R. Fisk: Gab es einen Gasangriff in Duma? / Syrien - In Israel waechst die Angst vor Assads iranischen Verbündeten / Wie die EU den Atomdeal vor Trump schützen will / M. Lueders-Interview

Liebe Friedensinteressierte,

Robert Fisk, britischer Nahostkorrespondent des Independent, war vor Ort in Douma und interviewte Menschen nach dem jüngsten vermeintlichen Giftgasangriff. Seine Reportage findet sich auf den Nachdenkseiten.

https://www.nachdenkseiten.de/?p=43542#more-43542

17. April 2018 um 11:34 Uhr | Verantwortlich: Redaktion

Gab es einen Gasangriff in Duma? - Eine Reporterlegende hat da Zweifel

Jens Berger hat für die NachDenkSeiten eine gestern Abend veröffentlichte Reportage von Robert Fisk aus dem Englischen übertragen. Beachten Sie dabei bitte, dass auch Fisk sich nicht vollkommen sicher ist und diese Variante auch nur eine mögliche Version der Geschehnisse schildert. Wichtig ist jedoch, dass Fisk mit der Interpretation aufräumt, die auch die Bundesregierung übernommen hat, und nach der es keine Zweifel gibt. Denn Zweifel gibt es … und zwar begründete. (…)

Anmerkung von C. Ronnefeldt: Robert Fisk berichtet in „Ich-Form“:

Ich kam als Teil eines begleiteten Konvois von Journalisten nach Duma. (…)

Es war ein kurzer Spaziergang zu Dr. Rahaibani. Hinter der Tür zu seiner unterirdischen Klinik – “Punkt 200” heißt sie in der seltsamen Geologie dieser teilweise unterirdischen Stadt – führt ein Korridor bergab, wo er mir sein niedriges Krankenhaus und die wenigen Betten zeigt, in denen ein kleines Mädchen weint, als Krankenschwestern einen Schnitt über ihrem Auge behandelten.

“Ich war in der Nacht mit meiner Familie im Keller meines Hauses dreihundert Meter von hier. Aber alle Ärzte wissen, was passiert ist. Es gab eine Menge Beschuss [von Regierungstruppen] und Flugzeuge kreisten die ganze Nacht über Duma – aber in dieser Nacht gab es Wind und riesige Staubwolken kamen in die Keller und Keller, in denen die Menschen lebten. Die Menschen, die hier her kamen litten unter Hypoxie, Sauerstoffmangel. Dann rief jemand an der Tür, ein „Weißhelm“, „Gas!“, Und die Panik begann. Leute fingen an, Wasser übereinander zu werfen. Ja, das Video wurde hier gedreht, es ist echt, aber was Sie sehen, sind Menschen, die an Hypoxie leiden – keine Gasvergiftung. ” (…)

————

In der Region droht eine neue direkte militärische Konfrontation zwischen Israel und Iran:

http://www.sueddeutsche.de/politik/syrien-in-israel-waechst-die-angst-vor-assads-iranischen-verbuendeten-1.3946312

17. April 2018, 11:08 Uhr Syrien

In Israel wächst die Angst vor Assads iranischen Verbündeten

- Israel fürchtet die dauerhafte Präsenz iranischer Soldaten in Syrien.

- Premier Benjamin Netanjahu hatte US-Präsident Trump empfohlen, bei dem in Verbindung mit dem Einsatz von Chemiewaffen verübten Militärschlag am vergangenen Wochenende auch iranische Stellungen anzugreifen; der Appell blieb unerhört.

-In Israel mehren sich die Stimmen, die die bisherige Strategie der Regierung, den Einfluss Irans in Syrien einzudämmen, für nicht ausreichend halten.

Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv, und Paul-Anton Krüger, Kairo

(…) Vergeblich hatte Premier Benjamin Netanjahu seinem Freund Donald Trump in den USA empfohlen, auch iranische Stellungen ins Visier zu nehmen. Kurz vor den Angriffen in Syrien war Israel noch mit der bis dahin zurückgehaltenen Meldung an die Öffentlichkeit gegangen, dass eine bereits am 10. Februar über Israel abgeschossene iranische Drohne mit Sprengstoff bestückt war. Aus israelischer Sicht war dies das erste Mal, dass Iran direkt in Israel agierte und nicht etwa die Hisbollah aus Libanon vorschickte.

Auch Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah tönte bereits, Israel stehe "direkt im Kampf mit Iran". Das war nach einem Luftangriff der Israelis auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt T-4 am 9. April, für den Russland Israel entgegen den üblichen Gepflogenheiten öffentlich verantwortlich gemacht hat. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim, die als Sprachrohr der iranischen Revolutionsgarden gilt, wurden dabei sieben Iraner getötet. Ein hochrangiger israelischer Militärvertreter sagte der New York Times, neben militärischen Einrichtungen seien tatsächlich die Iraner das Ziel gewesen.

(…) Viele israelische Experten halten die bisherige Strategie der Regierung für nicht ausreichend, mit Luftschlägen Irans wachsenden Einfluss in Syrien einzudämmen. Einige sprechen bereits offen von einem baldigen neuen Krieg, wie der frühere Sicherheitsberater Yaakov Amidror. Der Ex-General hält einen Krieg gegen die Hisbollah für unvermeidlich, es müssten sogar wieder Bodentruppen in den Süden Libanons geschickt werden.

Einen Schritt weiter geht sein Kollege Chuck Freilich. Die Armee müsse sicherstellen, dass sich Iran nicht an Israels Grenzen festsetzen könne mit Stützpunkten für die Luftwaffe, Bodentruppen und Schiffen - und wenn der Preis ein Krieg gegen Syrien sei. Auch Luftschläge in Iran sollte Israel nicht ausschließen. (…)

—————

John Bolton und Mike Pompeo werden in wenigen Wochen versuchen, das Iran-Atomabkommen zu Fall zu bringen.

Es wäre eine zentrale Aufgabe europäischer Politik, jetzt Vorkehrungen zu dessen Erhalt zu treffen, zu dem sich noch im Januar 2018 die EU bekannt hat:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-eu-will-atomabkommen-vor-donald-trump-retten-a-1187270.html

Abkommen mit Iran

Wie die EU den Atomdeal vor Trump schützen will

Die EU will den Iran-Atomdeal erhalten, auch gegen den Widerstand der USA. (…)

----------

In dem nachfolgenden 28-Minuten-Interview zeigt Dr. Michael Lüders wesentliche Punkte bezüglich des Krieges in Syrien auf:

https://www.srf.ch/sendungen/tagesgespraech/eine-diplomatische-loesung-fuer-syrien

Eine diplomatische Lösung für Syrien?

Montag, 16. April 2018, 13:00 Uhr

Mehr als sieben Jahre Krieg. Eine halbe Million Tote, 11 Millionen Vertriebene, gut die Hälfte davon in Syrien, die andere Hälfte im Ausland. Und niemand hat diese humanitäre Katastrophe verhindert.

Die Auswirkungen dieses Krieges sind jeden Tag auch ausserhalb Syriens spürbar, in Europa, im Libanon, in Jordanien oder in der Türkei, wo am meisten Flüchtlinge aus Syrien leben. Was ändert der Militärschlag vom Wochenende an der Situation? Ist die Gefahr eines weiteren Chemiewaffeneinsatzes gebannt? Oder gibt es jetzt doch eine Lösung auf diplomatischen Wegen? Michael Lüders hat Antworten.

Der Islamwissenschaftler und Autor äussert sich immer wieder zu politischen Fragen, er berät u.a. das deutsche Auswärtige Amt und als Mitinhaber der Middle East Consulting Group auch deutsche Firmen, die im Nahen Osten geschäften wollen.

Alle Beiträge von Clemens Ronnefeldt finden sich in unserem FriedensBlog.