Interview mit Dr. Ali Fathollah-Nejad zur Innenpolitik Irans / Liste der Ostermarsch-Veranstaltungen 2019 / Peter Buerger: Zivilisatorischer Ernstfall: Menschwerdung

Mi, 17/04/2019 - 21:40 - Clemens Ronnefeldt

Liebe Friedensinteressierte,

Heute, MITTWOCH, 17. April 2019, um 20:30 Uhr,

kommt der 1. Teil meines Transparenz-TV-Interviews zum Thema

„Zur Innenpolitik Irans" - mit Dr. Ali Fathollah-Nejad (1. Teil)

Im ersten Teil des Interviews wird Dr. Ali Fathollah-Nejad zentrale Ereignisse der Geschichte Irans in den letzten Jahrzenten beleuchten - und wie diese bis in die Gegenwart hinein wirken.

Die islamische Republik im Iran steht aktuell innenpolitisch unter großem Druck. Nach dem Atomabkommen erhofften sich dessen Befürworter durch die Aufkündigung von Sanktionen einen wirtschaftlichen Aufschwung, der - verschärft durch die Aufkündigung dieses Abkommens durch US-Präsident Donald Trump und den Abbruch vieler Wirtschaftsbeziehungen - nicht nur ausblieb, sondern das Land in eine schwere Wirtschaftskrise geführt hat.

Rund die Hälfte der Bevölkerung hat Probleme, an genügend sauberes Trinkwasser zu gelangen.

Dr. Ali Fathollah-Nejad, Kenner der innenpolitischen Situation in Iran mit Lehrtätigkeiten in Doha und an der Freien Universität Berlin, wird auch über die Korruption im Land sowie die Menschenrechtslage sprechen sowie die innenpolitische Situation analysieren bezüglich der verschiedenen Kräfte und Strömungen, die sich gegenseitig bekämpfen.

Stream mit Chat: https://youtu.be/mOqAZn1cpsU

Ab 22 Uhr dauerhaft: https://youtu.be/rE5jR4hex-4

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Aufruf zu den Östermärschen und Friedenswegen 2019

Vom 18. bis 22. April 2019 finden bundesweit wieder zahlreiche Ostermärsche und Aktionen statt. Das Netzwerk Friedenskooperative stellt zu den Ostermärschen eine umfangreiche Übersicht zu den Aktionen zur Verfügung. Mit Demonstrationen, Kundgebungen, Fahrradtouren, Wanderungen und Friedensfesten wird auch in diesem Jahr die Friedensbewegung in den Ostermarschaktionen ihre Themen in die Öffentlichkeit bringen.

Alle noch Unentschiedenen möchte ich aufrufen, in diesem wichtigen Jahr 2019 vor den Europawahlen für Frieden und Gerechtigkeit auf die Straße zu gehen.

Alle Termine mit allen Orten, Zeiten und Veranstaltungshinweisen finden sich hier:

https://www.friedenskooperative.de/termine?thema=69&=&termin-von[value][date]=17.03.2019&datum-bis[value][date]=30.04.2019

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Unter der Überschrift: Zivilisatorischer Ernstfall: Menschwerdung

hat Peter Bürger, seit vielen Jahrzehnten in der Friedensbewegung aktiv, einen Essay geschrieben, den ich in voller Länger zur Lektüre empfehlen möchte:

https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/012186.html

Hier einige Auszüge seines Textes vom 9.4.2019:

Hinter der Anmaßung und Überhebung (Hybris) unserer Gattung steckt ein Minderwertigkeitskomplex sondergleichen, der durch die Endlichkeit unseres Daseins die ultimative Bestätigung erfährt. Wenn ich letztlich nur ein "Nichts" bin, das mir nichts dir nichts von der Bildfläche verschwinden kann, muss ich ruhelos danach trachten, "Alles" zu werden, der Mittelpunkt der Welt. Nicht ein freier Entscheid wider das "Gute", sondern die Angst der Nichtigkeit macht den Menschen "böse".

(...)

Das - individuelle wie kollektive - Drama des Menschen besteht darin, dass er der Angst, Ohnmacht und Nichtigkeit durch machtvolle Aufrüstungen, die im Kreis der Säugetiere nur ihm möglich sind, zu entkommen versucht, auf diese Weise aber geradewegs dem Tod in den Rachen läuft.

Der destruktive Zivilisationsprozess, der am Ende die Selbstauslöschung unserer Gattung möglich macht, geht auf Schritt und Tritt einher mit "Aufrüstungen der Angst": An sich "legitime" Bedürfnisse und Vorsorgehandlungen, die wir auch in lebensdienlichen Modellen der Menschheitsgeschichte antreffen, verselbstständigen sich und überschreiten jedes Maß.

(...)

Die - ökonomischen, militärischen und politischen - Götzen und Kulte des Todes sind Erzeugnisse unserer eigenen Aufrüstungen wider die Angst, auch wenn sie uns wie etwas "Allmächtiges" gegenüberstehen. Die aufklärerische Botschaft lautet: Wir haben es bei den Komplexen, die die Weltgesellschaft scheinbar handlungsunfähig machen, nicht mit außerirdischen Dämonen oder ewigen Naturtatsachen zu tun, sondern "nur" mit etwas Menschengemachte.

Die emotional-energetische Seite besteht darin, dass lustvolle Verlästerungen und vor allem Liebeserklärungen an das Leben einen wichtigen Beitrag leisten, um die todbringenden Götzen vom Thron zu stürzen. Der linke Musiker "Klaus der Geiger", der beides meisterhaft betreibt, überwindet auf der Bühne die Schwerkraft, wenn er singt: "Das Leben ist schön! Hat man je was Schöneres gesehn?"

(...)

Dass Individuen unter bestimmten Bedingungen lernfähig sind, wissen wir. Doch die Zeit drängt und die Überwindung der - gierig machenden - Angst betrifft nicht nur das Lebensglück von Individuen, sondern das Geschick der ganzen menschlichen Gattung. Wir können nicht auf therapeutische Einzelbegleitung und biographische Wandlungen von Milliarden einzelnen Menschen warten. Nur im Zusammenhang mit einem sozialen, kulturellen, ja zivilisatorischen Geschehen wird es möglich sein, dem Rad in die Speichen zu fallen. Nichts weniger als eine menschheitliche Revolte tut Not.

(...)

Den Fatalisten, Machtpragmatikern und ignoranten Langeweilern das Ruder aus der Hand zu nehmen, das wird freilich nur durch einen intelligenten, also gewaltfreien Widerstand mit langem Atem gelingen. Wir leben in einer spannenden Zeit. Die Menschwerdung steht noch aus. Sie vollzieht sich erst da, wo unsere Gattung davon ablassen kann, das Kriegshandwerk des Tötens auszuüben und die Erde zu zerstören.

Alle Beiträge von Clemens Ronnefeldt finden sich in unserem FriedensBlog.