Wolfgang Kessler: Die Kunst, den Kapitalismus zu veraendern / Die Macht der Autolobby / Campactaktion gegen Kaufprämie

Mi, 27/05/2020 - 20:33 - Clemens Ronnefeldt

Liebe Friedensinteressierte,

Im Rahmen von Transparenz TV und der Sendereihe „Friedensfragen mit Clemens Ronnefeldt“ sende ich nachfolgend eine Inhaltsangabe und den Link zu folgender Sendung:

Mittwoch, 27. Mai 2020 - 20.30 Uhr

Thema: Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern

Gast: Dr. Wolfgang Kessler, Wirtschaftsjournalist

Im Jahre 2019 veröffentlichte der langjährige Chefredakteur der Zeitschrift „Publik-Forum“, Dr. Wolfgang Kessler, sein aktuelles Buch „Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern“, das in der Sendung vorgestellt werden wird.

Im ersten Teil seines Buches liefert der Autor eine Abrechnung mit Kapitalismus und Neoliberalismus, die aufgrund einer unbegrenzten Wachstums- und Rendite-Ideologie die Menschheit an den Rand des Abgrunds gebracht haben.

Im zweiten Teil seiner hochaktuellen Veröffentlichung stellt Wolfgang Kessler Alternativen vor: Nicht ein „bedingungsloses", sondern ein „sozial gerechtes“ Grundeinkommen, ebenso Erfahrungen, die bereits mehrere Jahre mit Grundeinkommen in Namibia und Kenia gemacht wurden.

Er stellt seine Idee der „Befreiung vom Diktat der Rendite“ vor und warum und wie öko-fairer Handel gefördert - und Klimazerstörer mit finanziellen Aufschlägen versehen werden sollen.

Eine Steuer auf Finanztransaktionen sowie eine Anhebung des Spitzensteuersatzes für Großverdiener sind weiter Elemente seiner Überlegungen.

Am Ende des Interviews wird der Autor auch auf die Notwendigkeit einer geistigen Wende eingehen - und warum er eine neue Wertediskussion für notwendig hält.

Heute, 27. Mai 2020 um 20.30 mit Livechat und danach dauerhaft unter:

https://youtu.be/XzZ9GEZ6Eko

oder:

https://www.facebook.com/friedensfragen/?modal=admin_todo_tour

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Nachfolgend die Buchbesprechung von Werner Rätz:

https://www.werner-raetz.de/fileadmin/user_upload/Autor/besprechungen/kessler.pdf

Wolfgang Kessler, Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern. Eine Streitschrift, Publik-Forum Edition, Oberursel 2019, 128 Seiten, 15,00 Euro

(eBook 12,99) ISBN 9783880953307 (eBook 9783880953314)

(…) „Wer den Kapitalismus verändern will, operiert am offenen Herzen eines Systems, in das Millionen, ja sogar Milliarden Menschen als Unternehmer, Beschäftigte, Sparer, Eigentümer, Mieter, Erwerbslose oder Verbraucher eingebunden sind.“ (S. 11) Und weiter: „Wer – mit guten Gründen – allzu radikal in dieses Geflecht von Produktion und Konsum eingreift, schwächt möglicherweise die Volkswirtschaft, bevor sie neue Stärken entwickeln kann. Wer – aus ökologischen Gründen berechtigt – den Ausstieg aus der Autogesellschaft forciert, trägt die volle Last des Klumpenrisikos.

Denn in einer Wirtschaftskrise werden Millionen verunsicherte Beschäftigte oder gar Erwerbslose kaum zur Vorhut einer antikapitalistischen Revolution, sondern eher zur Reservearmee für rechte Rattenfänger...Notwendig ist eine Politik, der langsamen, aber konsequenten Übergänge, um Krisen und Brüche zu vermeiden...Diese Politik der Übergänge wird nur dann akzeptiert, wenn sie die individuelle Wahlfreiheit der Menschen respektiert und ein möglichst dichtes soziales Netz knüpft, das niemanden durchfallen lässt und allen die Chance eröffnet, das eigene Leben neu zu gestalten.“ (S. 65) (…)

Ihm geht es darum, die große Zahl Menschen bei den notwendigen radikalen Veränderungen mitzunehmen. Das wird nicht gehen, ohne dass man „zunächst kritische Fragen an sich selbst zulässt: Brauche ich alles, was ich kaufe? Müssen wir unser Leben am reinen Materialismus ausrichten? Wann wird Selbstverwirklichung zu Egoismus?“ (S. 110)

Auch dies ist wieder kein Versuch, die Verantwortung an Einzelne abzuschieben. Kessler weiß, dass es Ziele gibt, „die die vielen Einzelnen nicht beeinflussen können – wie eine gerechte Verteilung des Volkseinkommens, ein faires Rentensystem oder etwa eine Reform des Finanzsystems. Dafür braucht es eine andere Politik.“ (S. 112)

Seine Schlussfolgerung deckt sich mit dem, was wir auch in der Attac-AG „genug für alle“ im Zusammenhang eines bedingungslosen Grundeinkommens immer wieder betonen, dass ohne eine demokratische Debatte um die Ziele des Wirtschaftens keine Zukunft denkbar ist: „Deshalb braucht der Übergang, die Transformation hin zu einer humanen und ökologischen Wirtschaftsweise eine breite und offene Diskussion über die Werte, auf denen das Zusammenleben in Zukunft beruhen soll.“ (S. 122) (…)

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Die Macht der Autolobby zeigt sich aktuell an der Debatte um Kaufprämien auch für Autos mit hohem CO-Ausstoß:

https://www.spiegel.de/politik/corona-hilfen-und-klimaschutz-staatliche-kaufpraemie-fuer-die-e-klasse-a-00000000-0002-0001-0000-000171037293

22.05.2020, 11.00 Uhr

(…) Am 2. Juni soll ein weiterer Autogipfel bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen mit den zuständigen Bundesministern und den Vorstandsvorsitzenden aus der Autoindustrie den Durchbruch bringen.

Dort könnte eine Förderung beim Kauf von Autos beschlossen werden, die maximal 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. (…)

Christian Hochfeld, Chef der Denkfabrik Agora Verkehrswende, warnt vor einer allzu weit gefassten Kaufprämie: "Verbrenner mit Emissionen bis zu 140 g/km über eine Kaufprämie aus Steuermitteln zu fördern, macht klima-, sozial- und wirtschaftspolitisch keinen Sinn. Das ist Verkehrtwende statt Verkehrswende", sagte er dem SPIEGEL.

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Vor diesem Hintergrund möchte ich diese Mitmachaktion empfehlen:

https://aktion.campact.de/abwrackpraemie-20/appell/teilnehmen

Die Regierung pumpt in der Corona-Krise Rettungsgelder in Milliardenhöhe in die deutsche Wirtschaft – doch das reicht der Autoindustrie nicht. Sie will die unsinnige Abwrackprämie neu auflegen: Der Staat soll Autokäufe mit mehreren Tausend Euro bezuschussen.

Noch im Mai entscheidet sich, ob die Autolobby mit ihrer Forderung durchkommt – und damit noch mehr Klimakiller auf Deutschlands Straßen landen. Wenn wir jetzt schnell sind, können wir die GroKo von Extra-Geschenken für die Autoindustrie abbringen.

Unterzeichnen Sie unseren Appell

https://aktion.campact.de/abwrackpraemie-20/appell/teilnehmen

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25. Mai 2020, 17:10 Uhr Rüstungsausgaben:

Regierung plant mehr als 130 Milliarden für Militärprojekte

Nach SZ-Informationen sollen in den kommenden Jahren immense Summen in Rüstungsvorhaben fließen. Sind die Einkaufspläne der Bundeswehr noch sinnvoll und bezahlbar? Viele Verteidigungspolitiker bezweifeln das.

Während Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bereits vor einer Rückkehr in die Zeit des "Kaputtsparens" warnt, wird vor allem in der Opposition die Forderung laut, das Geld anderweitig auszugeben. Linken-Co-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte der SZ: Der Staat komme durch die Corona-Krise an seine "finanzielle Obergrenze oder überschreitet sie sogar, aber für neue Panzer und Kampfjets stehen astronomische Beträge zur Verfügung“.

Er plädiert dafür, den "gesamten Verteidigungshaushalt und jedes einzelne Rüstungsprojekt auf den Prüfstand" zu stellen. (…)

Sehr gute Friedens-Informationen und Mitmachmöglichkeiten finden sich auf dieser Homepage, hier am Beispiel des Themas Nachfolgesystem für atomwaffenfähige Tornados - und der Protestmöglichkeiten:

https://besserewelt.info/militaer/bundeswehr-deutschland/ruestung/tornado-nachfolge-45-us-kampfjets-f-18

Alle Beiträge von Clemens Ronnefeldt finden sich in unserem FriedensBlog.