AG 15: Gewaltfreie Kommunikation im beruflichen Alltag

Leitung: Dorothea Gerste

Dorothea GersteIch bin jemand, der sich seit seiner (friedensbewegten Jugend) viele Gedanken darüber macht, wie eine Kommunikation möglich ist, bei der alle Beteiligten zu ihrem Recht kommen, also eine Kommunikation, die hilft, Konflikte fair zu klären und zu Lösungen zu gelangen, die für alle ein Gewinn sind. Dabei bin ich immer mal wieder auf die GFK als Methode gestoßen, finde viele Elemente sinnvoll, wende das eine oder andere an, allerdings ohne ein längeres Training absolviert zu haben und wirklich im Thema drin zu sein. So war es mein Interesse, zu sehen, was andere davon auf welche Weise in ihrem Berufsalltag umsetzen, und das mit meinen eigenen Kommunikationsstrategien zu vergleichen. Dorotheas Ankündigung „Wir üben … an Beispielen von Teilnehmenden“ weckte eine Lust auf konkrete Fallarbeit – eine Hoffnung, die nicht enttäuscht wurde.

Schön ist schon der Anfang: Ein Kreuz im Raum mit den Grundbegriffen der GTK. Eine Übung, sich mit geschlossenen Augen zu vergegenwärtigen, was wir vom Raum wahrgenommen hatten: das Muster der Stühle ... die Farbe des Bodens ... gibt es Vorhänge und wie sehen sie aus? Wo ist der Papierkorb? Wo sind die Steckdosen? Eine Eingangsrunde, die für mich deutlich machte, dass es spannend werden könnte: vier Männer, sieben Frauen, alle etwa in der Mitte ihres Lebens, mit mehr oder weniger Erfahrung mit bewusster Kommunikation im Allgemeinen und GFK im Speziellen. Und der Lust auf praktisches Lernen.

Als erstes bringt eine Teilnehmerin eine Situation im hierarchischen System Schule ein. Hier liegt für mich der Fokus darin, wie ich mein Bedürfnis nach Klarheit und Sicherheit auch meiner Vorgesetzten gegenüber klar und erfolgversprechend kommunizieren kann, so dass sich Sach- und Beziehungsebene etwas entwirren.

Grundprinzipien

Nach der Pause dann ein sehr dynamisches Rollenspiel einer Konfliktmoderation zwischen einer angestellten Verwaltungskraft für Flüchtlingsarbeit und dem ehrenamtlichen Vorsitzenden ihres Trägervereins. In dieser Konstellation können durch GFK Gefühle und Bedürfnisse benannt werden. Zugleich scheinen Grenzen auf: Wenn die Verletzungen der Teilnehmenden schon groß sind, vielleicht auch lebensgeschichtliche Prägungen mit ins Spiel kommen, dann braucht es mehr als einen moderierten Dialog von einer Stunde, um das Misstrauen zu überwinden. Zugleich wird wieder klar, wie wichtig es ist, dass sich wirklich alle Beteiligten gesehen und in ihren Motiven anerkannt fühlen. Gar nicht ganz leicht, wenn die Sympathien des Moderierenden ungleich verteilt sind.

Als letztes Beispiel sehen wir uns einen Konflikt zwischen Grundschulkindern auf dem Schulhof an. Hier haben die Interventionstechniken, über die wir uns austauschen, wenig mit den Regeln der GFK zu tun, aber viel mit der dahinter liegenden Haltung.

Mein Resümee: Ich war in der richtigen Gruppe, denn erstens war es lebendig, zweitens konnte ich ein paar Anregungen aus den Methoden der GFK mitnehmen und drittens konnte ich spüren, dass das, was ich versuche, gut anschlussfähig an die Haltung der GFK ist.

Einen herzlichen Dank an Dorothea und alle, die sich so lebendig in die Gruppe eingebracht haben!

Hanno Paul