Pazifismus – Leben und Handeln ohne Gewalt

Mi, 20/06/2018 - 05:31 - Ullrich Hahn

Thesen im Rahmen eines Workshops beim 60jährigen Jubiläum der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ 2018

1. Der Begriff „Pazifismus“ ist im alltäglichen Sprachgebrauch nicht eindeutig. Für uns bedeutet er zunächst die unbedingte Ablehnung aller militärischen Gewalt, darüber hinaus aber auch jeglicher Gewalt, die menschliches Leben verletzt und unterdrückt.
Für uns als Christen ist diese Haltung in der Bergpredigt präsent und gleichzeitig vernünftig.
Eine Religiosität, die keine Entsprechung in der menschlichen Realität hat und von dort auch begründet werden kann, bliebe Opium fürs Volk.

2. Gewalt ist uns Menschen nicht fremd. Wir besitzen i.d.R. die körperliche und auch geistige Fähigkeit, Gewalt auszuüben und/oder -was schlimmer ist- Gewalt zu legitimieren.
Der Verzicht auf Gewalt liegt deshalb nicht in unserer Natur, sondern bedarf einer bewussten Entscheidung.
Die mit den Gewaltmitteln verbundenen Möglichkeiten, den eigenen Willen durchzusetzen, bedeuten eine dauerhafte Versuchung, mit der sich -im großen Maßstab- jede Generation neu auseinandersetzen muss. Es gibt keine Abrüstung „ein für alle Mal“.

3. Gewaltverzicht setzt Kritik an der Logik der Gewalt voraus:
a. Gewalt verletzt Körper und Seele, zunächst bei den Personen, die sie trifft, dann aber auch bei denen, die Gewalt ausüben.
b. Beim Einsatz von Gewaltmitteln setzt sich jeweils der Stärkere durch, nicht die Moral. Der Erfolgt gibt nicht recht.
c. Gewalt ist dominant. Der Besitz von Waffen prägt das Denken des Waffenträgers und des Politikers, der sich im Besitz einer bewaffneten Macht weiß, schon lange vor ihrem Einsatz („und bist du nicht willig, gebrauch ich Gewalt“).
d. Jede „erfolgreiche“ bewaffnete Intervention trägt mit sich zwei Botschaften: „Aufrüstung lohnt sich“ und „anders wäre es nicht gegangen“.
Beides trägt zur beherrschenden Religion unserer Zeit bei: dem Glauben an die erlösende Kraft der Gewalt (Walter Wink).

4. Für den Pazifismus ist auch das erfolgreiche Militär kein gutes Militär und entsprechend gibt es auch beim Export von Kriegsgerät keine vertrauenswürdigen Empfänger. Die einzig guten Hände für Waffen sind die des Schrotthändlers (Schwerter zu Pflugscharen).
5. Für die gegenwärtigen Weltprobleme sind die Herstellung und der Besitz von Waffen nicht nur nutzlos, sondern unverantwortlich (siehe die To-do-Liste der Nachhaltigkeitskriterien der UN).
Verantwortlich sind wir zuerst für die Folgen des eigenen Tuns (die Zerstörung der Lebensgrundlagen, die Folgen ungerechter Wirtschaft und des übermäßigen Verbrauchs der Ressourcen), nicht für angeblich weltpolizeiliche Aufgaben.

6. Waffen bieten nur eine trügerische Sicherheit.
Für viele Hilfsorganisationen liegen die Gefahren beim Einsatz in Kriegsgebieten nicht im Fehlen von militärischem Schutz, sondern bei seiner oft aufgedrängten Nähe, die das notwendige Vertrauen in die Neutralität und Uneigennützigkeit der Hilfe untergräbt.

7. Gewaltverzicht allein löst noch nicht die drängenden Probleme dieser Welt, aber er eröffnet realistische Wege zu diesem Ziel, Wege die nicht über Leichen gehen.

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