Abkehr vom Augsburger Bekenntnis Artikel 16 - Umkehr zu einer Kirche des Friedens

Auf der Mitgliederversammlung 2019 wurde beschlossen der in Dresden tagenden Synode der EKD einen Brief zu schreiben.Darin hatte es geheißen:

"Wir bitten außerdem um einen klaren, eindeutigen und unmissverständlicher Widerruf, der in Artikel 16 des Augsburger Bekenntnisses ausgesprochenen Verdammung. Eine solche Verdammung einer christlich pazifistischen Position war im 16. Jahrhundert falsch und ist heute ein Skandal. Es geht hierbei um die Glaubwürdigkeit der evangelischen Kirche in Deutschland. Ohne Sünde (so die Aussage von CA 16) ist im 21. Jahrhundert kein Krieg mehr zu führen!"

Immerhin, die Synode hat sich zu CA 16 geäußert. Ein Satz wurde beschlossen:

" Die Synode der EKD bittet die zuständigen Gremien der EKD, in der weiteren friedensethischen Arbeit die Ergebnisse der theologischen Auslegung von CA 16 durch die Gliedkirchen und die gliedkirchlichen Zusammenschlüsse aufzunehmen.

Und es hat sich eine Regionalbischöfin gefunden, die weitergehen will und die wie auch wir im VB hier ein grundsätzlicheres Problem sieht. In der Kirchenzeitung "Glaube + Heimat" ist dazu eine Debatte nachzulesen, wo sich jeder und jede auch gern beteiligen kann.

https://www.meine-kirchenzeitung.de/weimar/c-aktuell/proepstin-will-beke...

 

Worum geht es bei diesem zunächst so kirchenintern anmutenden Problem?

CA 16 ist ein Artikel aus der Confessio Augustana, einer zentralen reformatorischen Bekenntnisschrift, die in den lutherischen und vielen unierten Kirchen heute noch Gültigkeit hat und auf die hin Pfarrerinnen, Pfarrer, Pastorinnen und Pastoren bis heute ordiniert und Gemeindeälteste und Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher verpflichtet werden.

Dieser Artikel legt zweierlei fest:

1. ,,dass Christen ohne Sünde Übeltäter mit dem Schwert bestrafen, rechtmäßig Kriege führen und in ihnen mitstreiten kön­nen"

2. Hiermit werden verdammt, die lehren, dass das oben Angezeigte unchrist­lich sei

In ihrer Wirkungsgeschichte hat CA 16 zur Verfolgung von Pazifistinnen und Pazifisten, Täuferinnen und Täufern durch die evangelischen Kirchen beigetragen und ist immer wieder benutzt worden, um in zweifelhafter Weise staatliche Gewalt theologisch zu legitimieren.

CA TitelbildWir meinen es bedarf einer Abkehr von CA 16 und eines offiziellen Widerrufes der immer noch geltenden Verdammung von pazifistisch denkenden Christen.

Wolfgang Huber hat noch im Jahre des Herrn 2008 in Augsburg (!) an CA 16 festgehalten und versucht, die Verdammung als "nachhaltige kirchliche Ausgrenzung" umzuinterpretieren. Diese Rede hat eine Gruppe im VB zu einer Postkartenaktion inspiriert, in der sie vorschlägt, unterschiedliche kirchliche Instanzen nach den Konsequenzen ihrer aktuell noch bestehenden "Verdammung" zu fragen. Der Aufruf dazu findet sich hier

Im "Jubiläumsjahr" 2017 (500 Jahre "Klage des Friedens" von Erasmus v. ´Rotterdam) hat der Versöhnungsbund in einer Friedensfahrradtour inzwischen den Artikel 16 zurück nach Wittenberg bringen können - christliche Weltverantwortung lässt sich besser und friedlicher formulieren !

Eine Radioreportage zu dieser Friedensfahrradtour findet sich unter https://www.srf.ch/sendungen/perspektiven/verdammung-nein-danke

.

Kein Bekenntnis zur Gewalt - Aufruf des Versöhnungsbundes zur Revision von CA 16

Zudem hat sich aus dem Diskussionsprozess um CA16 ein Musikprojekt ergeben: "Teufelskreise verlassen - Gewalt ist keinem Christen erlaubt" - ein musikalisch-literarisches Gedenken an verfolgte Liebhaber der Bergpredigt. Uraufführung war auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin. Weitere Aufführungen folgten. Außerdem ist davon eine CD herausgekommen. Mehr über die CD erfahren Sie hier

.

Siegrid Neumann

Der VB hat mir geholfen in der neuen Heimat BRD meinen Platz zu finden. Hier Mitglied zu sein ist - seit 1990 - Teil meiner Identität und führte mich auf den Weg zum Schalomdiakonat.

Sigried Neumann, Pfarrerin, Jg. 1950, Potsdam