VB-Archiv

Hier finden sich Artikel, die zwar nicht mehr tagesaktuell sind, die wir es aber für wert halten, noch immer gelesen zu werden. Bitte das Jahr auswählen.
  • Ich war dabei - Von Marion Schreiber


    Denis Beaumont, Elisabeth Compton
    (Vorsitzende), Paul Oestreicher
    (alle FoR England), Ullrich Hahn
    (Vorsitzender Deutscher Zweig)

    Man kann es in Büchern nachlesen und dann einsichtsvolle Gespräche mit Gleichgesinnten darüber führen, dass wir Menschen auf der Welt alle Brüder und Schwestern sind. Das ist das eine. Das andere aber ist, es zu erleben, denn das ermöglicht, diese Tatsache als Gefühl in unser Inneres aufzunehmen, und da bleibt es und nährt unsere Sehnsucht und Hoffnung und Begeisterung und Liebe. Wenn dieses Erleben noch in die Gemeinschaft mit Gott eingebaut ist, wird ein Hauch von der Ganzheitlichkeit des Universums spürbar.

    In diesem Sinne erlebte ich das 90-Jahr- Jubiläum des Versöhnungsbundes am 6. und 7. August in Köln durch das Zusammensein mit etwa achtzig VertreterInnen aus sieben Ländern (D, GB, F, CH, USA, NL, A) in spiritueller Bezogenheit. Was für eine Chance!!!

    Der Hintergrund zitiert nach Richard Deats (US-FOR): „Überzeugt davon, dass ein Krieg bald beginnen würde, kamen 1914 etwa 80 Christen zu einer internationalen Konferenz in Konstanz zusammen, um verzweifelt einen Weg zu finden, den Beginn von Feindseligkeiten zu vermeiden. Die Konferenz scheiterte: Der erste Weltkrieg begann während der Tagung. Die Teilnehmer beeilten sich, die Züge in ihre jeweiligen Heimatländer zu bekommen. Im Glauben daran, dass die Bindungen der christlichen Liebe alle nationalen Grenzen überwinden, gaben sich zwei der Teilnehmer – Henry Hodgkin, Britischer Quäker, und Friedrich Siegmund-Schultze, vormals pazifistischer Pfarrer an der Potsdamer Friedenskirche - am Kölner Hauptbahnhof das Versprechen, den Krieg oder Gewalt nicht zu rechtfertigen und die Saat des Friedens und der Liebe auszusäen, egal was die Zukunft bringen würde. Als sie sich die Hände zum Abschied reichten, stimmten sie darin überein, dass „sie eins in Christus sind und niemals im Krieg miteinander sein können“.

    Dieses Versprechen zwischen einem Engländer und einem Deutschen am 3. August 1914 war also der Anlass für die Gründung des Internationalen Versöhnungsbundes, der sich seither in über 40 Länder verzweigt hat in grundlegender Arbeit für Veränderungen von Unrechtsituationen in unserer Welt mit friedlichen Mitteln.

    Umfassend und ausgewogen war das Programm der Feier:

    Der Freitag Abend begann in der Antoniter-Kirche mit Paul Oestreicher - Quäker und anglikanischer Priester, 1939 wegen der jüdischen Herkunft seines Vaters aus Deutschland nach Neuseeland emigriert, später Generalsekretär von amnesty international in Großbritannien und lange Jahre Pfarrer an der Versöhnungskirche in Coventry. Seine Rede - in Deutsch und Englisch (Was für eine Leistung!) - ging vom unterschiedlichen Erleben der beiden Weltkriege durch Deutsche und Engländer aus. Doch das haben die beiden Nationen gemeinsam: Von der Kriegsbegeisterung 1914 (Die uralte Aufnahme von „Ooooo what a lovely war“ spielte uns Gordon Slater von FoRE am Samstag vor!) über die Ernüchterung auf Grund von zwei sinnlos – zumindest für die Deutschen! - gekämpften Kriegen – die Briten sahen sich hier als Befreier und Retter Europas von Hitler - geht die Entwicklung immerhin zu einem neuen Verständnis von Militär -  Es geht heute nicht mehr darum, Kriege zu gewinnen, sondern sie zu verhindern bzw. zu beenden. Das notwendige Ziel allerdings ist die Abschaffung des Krieges, nicht aus Idealismus, sondern als Realismus, wenn wir überleben wollen.

    Der Weg dorthin? Dazu eine Überlegungen aus der Veranstaltung: Wichtig sei eine radikale Veränderung des menschlichen Bewusstseins zu erreichen im Sinne von :

    • die Christen haben kein Monopol auf die Wahrheit
    • denen ist wohl zu wünschen, die man nicht mag
    • unsere Waffe sind wir selber: Herz, Verstand, Leben
    • um den Krieg abzuschaffen gilt es die tiefen Gefühle der Menschen anzusprechen, nicht nur den Verstand, denn die Beziehung zum Krieg ist eine subjektive
    • und der Gott des Friedens wird mit uns sein, der das Licht in die Welt bringt, wider all das Dunkle, das wir Menschen hinein bringen können.

    Der Samstag setzte in diesem Sinne fort:

    Der Gottesdienst, gehalten vom IFOR-Generalsekretär David Mumford, einem anglikanischen Priester aus England, der derzeit mit seiner Frau in Alkmaar lebt, und Dorothee Schaper, einer evangelischen Pfarrerin aus Köln (damit sei einmal mehr die Internationalität des Treffens belegt!) endete mit dem beeindruckenden Teil der Fürbitten. Sie waren für mich einmal mehr ein Bekenntnis gegen jede Form von religiösem Fundamentalismus in dem Sinn, dass sie unser Vertrauen und unser Angewiesen-Sein auf die Hilfe von oben bekundeten – Eingeständnis unserer eigenen Begrenztheit – oder wie in der Versöhnungslitanei von Coventry 1959 gebetet wurde, die wir anschließend am Kölner Bahnhof hörten: Father forgive the pride which leads us to trust in ourselves and not in God. - Vater vergib den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott.

    Der Weg des Friedens durch die Kölner Altstadt schloss an den Gottesdienst an. Er war dem Thema gewidmet, inwieweit Städte Kriege und Kriegshelden verherrlichen, bzw. welche Gedenkstätten vor Kriegen warnen und an Menschlichkeit und Friedensförderung erinnern. Auch hier sind Initiativen gefragt, wie wir sie z. B. am Nachmittag eindrucksvoll bei der Eröffnung des Hiroschima-Nagasaki-Parks durch die Kölner Bürgermeisterin erlebten.

    Ziel der Friedenswanderung und Höhepunkt war die Gedenkveranstaltung am Kölner Hauptbahnhof. Der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft wurde in den verlesenen Texten gedacht: Neunzig Jahre nach dem Versprechen von Friedrich Siegmund-Schultze und Henry Hodgkin stehen wir hier heute als Mitglieder des Internationalen Versöhnungsbundes… nicht mehr nur als Christen, sondern als Menschen verschiedener Glaubensrichtungen, die aktive Gewaltfreiheit als ein Mittel zum persönlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Wandel verstehen. Und wir versprechen, dass wir gemeinsam an einer Welt in Frieden und Gerechtigkeit arbeiten werden. – And we promise that we will work together for a world of peace and justice.

    Es war eine bewegende Feier.

    Am Nachmittag ging es um die Geschichte der deutschen und englischen IFOR Zweige, den Besuch der Ausstellung ‚Die Atombombe und der Mensch` im Museum für Ostasiatische Kunst und, wie schon erwähnt, um die Eröffnung des Hiroshima-Nagasaki-Parks, wo auch zwei unserer VB-Mitglieder eingeladen waren zu sprechen: die FoRE-Vorsitzende Elizabeth Compton aus England und Clemens Ronnefeldt, Friedensreferent des deutschen Zweiges aus Freiburg, der übrigens vormittags in der Kirche auch wunderbar die Orgel gespielt hatte.

    Das gesellige Beisammensein am Abend wurde durch ein köstliches Buffet und allerlei Getränke – darunter der erstaunliche Dekadenwein – unterstützt. So klang diese Treffen mit viel Herzlichkeit und Lachen aus.

  • Gruppenbild EFOR-TreffenDas Treffen der europäischen Zweige vom International Fellowship of Reconciliation (IFOR) ist zu einem festen Bestandteil des „IFOR-Kalenders“ geworden. Nachdem das erste Treffen 2003 in Florence und das zweite Treffen letztes Jahr in Buch (Hunsrück) stattgefunden hat, war dieses Jahr vom 1. – 3. April wieder der Knotenpunkt in Buch das Ziel der fünfzehn VertreterInnen der anwesenden europäischen IFOR-Zweige (Schweden, Norwegen, zwei Zweige aus den Niederlanden, Österreich, Wales, deutschsprachige Schweiz, Italien, IFOR und Deutschland). Für Deutschland nahmen Miriam Klemm und Volker Grotefeld an dem Treffen teil.

    Als Einstieg diente dieses Jahr ein Training, dass von zwei Mitarbeiterinnen des Women Peacemaker Programms (WPP) von IFOR zum „Engendering der Friedensbewegung“ durchgeführt wurde. Dabei sollte einerseits auf die Geschlechterfrage(n) in der Friedensbewegung aufmerksam gemacht werden (wie auf der VB-Jahrestagung 2004). Zudem sollte aber auch die Arbeit des sehr erfolgreichen WPP den TeilnehmerInnen der Tagung näher gebracht werden.

    Am Freitagabend fand dann der wohl spannendste Teil des Treffen statt: die Berichte der Arbeit aus den einzelnen Zweigen. Es ist für alle Anwesenden immer wieder ein Erlebnis, von der Vielfalt der Arbeit zu hören und das unglaubliche Engagement in den einzelnen Zweigen zu erfahren.

    Am Samstag wurde in Arbeitsgruppen zu Themen gearbeitet, die im Vorfeld der Tagung von den Zweigen vorgeschlagen wurden. Dies waren u. a. die De-/Militarisierung Europas / EU-Verfassung, Friedenserziehung, IFOR-Arbeit in Osteuropa, Islamophobia in Europa und Friedensmissionen in Konfliktregionen.

    Bei der ArbeitDa derzeit auf internationaler IFOR-Ebene über die zukünftige Strategie von IFOR beraten wird, war ein wichtiges Thema am Samstagabend die Frage, warum wir als Einzelne überhaupt Mitglied im Internationalen Versöhnungsbund sind. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Strategiediskussion noch zu zahlreichen, intensiven Debatten führen wird, da durch die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe und sicherlich auch die Sprachprobleme unterschiedliche Vorstellungen in den Ländern – aber natürlich auch in den einzelnen Zweigen – vorhanden sind.

    Der Sonntagmorgen stand dann ganz im Zeichen der praktischen Umsetzung der Beratungen in den Arbeitsgruppen. Dabei wurde u. a. eine „Buch Erklärung 2005“ beschlossen, in der die VertreterInnen der europäischen IFOR-Zweige den Rat der Europäischen Union auffordern, das Waffenembargo gegen China nicht aufzuheben. Eine Aufhebung des Embargos würde insbesondere angesichts der kürzlich erfolgen Ermächtigung der chinesischen Regierung durch den Volkskongress, Taiwan anzugreifen, falls sich der Inselstaat unabhängig erklärt, ein falsches Signal senden und den Konflikt anheizen.

    Weiter wurde beschlossen, dass das nächste EFOR-Treffen vom 21. – 23. April 2006 (1. Wochenende nach Ostern) wieder in Florenz stattfindet. Schwerpunkt des Treffens wird die Vorbereitung auf den alle vier Jahre stattfindenden IFOR-Council sein, der sich im Oktober 2006 in Japan trifft. David Mumford, der Internationalen Koordinator, hat dabei alle Zweige aufgefordert, sich bereits jetzt Gedanken zu machen, wer aus den jeweiligen Zweigen für die Arbeit in den internationalen IFOR-Gremien zu Verfügung stehen könnte.

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  • Dies war der Titel einer Tagung, die vom 7. bis 9. Oktober 2005 in Berlin vom Internationalen Versöhnungsbund, dem Friedensausschuss der Deutschen Quäker, den Müttern für den Frieden sowie dem Bund für Soziale Verteidigung in Kooperation mit dem Deutsch-Russischen Austausch veranstaltet wurde.

    Die Organisationen mit langjährigen Kontakten zu Nichtregierungsorganisationen (NRO) in Russland zeigten sich besorgt über die Zentralisierung der politischen Macht im Kreml.

    Juri Dschibladse, Präsident des Zentrums für Demokratie und Menschenrechte (Moskau), der 2002 als einer von sieben Vertretern an den Weimarer Gesprächen zwischen Präsident Putin und Bundeskanzler Schröder teilgenommen hatte, appellierte an die Europäische Union und die Bundesregierung, die russischen Menschenrechtsorganisationen in die Menschenrechtskonsultationen zwischen der Russischen Föderation und der Europäischen Union einzubeziehen.

    Im Anhang findet sich die Rede Juri Dscgubkadses und die vollständige Presseerklärung.

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  • Der Studientag "Rechtmäßig Krieg führen" oder "sich widersetzen"? - Die Dekade ‚Überwindung von Gewalt’ und Artikel 16 der Confessio Augustana hat am 11./12. November 2005 in Augsburg stattgefunden. Er begann mit einem musikalisch-literarischen Gedenken an „Liebhaber der Bergpredigt“ mit den Ensembles Ouvert und Cornucopia in der Barfüßerkirche.

    75 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Delegierte aus 13 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche  Deutschlands, die diese Versammlung mit vorbereitet haben, haben dann am Samstag mit Delegierten der Arbeitsgemeinschaft mennonitischer Gemeinden, der Vereinigung Evangelischer Freikirchen und des Internationalen Versöhnungsbundes, deutscher Zweig, in ökumenischer Verbundenheit getagt. 475 Jahre nach der Entstehung des Augsburger Bekenntnisses ist die Wirkungsgeschichte der Lehrverdammung des Artikels 16 gegen die Täufer und ihre Gewaltlosigkeit kritisch erörtert und über den aktuellen Stand des friedensethischen Wandels der Volkskirchen in Richtung auf Gewaltverzicht und Friedensförderung eingehend reflektiert worden.

    Der komplette Text findet sich im Anhang.

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