F. Farenski im Dialog mit C. Ronnefeldt über das Buch „Eiszeit“ von Gabriele Krone-Schmalz / Dr. Heribert Prantl: Putin, Europa und der riesige Riss

Do, 11/07/2019 - 13:02 - Clemens Ronnefeldt

Liebe Friedensinteressierte, im Rahmen von Transparenz TV und der Sendereihe „Friedensfragen mit Clemens Ronnefeldt“ sende ich nachfolgend eine Inhaltsangabe und den Link zu folgender Sendung:

Frank Farenski im Gespräch mit Clemens Ronnefeldt über das Buch „Eiszeit“ von Gabriele Krone-Schmalz

Gabriele Krone-Schmalz, die ihre Doktorarbeit über Vorurteile gegenüber Russland in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg geschrieben hat, war lange Jahre für die ARD Korrespondentin in Moskau, seit 2011 Professorin für TV und Journalistik.

Seit der Veröffentlichung ihres Bestsellers „Eiszeit“ wurde sie in zahlreiche Talkshows eingeladen, um ihre Position zu erläutern, warum es wichtig für den Erhalt des Weltfriedens ist, auch in die Schuhe der russischen Seite zu steigen.

Das Buch ist eine Fundgrube historischer Ereignisse und zeichnet detailliert die Hoffnungen nach dem Ende des Kalten Krieges 1989/1990 nach: Den Gedanken an das gemeinsame Haus Europa inclusive Russlands bis hin zu Überlegungen z.B. zur Aufnahme Russlands in die Nato und dem Abschluss der Nato-Russland- Akte.

Als wichtige Schritte der Verschlechterung der Beziehungen zwischen Ost und West benennt sie die Nato-Osterweiterung, die Aufstellung von US-Abfangraketen in Osteuropa, den Kosovo-/Jugoslawienkrieg 1999, den Georgienkrieg 2008 sowie die Grundsatz- Entscheidung der Nato 2008, die Ukraine und Georgien in die Nato aufzunehmen.

Frank Farenski wird zentrale Passagen des Buches vorstellen, die von Clemens Ronnefeldt kommentiert werden. Das Gespräch endet mit konkreten Vorschlägen für eine neue Politik, die auf Entspannung setzt.

Die Sendung ist abrufbar unter: https://youtu.be/sKXp8F0M95U

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Nachfolgend ein Beitrag von Dr. Heribert Prantl vom 2. Juni 2019, den ich für sehr lesens- und unterstützenswert finde:

https://www.sueddeutsche.de/politik/putin-russland-sanktionen-krim-prantls-blick-1.4481781

2. Juni 2019, 13:44 Uhr Prantls Blick - Putin, Europa und der riesige Riss (…)

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Zusammengefasst findet sich sein Beitrag hier:

https://neue-entspannungspolitik.berlin/waere-ein-ende-der-russland-sanktionen-eine-neue-entspannungspolitik/

Abbau von Russland-Sanktionen Beitrag zur neuen Entspannungspolitik ? Nachdem Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ein Ende der Russland-Sanktionen forderte, hat die Diskussion über den Sinn von Sanktionen und Wege zu einer neuen Entspannungspolitik wieder Auftrieb bekommen.

Wir dokumentieren hier drei Stellungnahmen des ehemaligen Mitglieds der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung Heribert Prantl, des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Bundesministers und SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel und des ehemaligen Bundesministers Erhard Eppler.

Heribert Prantl schrieb dazu in seiner „politischen Wochenvorschau“ am 02. Juni 2019 einen ausführlichen Kommentar. Er weist darauf hin, dass die seit fünf Jahren bestehenden und verschärften Sanktionen, mit denen die EU auf die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland reagiert, nicht nur das Verbot von Tourismusdienstleistungen durch EU-Firmen auf der Krim, das Verbot von Immobilienerwerb und Investitionen in Firmen dort und ein Lieferembargo für Waren und Know-How für Verkehr, Telekommunikation, Energie und Rohstoffgewinnung umfassen:

[…] Begleitet wurden und werden diese Sanktionen von der Absage der bilateralen Gipfeltreffen, von der Beendigung des Dialogs. Auch die Treffen des NATO-Russland-Rats, der eigentlich der Verbesserung der Zusammenarbeit dienen sollte, sind seit Jahren ausgesetzt […]

Dabei macht Prantl auch vorsichtig deutlich, dass die deutsche und EU-Außenpolitik gegenüber Russland nicht zuerst von den Interessen wirtschaftlicher Akteure bestimmt werden sollte.

[… ] Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit dieser Reaktionen und die Forderungen nach einem Abbau der Sanktionen wird in den nächsten Wochen und Monaten stärker werden. Aus der deutschen Wirtschaft ist ein solches Begehr nicht neu; die Firmen – zumal aus dem Maschinenbau – sehen und spüren mit Grimm, wie sich Russland ökonomisch verstärkt China zuwendet. Neu ist aber, dass Politiker der Regierungskoalition vehement für einen Sanktionsabbau plädieren. Soeben taten es Michael Kretschmer (CDU), der Ministerpräsident Sachsens, und Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. […]

Prantl weist dazu auf die Stellungnahmen zweier ehemaliger hoher Amtsträger hin:

[…] Wer Sanktionen aufbaut, muss sie auch wieder abbauen Vor einem Jahr hat der frühere Bundesaußenminister Sigmar Gabriel im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung gesagt: „Je älter die Leute in Deutschland sind, desto mehr wünschen sie sich eine Abkehr von den Sanktionen. Das wünsche ich mir auch.“ […]

Dies passe auch

zu der großen Sorge, die Helmut Kohl am Ende seines Lebens umgetrieben hat. Drei Jahre vor seinem Tod stellte der CDU-Staatsmann sein Buch „Aus Sorge um Europa“ auf der Frankfurter Buchmesse vor, es war sein politisches Testament, es war ein letzter Appell: „Im Ergebnis müssen der Westen genauso wie Russland und die Ukraine aufpassen, dass wir nicht alles verspielen, was wir schon einmal erreicht hatten.“

Prantls Fazit im Interesse der europäischen Perspektive:

[…] Moskau gehört zu Europa Es ist ungeheuer viel schiefgelaufen, seitdem Putin am 25. September 2001 seine Rede auf Deutsch im Bundestag gehalten hat. Und es wäre furchtbar, wenn es außer einer scharfen Ping-Pong-Rhetorik keine Gemeinsamkeiten mehr gäbe. Der Riss, der durch das gemeinsame europäische Haus geht, wird so immer größer – er ist so groß, dass das Bewusstsein von einem gemeinsamen europäischen Haus, von einer gemeinsamen Geschichte fast schon wieder verschwunden ist; und an eine gemeinsame Zukunft zu denken, ist schon wieder ein Tabu. Man darf bei aller Bitterkeit über die Annexion der Krim, über diesen eklatanten Völkerrechtsbruch der Putin-Regierung, nicht verdrängen und vergessen, dass Moskau zu Europa gehört. […]

Ein Hinausdrängen Russlands aus dem europäischen Raum ist keine Sanktion, sondern eine Selbstverstümmelung Europas. Es geht also darum, die Sprachlosigkeit wieder zu überwinden. Das ist keine Anbiederung, das ist auch noch keine Annäherung – das ist einfach der Anfang von Politik. Deutschland und die EU sollten dazu die Initiative ergreifen. […]

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Es folgen die ebenfalls lesenswerten Beiträge des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Bundesministers und SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel und des ehemaligen Bundesministers Erhard Eppler, ebenfalls unter:

https://neue-entspannungspolitik.berlin/waere-ein-ende-der-russland-sanktionen-eine-neue-entspannungspolitik/

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Alle Beiträge von Clemens Ronnefeldt finden sich in unserem FriedensBlog.