Mikrokredite Marokko

Update 11. Februar 2014

Marokko: Mikrokredit-Betrug aufgedeckt - Ein Jahre ins Gefängnis!

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Aufruf zum Schreiben von Protestbriefen

Weil sie den Missbrauch durch die Mikrokredit-Organisationen angeprangert und zahlreiche Opfer dieser Organisationen verteidigt haben, wurden Amina Mourad und Benasser Ismaini zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt und außerdem zu 10.000 dh Geldstrafe!

Das Urteil wurde im Gericht von Ouarzazate am 11. Februar 2014  verkündet.

Sie haben 10 Tage, um in die Berufung zu gehen.

Foto rechts: Demonstration zur Unterstützung
der Mikrokredit-Opfer in Ouarzazate

Sie waren früher schon mal vor Gericht "gezerrt" worden, es gab damals Freispruch.

Eine neues Geldinstitut - INMAA - hat erneut Klage erhoben ... die Zeugen der Anbklage sind nicht erschienen, der Anwalt vom INMAA war auch beim letzten Tag des Prozesses nicht anwesend. Trotzdem dieser Urteilspruch.

Die neusten Infos auf Französisch >>>

Informationen zu dem Prozess  >>>

Adressen für Protestbriefe >>>

Musterbriefe für den Protest >>>

Ergänzende Informationen
Zusätzliche Infos zu Mikrokrediten in Marokko >>>  
Allgemeine Kritik an Mikrokrediten >>>  
Soziale Kämpfe in Marokko >>>  
Repression in Marokko >>>  
Beziehung Marokko Europäische Union >>> 
Allgemeine Information zu Marokko >>>

 

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  • Informationen zu dem Prozess

Ursprünglich war der Prozess schon für den 17. Dezember 2013 festgesetzt worden, er wurde auf den 6.Januar verschoben, weil die 9 Zeugen der Anklage nicht erschienen waren; er wurde dann nochmal verschoben.
Danke an diejenigen, die Protestbriefe verschickt haben! Diese Aktion kann und sollte weiterlaufen. (Musterbriefe und Adressen siehe >>>)

Die Vereinigung der Opfer der Mikrokredite in Marokko umfasst inzwischen mehrere Tausende Personen, vorwiegend Frauen.

Sie wehren sich dagegen, dass die Zinssätze riesig sind (2% oder mehr pro Monat!), dies zusätzlich zu den Bearbeitungsgebühren und zu der Kreditversicherung.

Sie prangern auch an, dass die Vermittler solcher Kredite mit allen erdenklichen Mitteln ihnen Kredite aufschwatzen und die Bedingungen verschweigen. 45 % der Kreditnehmenden sind Analphabetinnen und Analphabeten - dies nach eigenen Angaben der Mikrokredit-Institution INMAA >>>

Sie wehren sich dagegen, dass ihnen Gefängnisstrafen angedroht werden, falls sie nicht rechtzeitig zurückzahlen.

Manche Familien mussten ihr weniges Hab und Gut verkaufen. Frauen finden oft nur den Ausweg der Prostitution, auch Selbstmorde sind zu beklagen.

Ergänzende Informationen:

1. Mehr zu den Mikrokrediten in Marokko:

von Attac >>>

aus ener englischsprachigen Zeitung: >>>

Es gibt auch eine Reihe von Videos mit französischen Untertiteln zu den Auswirkungen der Mikrokredite und zu den Protesten:

a) Zu dem Prozess

2.12.2013, Erklärungen der beiden Angeklagten >>>  
Demonstration im Sep. 2013  >>>

b) 11.-12. März 2012: Versammlung in Ouarzazate von rund 500 Frauen gegen die Mikrokredite >>>

Interview mit Amina Mourad (Feb. 2013) >>>

Wie Mikrokredite die Armut von Frauen noch verschärft (März 2012)  >>>  

2. Grundsätzliche Kritik an Mikrokrediten:

Mikrokredite wurden als Lösung zu der Armut gepriesen – die Menschen in Ouarzazate sehen es anders. Auch wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu einem anderen Ergebnis. Danach verbessert sich die Lage nur bei 5 % der Kreditnehmenden, bei den meisten verschlechtert sie sich. Als Begründung schreibt Kathrin Hartmann:„Der grundsätzliche Denkfehler der neoliberalen Entwicklungshilfe aber ist, jeder Mensch könne sich als Unternehmer selbst aus der Armut befreien. Es ist nichts anderes als die Idee der Ich-AG, die selbst im reichen Deutschland grandios scheiterte...Wie könnte so ein Konzept in einem bitterarmen Land funktionieren, wo jegliche Infrastruktur fehlt? Wie viele Näh- und Teestuben braucht ein Dorf? Wie viele Reisstände auf dem Markt können bestehen, ohne sich gegenseitig die Preise zu verderben? Woher sollen die Kunden kommen, wenn die Menschen so arm sind, dass sie hungern?“ (Hartmann, Kathrin: Armutsbekämpfung, Die Mikrokredit-Lüge, 10.1.2012, Berliner Zeitung, >>>  )

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch die Arbeiten des Journalisten Gerhard Klas, die Mikrokredite kritisiert:

  • Gerhard Klas: Ein Märchen aus Bangladesch – Mikrokredite gegen Armut >>>  

  • Gerhard Klas: Mikrokredite - Ethisch sauber? Video >>>

  • Gerhard Klas: „Die Mikro-Finanzindustrie – Die große Illusion oder das Geschäft mit der Armut“, Assoziation A. , 2011
    Buchrezension >>>

  • Im Frühjahr 2014 erscheint der Sammelband „Rendite machen und Gutes tun? Mikrokredite und die Folgen neoliberaler Entwicklungspolitik“ im Campus-Verlag. (Hrsg.: Gerhard Klas und Philip Mader)

3. In Marokko sind viele soziale Kämpfe und Arbeitskämpfe zu verzeichnen, die hier nur kurz angerissen werden:

- Eine Solidaritätskarawane nach Ouarzazate mit ca. 3000 Menschen hat am 4. Januar stattgefunden, in der auch Forderungen zur Respektierung der gewerkschaftlichen Rechte und zur sozialen Sicherung erhoben wurden. Sie richtete sich auch gegen die politische Unterdrückung.

Dazu mehr hier  >>>
Diese Karawane wurde von attac Marokko, von Menschenrechtsorganisationen, von Gewerkschaften und von mehreren Parteien getragen.

- Es gibt starke Proteste gegen den Silberbergbau, wegen Zerstörung der Umwelt durch Blausäure und Quecksilber, die Bewohner bleiben bitterarm, die Mine gehört zu einer Gruppe im Besitz der marokkanischen königlichen Familie http://www.managemgroup.com/. Zu den Protesten gehört die  Besetzung eines Bergs seit August 2011:  http://www.aldeah.org/fr/mouvement-sur-la-voie-de-96-imiderhttp://www.tamazgha.fr/Imider-la-repression-comme-seule.html

- In Casablanca entfachen sich immer wieder Auseinandersetzungen um die Wohnungsfrage: Ende Dezember wurden Menschen aus ihren Notbehausungen vertrieben, alles wurde platt gemacht – zugunsten von Baufirmen -  s. dazu https://plus.google.com/photos/109814657023437756092/albums/5963273032855889745?authkey=CPOZycrnqd-V2AE,

Video (in arabischer Sprache, die Bilder sprechen aber für sich):  >>>  

4. Die politische Repression in Marokko nimmt zu:

Woche für Woche berichtet die Menschenrechtsorganisation http://asdhom.org über die Situation der politischen Gefangenen; sie organisiert Patenschaften. S. dazu auch http://sandimgetriebe.attac.at/10610.htmlund http://www.attac.de/uploads/media/SiG_sonderheft_zu_Marokko_nov_2012.pdf

Beispiele der Repression:

Ein Gewerkschaftssekretär wurde im Juni wegen Drogenbesitz angeklagt - und schließlich freigesprochen: http://www.marocpress.com/fr/lakome/article-48845.html; seit Ende Dezember werden Hamid Berka und Ichou Hamdan im Polizeirevier von Tinghir festgehalten (s. http://asdhom.org/?p=83323), beide Aktivisten der "Voie 96" in Imider (s. oben, Bergbau).

5. Beziehungen EU-Marokko:
Marokko ist ein „Musterland“, was die Anpassung an die Wünsche insbesondere der EU-Länder angeht, s. dazu: Kein Freihandelsabkommen mit der EU!,  http://sandimgetriebe.attac.at/10599.html

auch SiG 69 (2008): Die EU zerschlägt an ihren Grenzen die öffentlichen Dienstleistungen, von Lucile Daumas (attac Marokko),  http://sandimgetriebe.attac.at/6818.html

SiG 33 (2004): Erklärung von Attac Marokko zum Freihandelsabkommen Marokko/USA,  http://sandimgetriebe.attac.at/2856.html

Die offizielle Seite: EU-Papier Europäisches Nachbarschafts- und Partnerschaftsintrument – Marokko – Strategiepapier 2007-2013:  http://ec.europa.eu/world/enp/pdf/country/enpi_csp_morocco_de.pdf

http://ec.europa.eu/trade/policy/countries-and-regions/countries/morocco/

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Aufruf zum Schreiben von Mails
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Um die drohenden Gefängnisstrafen zu verhindern, ruft Attac Deutschland auf, an die marokkanische Botschaft und an das marokkanische Justizministerium zu schreiben. Ihr könnt die Briefe im Anhang benutzen, eure Namen darunter schreiben und sie dann an die Botschaft bzw. das Justizministerium schicken.

  • Adressen für Protestschreiben

Marokkanische Botschaft in Berlin
Fax: +49 (0) 30 20 61 24 20 (korrigiert)
E-Mail: kontakt@botschaft-marokko.de

Marokkanische Botschaft in Bern
Fax: +41 (0) 31 351 03 64
E-Mail: sifamaberne2@bluewin.ch

Marokkanische Botschaft in Österreich
Fax: (+43 / 1) 5867667
E-Mail: emb-pmissionvienna@morocco.at

Justizministerium Marokko
E-Mail: cabinet@justice.gov.ma

Attac Marokko würde sich über eine Kopie der Schreiben freuen: azikiomar2008@gmail.com

  • Musterbriefe - im Word- und im OpenOffice-Format zur Auswahl