Helga Merkelbach: Frauen im Iran / 1. INSTEX-Transaktion mit Iran / IPB: Gesundheitswesen statt Militaer / Aufruf des Club of Rome / ARD-TV-Tip heute

Mi, 01/04/2020 - 19:57 - Clemens Ronnefeldt

Liebe Friedensinteressierte,

Im Rahmen von Transparenz TV und der Sendereihe „Friedensfragen mit Clemens Ronnefeldt“ sende ich nachfolgend eine Inhaltsangabe und den Link zu folgender Sendung:

Heute, 1.4.2020 - 20.15 Uhr

Thema: Frauen im Iran

Gast: Helga Merkelbach, SERVAS

Im Mai 2019 reiste Helga Merkelbach über ein Begegnungsprogramm der NGO „SERVAS“ in den Iran. Dort traf sie viele beeindruckende Frauen, die trotz Repressionen im Land selbstbewusst auftreten und sich vielfältig in der Gesellschaft in ihren jeweiligen Berufen engagieren.

Das Frauenbild im Iran wurde jahrelang geprägt von dem acht Millionen Mal verkauften Buch „Nicht ohne meine Tochter“ von Betty Mahmoody, das allein in Deutschland mehr als zwei Millionen Käuferinnen und Käufer fand und ein sehr negatives Bild einer Frau und ihrer Tochter als Opfer zeigte.

Helga Merkelbach hat ebenfalls ein Buch über ihre Begegnungen mit Frauen im Iran geschrieben, das dieses einseitige Bild korrigiert.

Sie traf Frauen, die sich für Umweltschutz und für den Erhalt von Wasserresourcen einsetzen. Ihre älteste Gesprächspartnerin war 102 Jahre, geistig klar und entschieden. Sie hat vor vielen Jahren eine Nichtregierungsorganisation gegründet, in der inzwischen mehrere tausend Frauen sich für die Erhaltung der Schöpfung, Müllvermeidung und für erneuerbare Energien engagieren.

Die Sendung wird auch aufzeigen, wie Frauen in einem repressiven politischen System dennoch ihr Leben selbstbestimmt und kreativ leben.

Heute, 1.4.2020 um 20.15 Uhr mit Livechat und danach dauerhaft unter:

https://www.youtube.com/watch?v=_jP-u-yCXZc&feature=youtu.be

oder unter:

https://www.facebook.com/friedensfragen/?modal=admin_todo_tour

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Iran zählt zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern der Erde. Das Gesundheitswesen im Iran wurde durch Sanktionen in den letzten Jahren stark in Mitleidenschaft gezogen. Umso erfreulicher ist die gestrige Meldung des Auswärtigen Amtes:

https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/instex-transaktion/2329742 INSTEX führt erfolgreich erste Transaktion durch

31.03.2020 - Pressemitteilung

Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich bestätigen, dass INSTEX seine erste Transaktion erfolgreich durchgeführt und so die Ausfuhr medizinischer Güter aus Europa nach Iran ermöglicht hat.

Diese Güter sind in Iran angekommen. INSTEX dient dem Zweck, im Rahmen der laufenden Bemühungen um Aufrechterhaltung des JCPoA eine langfristig tragfähige Lösung für den rechtmäßigen Handel zwischen Europa und Iran zu gewährleisten. Nachdem die erste Transaktion jetzt abgeschlossen ist, wird INSTEX mit der iranischen Spiegelorganisation STFI an weiteren Transaktionen arbeiten und den Mechanismus weiterentwickeln.

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Das Internationale Friedensbüro (IPB) hat die nachfolgende Erklärung an die G-20-Staaten gerichtet:

http://www.ipb.org/wp-content/uploads/2020/03/IPB-Erkl%C3%A4rung-23.03.pdf

IPB fordert eine dramatische Reduzierung der Militärausgaben zugunsten der Gesundheitsversorgung und sozialer Leistungen

Berlin, 23.3.2020

(…) G20: Priorität für Abrüstung. Die Welt gibt jedes Jahr 1,8 Billionen Dollar für Militärausgaben aus, und es ist geplant, in den nächsten 20 Jahren 1 Billion Dollar für neue Atomwaffen auszugeben.Weltweite Militärübungen kosten jedes Jahr mehr als 1 Milliarde Dollar, und in den führenden Volkswirtschaften der Welt nehmen die Waffenproduktion und die Waffenexporte zu. (…)

Die G20 sind für 82 Prozent der weltweiten Militärausgaben verantwortlich, machen fast alle Waffenexporte aus und halten 98 Prozent der weltweiten Atombomben auf ihrem gemeinsamen Territorium. Die G20 ist diegemeinsame Plattform, die die Hauptakteure im globalen Wettrüsten zusammenführt.(…)

Abrüstung ist einer der Schlüssel zur großen Transformation unserer Volkswirtschaften, um sicherzustellen, dass die Menschen und nicht der Profit im Mittelpunkt stehen; Volkswirtschaften, das die ökologische Herausforderungen – vor allem die Herausforderungen des Klimawandels – gelöst und globale soziale Gerechtigkeit angestrebt wird.

Mit der Abrüstung, der Umsetzung der SDGs, einem globalen Sozialvertrag und einem neuen globalen grünen Friedensabkommen können wir die Herausforderungen der Coronavirus-Pandemie angehen. (…)

Wir rufen zu einer Kultur des Friedens auf. Ein friedlicher Weg bedeutet, dass wir eine globale Strategie, einen globalen Gesellschaftsvertrag und eine globale Zusammenarbeit brauchen, um eine weltweite Entwicklung zu gewährleisten. Das wird die menschliche Solidarität des 21. Jahrhunderts sein - für und mit den Menschen. (…)

(Hinweis von C. Ronnefeldt: SDGs steht für "Sustainable Development Goals", 17 nachhaltige Entwicklungsziele, auf die sich alle Staaten der UNO im Jahre 2015 geeinigt haben).

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Das Internationale Friedensbüro hat einen Aufruf gestartet mit dem Titel „Investition in Gesundheit anstatt in Militarisierung“ - der von jeder Person mitunterzeichnet werden kann:

https://www.change.org/p/general-assembly-of-the-united-nations-invest-in-healthcare-instead-of-militarization

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Ebenso zur Unterzeichung empfehlen möchte ich den nachfolgenden offenen Brief „Ein gesunder Planet für gesunde Menschen“, initiiert vom Club of Rome,

vom 26.3.2020:

https://clubofrome.org/impact-hubs/climate-emergency/open-letter-to-global-leaders-a-healthy-planet-for-healthy-people/

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Nachfolgend ein TV-Hinweis auf heute abend, 1.4.2020, bei der ARD:

20.30 Uhr: Themenabend „Waffenhandel": Meister des Todes 2 22.05 Uhr: Themenabend „Waffenhandel": Tödliche Exporte - Rüstungsmanager vor Gericht

https://www.sueddeutsche.de/medien/meister-des-todes-2-toedliche-exporte-2-ard-rezension-1.4863612 ARD-Themenabend Waffenexporte: Schmutzige Geschäfte

(…) Daniel Harrichs Film, die Fortsetzung eines Vorläufers von 2015, verknüpft beide Stränge. Das Leid der Familie Solano berührt, die Schilderung des Verfahrens erweckt Zorn. Es ist die Geschichte des Versagens aller Kontrollmechanismen: Da ist der Beamte des Wirtschaftsministeriums, der zur menschenrechtlichen Prüfung des Verkaufs bemerkte, man heiße ja schließlich "Ministerium für Wirtschaft“. Da war die von Heckler & Koch bezahlte Betriebsprüfungsfirma KPMG, welche mit der Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen "zusammenarbeitete", da waren 15 000 verschwundene Mails.

Harrichs Film bietet besten investigativen Journalismus, er nimmt sehr klar Stellung, ohne einseitig zu sein. (…)

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Eine ganze Reihe von Rüstungsmessen und Waffenschauen wurde für 2020 abgesagt:

https://wri-irg.org/en/story/2020/coronavirus-pandemic-disrupts-arms-trade-events-around-world

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Am Ende noch einige Gedanken des Zukunftsforschers Matthias Horx:

https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona

48 - Die Welt nach Corona

Die Corona-Rückwärts-Prognose: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei” ist

Hinweis: Dieser Text ist frei abdruckbar mit dem Hinweis: www.horx.com und www.zukunftsinstitut.de.

(…)

Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020

(..) Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven.

Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.

Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.

Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit. (….)

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt. (…)

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO&sub2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen. (…)

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt. Aber sie kann sich neu erfinden. (…)

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Zur zitierten möglichen Abwahl von Donald Trump noch ein Hoffnungzeichen:

Zum ersten Mal hat Twitter nach der Änderung seiner Regeln einen Tweet des US-Präsidenten als Manipulation gekennzeichnet:

https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-manipulation-im-weissen-haus-1.4837716

9. März 2020, 19:00 Uhr USA: Manipulation im Weißen Haus

Twitter hat eine Kurznachricht aus dem Weißen Haus als ersten Tweet unter seinem neuen Regelwerk als manipuliert gekennzeichnet. (…)

Alle Beiträge von Clemens Ronnefeldt finden sich in unserem FriedensBlog.