Bericht aus der Genderkommission:

Versöhnte Vielfalt – Gewaltfrei leben in Gerechtigkeit und Selbstbestimmung

Schon lange richtet sich die Genderkommission einladend nicht nur an Frauen, sondern an Menschen aller Geschlechter. Aus der Erkenntnis, dass es zwar Frauen sind, die stärker von Diskriminierung betroffen sind, dass aber auch Männer durch Rollenerwartungen geprägt sind und beide *Geschlechter durch starre Zuschreibungen eingeschränkt werden. Und Menschen, die sich nicht klar als Frau oder Mann zuordnen lassen oder sich der klaren Einteilung verweigern, werden im besten Fall nicht mitgedacht, meistens aber ausgegrenzt.

Und so saßen an diesem Nachmittag sieben *Frauen und drei *Männer zusammen und kamen direkt in einen lebhaften Austausch. Kurzerhand wurden die vorbereiteten Fragestellungen zurückgestellt (und doch während der Diskussion quasi nebenbei erarbeitet). Ausnahmslos alle Teilnehmenden brachten sich mit ihren persönlichen Erfahrungen ein. Spannend zu erleben, dass trotz des Altersunterschiedes von fünf Jahrzehnten einige gemeinsame Feststellungen getroffen werden konnten:

Das soziale Geschlecht (Gender) ist eine Kategorie, der wir nicht entkommen können. Die Zuschreibung eines Geschlechtes nach der Geburt geht einher mit Rollenerwartungen und Lebensperspektiven. Sie wird der Vielfalt nicht gerecht und lässt sich nicht ohne weiteres durch Bildung, Anstrengung o.ä. überwinden. Geschlechtsspezifische Diskriminierung kann offen oder subtil, gewalttätig oder strukturell sein. Sie bemächtigt sich der Köpfe und der Körper.

Pink ist das neue Rosa: Die Kleiderordnung bei den Jüngsten scheint in den letzten Jahr(zehnt)en eher rigider geworden zu sein. Muss man das ernst nehmen? Das Phänomen, das frau als Modetrend abtun könnte, flankiert die Angriffe auf das befreiende Anliegen der Geschlechtergerechtigkeit, das zunehmend als irrelevant, überflüssig, übertrieben, lächerlich dargestellt wird. Und hier haben wir etwas zu verlieren – und zu verteidigen. Es geht um die Freiheit unterschiedlicher Lebensentwürfe, Schutz vor (sexualisierter) Gewalt, Überwindung von Ausgrenzung und nicht zuletzt das Erkennen, dass all dies politisch relevante Themen sind, die den Kern unseres Menschseins berühren.

Und so stand am Ende der Wunsch, die nächste Jahrestagung unter ein Genderthema zu stellen. Mit ihrem Antrag schlägt die Genderkommission folgenden Arbeitstitel vor: „Versöhnte Vielfalt – Gewaltfrei leben in Gerechtigkeit und Selbstbestimmung“. Einerseits sollen VB-Themen und -Fragestellungen aus der Genderperspektive betrachtet werden, andererseits Gender-Themen aus dem Blickwinkel des Pazifismus und der Gewaltfreiheit. Diese Empfehlung an den Vorstand wurde in der Mitgliederversammlung zunächst mit der Nennung von etlichen anderen Themen beantwortet, fand dann aber doch die Zustimmung der Mehrheit der Anwesenden. Wir dürfen gespannt sein auf Fragestellungen und Perspektiven, die einigen neu und ungewohnt erscheinen mögen. Freuen wir uns auf einen lebendigen Austausch …!

Renate Firgau
 

Kommentare

Die Themen "Gender" und "Rasse" zusammenfassen

Ich hätte vorgeschlagen, die Themen Gender und Rasse zusammenzufassen und ein gemeinsames Thema "Gender, Rasse und Verständigung" daraus zu machen. Dazu schreib ich noch was ins Forum.