Zu Aleppo und Mossul: Daniela Dahn: "Die Guten und die Boesen" / Botschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag am 1.1.2017: "Gewaltfreiheit - Stil einer Politik fuer den Frieden"

Liebe Friedensinteressierte,

der nachfolgende Essay von Daniela Dahn aus der Wochenzeitung „Der Freitag“ steht „quer“ zu den allermeisten Kommentaren und Artikeln der letzten Tage über die Situation in Aleppo. Er legt den Finger in die Wunde doppelter ethischer Standards bei der Bericht- erstattung über die Bombardierungen in Aleppo und Mossul.

Zum Weltfriedenstag am 1.1.2017 hat Papst Franziskus einen bemerkenswerten Text mit dem Titel "Gewaltfreiheit - Stil einer Politik fuer den Frieden“ verfasst.

Ich lege zwei zusammenfassende Pressemeldungen sowie den Text im Original am Ende dieser e-mail bei.

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Der Freitag Ausgabe 4816 11.12.2016

Daniela Dahn Die Guten und die Bösen Märchen Eine einseitig ausgerichtete Presse prägt die Deutung der Schlachten von Aleppo und Mossul: ein Essay von Daniela Dahn

Es war einmal ein militärischer Angriff auf eine islamische Al-Qaida-Hochburg, der war von Anfang an verwerflich, ja ein Kriegsverbrechen. Einfach weil die Muschiks, die russischen Soldaten, machen konnten, was sie wollten, es kam immer ein abscheuliches Verbrechen heraus. In diesem Fall Aleppo, das nun in Assads Hände zu fallen droht. Es war ein Kampf gegen Aufständische mit Anstand, die mit westlichen Waffen wacker gegen den Despoten kämpfen, der unsere Absichten stört. Sicher, auch sie sind Islamisten, die ein Kalifat anstreben, aber ein demokratisches. Es sind nämlich unsere Islamisten. Die wir jederzeit fallen lassen können, wenn sie tatsächlich für ihre Interessen kämpfen und nicht für unsere. Zeugen zum Treiben dieser Glaubensbrüder waren bedauerlicherweise unauffindbar. Diktator Assad und die Russen führen gegen sie dennoch keinen der humanitären Kriege, wie bei uns üblich, sondern einen Krieg ohne Erbarmen. Mit verbrecherischen Bomben.

Es war auch einmal ein militärischer Angriff auf eine IS-Hochburg, der war von Anfang an rechtschaffen, ja eine heldenhafte Großoffensive. Mit humanitären Bomben, deren gezielter Tod nicht so qualvoll ist. Eine echte Alternative zum IS-Alltagsterror im irakischen Mossul. Um diese Einsicht zu befördern, kann man dessen unbezweifelbaren Schrecken nicht anschaulich genug schildern. Reporter konnten sich, im Gegensatz zu Aleppo, auf geflüchtete Augenzeugen berufen, um unsere berechtigte Wut wachzuhalten: brutale Hinrichtungen, Frauen, selbst hochschwangere, werden gefoltert, sie müssen nicht nur Vollschleier, sondern auch Handschuhe tragen. Kinder dürfen nicht mal Ball spielen und erzählen von abgehackten Händen.

Weiterlesen unter: https://www.freitag.de/autoren/daniela-dahn/die-guten-und-die-boesen

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Papst Franziskus hat zum Weltfriedenstag am 1.1.2017 einen bemerkenswerten Text verfasst mit dem Titel: "Gewaltfreiheit: Stil einer Politik für den Frieden“:

http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/politik/sn/artikel/papst-ruft-zum-weltfriedenstag-zu-gewaltfreiheit-auf-225948/

Salzburger Nachrichten

12.12.2016

Welt | Politik Papst ruft zum Weltfriedenstag zu Gewaltfreiheit auf

Der Vatikan hat am Montag die Botschaft des Papstes zum nächsten Weltfriedenstag vorgestellt. Das Schreiben mit dem Titel "Gewaltfreiheit - Stil einer Politik für den Frieden" befasst sich mit den Erscheinungsformen der Gewalt in der Welt. Dabei beklagt Franziskus den "schrecklichen stückweisen Weltkrieg".

Gewalt münde in Unterdrückung und neue Gewaltspiralen. "Die Gewalt ist nicht die heilende Behandlung für unsere zerbröckelte Welt. Schlimmstenfalls kann sie zum physischen und psychischen Tod vieler, wenn nicht sogar aller führen", heißt es in der Papst-Botschaft zur 50. Auflage des Weltfriedenstages am 1. Jänner 2017.

Die "christliche Revolution" bestehe gerade darin, der Gewalt und Ungerechtigkeit eine "radikal positive Antwort" entgegenzusetzen. (…)

Gewaltfreiheit als Haltung bedeute auch eine Absage an die Logik der Rache und Vergeltung. "Wenn die Opfer von Gewalt der Versuchung der Rache zu widerstehen wissen, können sie die glaubhaftesten Leitfiguren in gewaltfreien Aufbauprozessen des Friedens sein", betont der Pontifex.

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Bereits im Sommer 2016 war diese Vorankündigung auf den Text veröffentlicht worden:

https://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2016-08-26/papst-mahnt-zu-gewaltfreiheit-als-methode-der-politik

Domradio Köln

26.08.2016 Papst mahnt zu Gewaltfreiheit als Methode der Politik Appell zum kommenden Weltfriedenstag

Papst Franziskus will mit dem kommenden Weltfriedenstag zu Gewaltfreiheit als Mittel der Politik aufrufen. Das Motto des katholischen Gedenktages, der am 1. Januar 2017 begangen wird, lautet "Gewaltfreiheit - Stil einer Politik für den Frieden"

Das teilte der Vatikan mit. Zur Begründung hieß es, die immer zahlreicheren Konfliktherde weltweit hätten schwerwiegende soziale Folgen; daher sei jede noch so schwierig scheinende Möglichkeit auszuschöpfen, um Auseinandersetzungen gewaltfrei zu beenden.

Der Weltfriedenstag wird am 1. Januar zum 50. Mal begangen. Zu dem Anlass sendet der Papst traditionell an die Regierungen weltweit eine Botschaft, die auch die diplomatische Linie des Heiligen Stuhls für das neue Jahr aufzeigt.

"Dritter Weltkrieg auf Raten"

Papst Franziskus hatte mit Blick auf Konflikte und soziale Ungerechtigkeit wiederholt von einem "Dritten Weltkrieg auf Raten" gesprochen. Diesen Ausdruck nimmt auch die Ankündigung des Mottos für den nächsten Weltfriedenstag auf. Gewaltfreiheit müsse als realpolitische Methode zur Konfliktlösung begriffen werden. Wichtig sei, dass immer mehr "nicht das Recht der Stärke, sondern die Stärke des Rechts“ anerkannt werde.

Nach dem Willen des Papstes sollen Verhandlungslösungen und der Vorrang der Diplomatie gestärkt werden. Dazu gehöre auch der "Respekt vor der Kultur und der Identität der Völker" und der Verzicht auf Überlegenheitsdenken. Ein weiterer Aspekt ist aus Sicht von Franziskus der illegale Waffenhandel. Dessen Umfang werde gemeinhin unterschätzt und trage beträchtlich zu Konflikten weltweit bei. (KNA)

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Anmerkung von C. Ronnefeldt: Nich nur der illegale, sondern auch der legale Waffenhandel trägt ebenso erheblich zu Konflikten und Kriegen weltweit bei.

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Hier der gesamte Text in deutscher Übersetzung im Wortlaut:

http://de.radiovaticana.va/news/2016/12/12/papst_gewaltfreiheit_-_stil_einer_politik_f%C3%BCr_den_frieden/1278365

in englischer Sprache:

https://nonviolencejustpeace.net/world-day-of-peace-2017/

Alle Beiträge von Clemens Ronnefeldt finden sich in unserem FriedensBlog.