittert, der Weg für die Industrie rücksichtslos freigemacht.

IndienkommissionLeah Conde, Maxi Matzanke, Melina Matzanke und Anna Wetzel berichteten von ihrer Reise zu XertifiX- Schulen. Sie hatten 4 „Gravis“-Schulen besucht, der Partnerorganisation von XertifiX.  Es sind sehr schlichte Schulen, im Gegensatz zu den Privatschulen, welche mit Stacheldraht geschützt sind. In den Schulen gibt es immer zwei Räume, wo die 1-3 Klasse und die 4-6 Klasse in einem Raum unterrichtet werden. Ob damit die Chance für eine Bildungsbiografie eröffnet wird, konnte nicht so recht herausgefunden wurde. In den Gesprächen war nicht genau zu klären, wie es nach der 6. Klasse im Leben der Schüler weitergeht. Gravis macht Landentwicklung nach den Grundsätzen von Gandhi. Gravis trug zur Errichtung von befestigten Straßen in entlegene Gebiete bei und war auch beim „water management“ aktiv, indem z.B. Wassertanks gebaut wurden (siehe Antrag auf der Jahrestagung und Beschluss der Mitgliederversammlung). Durch das „water management“ müssen sich die Kinder nicht an der Organisation von Wasser beteiligen, sondern können zur Schule gehen. Bei den Saisonarbeitern (z.B. Ziegelei), wo die Menschen aus weit entfernten Orten kommen, und dazu noch aus anderen Regionen, wo eine andere Sprache gesprochen wird, ist die Realisierung von Bildungsarbeit wegen der Sprache und der Saisonarbeit – „Sie sind nur ein halbes Jahr da!“ – schwierig. Es gibt Kindergärten, damit Mädchen in die Schule gehen können und nicht auf die Kleinen aufpassen müssen.

IndienkommissionBenjamin Pütter berichtet von der Reise, die dem Artikel in der Süddeutschen Zeitung zugrunde lag, dann aber auch ganz allgemein über Kinderarbeit, im Kontext seiner neuen Beschäftigung bei den Sternsingern. In 8 Steinbrüchen, die für den Export Steine „produzieren“ haben sie in 7 Steinbrüchen Kinderarbeit festgestellt. Kinder arbeiten auch an 20 Kilo schweren Schlagbohrern, die Sprenglöcher machen – „das geht auf die Schleimbeutel und auf die Knochen. Das ist sehr schädlich für den im Wachstum befindlichen Körper“. DAS IGEP-Zeichen kontrolliert nur die Qualität der Steine, nicht aber, ob es Kinderarbeit im Steinbruch gibt. Es sind angekündigte Kontrollen. Das Zeichen dient ja auch der Exportförderung. Deutschland ist der Hauptabnehmer von Steinen aus Indien. Indische Steine können über Italien nach Deutschland kommen und als Steine mit italienischer Herkunft deklariert sein. Wenn 60% der Steine aus Italien kommen und 40% von anderswoher kommen, dann darf der italienische Staat diese als italienische Steine ausgeben. Deswegen importieren deutsche Natursteinimporteure auch Steine aus Italien und nicht direkt aus Indien, obwohl der Direktimport aus Indien den Stein billiger machen würde. Sie wollen den Makel Kinderarbeit vertuschen. Nach deutscher Händlerauskunft sind indische Steine, je nachdem mit welchem Argument sie die Steine verkaufen wollen, zwischen 10 und 30 Prozent billiger als europäische Steine. In dem Artikel in der Süddeutschen Zeitung  wurde von drei Personen nun endlich dokumentiert, dass es Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen gibt. Das ist sehr schwer, denn sobald die Kinder ein Teleobjektiv sehen, laufen sie fort. In manche Steinbrüche (Exportsteinbrüche) ist es für Benjamin lebensgefährlich zu gehen – erst recht nach dem Bericht.

Dann berichtete er noch von anderer Kinderarbeit, z.B. vom Teppichknüpfen, der Zigarettenproduktion oder dem Herstellen von Räucherstäbchen – bei dem Herstellen der letzten beiden Produkte dringen Giftstoffe durch die Haut in den Körper ein. In einigen Bereichen muss man mit einer Übergangszeit rechnen. So berichtet ein Unternehmer stolz davon, dass ein Mädchen, welches in der Teppich-Produktion beschäftigt ist, „schon“ zwei Stunden täglich in die Schule geht und „nur“ 8 Stunden arbeitet. Durch den Verband der Natursteinimporteure sah er sich Verleumdungserfahrungen ausgesetzt.

Roland Mierzwa