Leserbrief Matthias Engelke zur Forderung von Berthold Kohler, F.A.Z.-Herausgeber, nach deutschen Atomwaffen

Unser Mitglied und ehemaliger Vorsitzender Matthias Engelke hat einen sehr fundiertenLeserbrief zur Forderung des FAZ-HerausgebersKohler bezüglich seiner Forderung nach deutschen Atomwaffen geschrieben. Wir dokumentieren ihn im vollen Umfang:

LESERBRIEF von Pfarrer Dr. Matthias W. Engelke zur Forderung von Berthold Kohler, F.A.Z.-Herausgeber, nach deutschen Atomwaffen :

http://www.faz.net/aktuell/politik/wahl-in-amerika/nach-donald-trump-sieg-deutschland-muss-aussenpolitik-aendern-14547858.html

Wenn das die Gestalt des Konservativismus in der drohenden Trump-Ära sein soll, dann ist er auf dem besten Wege nicht nur sich selbst zu zerstören, sondern auch die Bundesrepublik gleich mit:

  • Es wird der Rechtsbruch befürwortet. Deutschland hat den Nichtverbreitungsvertrag unterschrieben und sich verpflichtet keine Atomwaffen zu besitzen. Die nukleare Teilhabe wird jetzt schon rechtlich so legitimiert, dass am Ende die Soldaten im Einsatz alle Verantwortung tragen. Es ist eine gerade für eine Armee unredliche Konstruktion. Diese Äußerung des Mitherausgebers der FAZ müsste von Amts wegen den Generalbundesanwalt interessieren. Man stelle sich vor, es würde jemand öffentlich dazu aufrufen, man sollte sich darüber Gedanken machen, Deutschland solle sich Vorräte an B- und C-Waffen anlegen. Massenvernichtungswaffen, nicht anders als Atomwaffen.
  • Es wird die Wiedervereinigung gefährdet. Das Ansinnen steht dem 2+4-Vertrag diametral dagegen. Dass in Rheinland-Pfalz immer noch amerikanische Atombomben lagern obwohl die Sowjetunion ihre seinerzeit aus den neuen Bundesländern, der damaligen DDR, abgezogen hat ist jetzt schon ein Skandel.
  • Es wird der Artikel 1 unseres Grundgesetzes verhöhnt: Die Würde der Menschen wird bei denen angetastet, die mit den Atombomben zu tun haben, die ihren Einsatz planen und ausführen und erst recht bei denen, die zu ihren Opfern werden sollen.
  • Es wird mit allen drei Artikeln des christlich-apostolischen Glaubensbekenntnisses Schindluder getrieben: Die Atombombe gefährdet die gesamte Schöpfung, die Drohung mit ihr und ihre Anwendung leugnet die Versöhnung Christi und spricht dem Heiligen Geist, der ein Geist der Vergebung ist, Hohn.

Wenn der Konservativismus angetreten ist, einen Beitrag dafür zu leisten, die Welt nicht nur zu bebauen sondern auch zu bewahren, dann ist das, was dieser Artikel ankündigt jenseits von Beidem: Da wird Skrupellosigkeit bebaut und Unmenschlichkeit bewahrt.

Die Frage ist: Nach meinen Erfahrungen als Militärpfarrer bei der Bundeswehr finden solche Vorstöße selten ohne gründliche Vorbereitung statt. In welchen Kreisen wurde dieses ausgeheckt? Nach meiner Vermutung: Clausewitz-Gesellschaft? Soll mit der Rühe'schen Salamitaktik die Öffentlichkeit erst entsetzt und dann langsam gar gekocht werden, damit alte deutsche Großmachtträume endlich wieder wahr werden? Ich glaube, dass sich Herr Kohler über die Widerstandskraft der bundesrepublikansichen Zivilsgesellschaft gehörig täuscht.

Pfarrer Dr. Matthias-W. Engelke 2010-2016 Vorsitzender des Internationalen Versöhnungsbunds, Deutscher Zweig

Steyl, den 29.11.2016

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