Abkehr vom Augsburger Bekenntnis Artikel 16 - Umkehr zu einer Kirche des Friedens

CA 16 ist ein Artikel aus der Confessio Augustana, einer zentralen reformatorischen Bekenntnisschrift, die in den lutherischen und vielen unierten Kirchen heute noch Gültigkeit hat und auf die hin Pfarrerinnen, Pfarrer, Pastorinnen und Pastoren bis heute ordiniert und Gemeindeälteste und Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher verpflichtet werden.

Dieser Artikel legt zweierlei fest:

1. ,,dass Christen ohne Sünde Übeltäter mit dem Schwert bestrafen, rechtmäßig Kriege führen und in ihnen mitstreiten kön­nen"

2. Hiermit werden verdammt, die lehren, dass das oben Angezeigte unchrist­lich sei

In ihrer Wirkungsgeschichte hat CA 16 zur Verfolgung von Pazifistinnen und Pazifisten, Täuferinnen und Täufern durch die evangelischen Kirchen beigetragen und ist immer wieder benutzt worden, um in zweifelhafter Weise staatliche Gewalt theologisch zu legitimieren.

CA TitelbildIn der "Dekade zur Überwindung der Gewalt" von 2001-2010 haben die evangelischen Kirchen auch ihre eigenen Verstrickungen in die Entstehung und Legitimation von Gewalt thematisiert und in vielen Landeskirchen sind Diskussionen im Gange, wie einer Legitimation von Gewalt begegnet werden kann. Wir meinen, damit der Gedanke der am Ende von CA 16 steht ("Wenn aber der Obrigkeit Gebot ohne Sünde nicht befolgt werden kann, soll man Gott mehr gehorchen als den Menschen") bedarf es einer Abkehr von CA 16 und eines offiziellen Widerrufes der immer noch geltenden Verdammung von pazifistisch denkenden Christen.

Die Rede Wolfgang Hubers, die er 2008 anlässlich der Überreichung des Hanna-Jursch-Preises in Augsburg gehalten hat und in der er sich unter der Überschrift "Gewalt überwinden - eine Grundaufgabe der Kirche" auch mit CA 16 auseinandersetzt, zeigt, was noch aussteht. Diese Rede hat eine Gruppe im VB zu einer Postkartenaktion inspiriert, in der sie vorschlägt, unterschiedliche kirchliche Instanzen nach den Konsequenzen ihrer aktuell noch bestehenden "Verdammung" zu fragen. Der Aufruf dazu findet sich hier

Im "Jubiläumsjahr" 2017 (500 Jahre "Klage des Friedens" von Erasmus v. ´Rotterdam) hat der Versöhnungsbund in einer Friedensfahrradtour inzwischen den Artikel 16 zurück nach Wittenberg bringen können - christliche Weltverantwortung lässt sich besser und friedlicher formulieren !.

Kein Bekenntnis zur Gewalt - Aufruf des Versöhnungsbundes zur Revision von CA 16

Zudem hat sich aus dem Diskussionsprozess um CA16 ein Musikprojekt ergeben: "Teufelskreise verlassen - Gewalt ist keinem Christen erlaubt" - ein musikalisch-literarisches Gedenken an verfolgte Liebhaber der Bergpredigt. Uraufführung war auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin. Weitere Aufführungen folgten. Außerdem ist davon eine CD herausgekommen. Mehr über die CD erfahren Sie hier

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Siegrid Neumann

Der VB hat mir geholfen in der neuen Heimat BRD meinen Platz zu finden. Hier Mitglied zu sein ist - seit 1990 - Teil meiner Identität und führte mich auf den Weg zum Schalomdiakonat.

Sigried Neumann, Pfarrerin, Jg. 1950, Potsdam