Zur geplanten Fusion von Monsanto und Bayer

Liebe Friedensinteressierte,

bei der Fusion von Monsanto und Bayer geht es um mehr als den Zusammenschluss zweier Firmen, es geht um Weltpolitik:

„Um drei Milliarden Menschen mehr zu ernähren, müssten die Erträge um 60 Prozent gesteigert werden, behauptete Jim Blome, Chef der US-Sparte von Bayer Crop Science“. (Süddeutsche Zeitung, 22.9.2016, S. 22).

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/uebernahme-zweifel-an-den-traumpaaren-1.3172479

Am 21.9.2016 berichtete die Süddeutsche Zeitung unter der Überschrift: „Die wahren Strippenzieher“:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/monsanto-und-bayer-bei-bayer-und-monsanto-reden-auf-beiden-seiten-dieselben-investoren-mit-1.3170377

"(…) Mit dem Chemie- und Pharmakonzern aus Leverkusen und dem amerikanischen Saatgut-Spezialisten gehen Unternehmen zusammen, die nur auf den ersten Blick selbständig sind. In Wirklichkeit gehören sie schon jetzt weitgehend denselben Finanzinvestoren. (…) Blackrock ist mit einem Anteil von sieben Prozent der größte Aktionär bei Bayer und mit 5,75 Prozent die Nummer zwei bei Monsanto. Vanguard ist der größte Aktionär bei Monsanto - und die Nummer vier bei Bayer. Die Capital Group steht bei beiden an dritter Stelle.“

Die SZ zitiert den Fondsmanager Dirk Müller:

„Tatsächlich seien die Vorstände nichts anderes als die bestbezahlten Mitarbeiter, die Entscheider seien Aktionäre wie Blackrock. ‚Man kann sagen, eigentlich verhandeln die Aktionäre auf beiden Seiten, die Eigentümer auf beiden Seiten, mit sich selbst’.“

Unter der Überschrift „Zahltag in Leverkusen" erschien auf der gleichen SZ-Seite (21) am 21.9.2016:

„Die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto durch den Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer ist nicht nur die größte Übernahme, die ein deutsches Unternehmen jemals gestemmt hat, sondern auch ein Fest für die beratenden Banken. Insgesamt dürften die beteiligten Wall-Street-Häuser rund 700 Millionen Dollar (630 Millionen Euro) für Beratungs- gebühren und Zinsen einstreichen, hat das Analysehaus Freeman und Co ermittelt. (…)

"Gebraucht werden die Banken aber für die Finanzierung: Im Falle von Bayer und Monsanto geht es um ein Brücken- Darlehen von 57 Milliarden Dollar (51 Milliarden Euro), das sich fünf Institute - Bank of America, Credit Suisse, Goldman Sachs, HSBC und JP Morgan - teilen. Zusammen dürften sie mehrere hundert Millionen Dollar einnehmen. Allein dafür, dass sie das Darlehen versprechen, kassieren die Banken bereits Gebühren.“ (…)

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanzierung-zahltag-in-leverkusen-1.3170379

Am 22.9.2016, S. 21, berichtete die Süddeutsche unter „Zweifel an den Traumpaaren“ über die Fusion:

„ (…) Die Anhänger, das zeigt sich schnell, sind rar gesät. Sie finden sich nur in den Reihen der Union. (…) Denn SPD, Grüne und Linkspartei sehen vor allem Gefahren der Fusion. ‚Die Verlierer werden die Landwirte sein‘, sagt die Grünen-Wirtschaftspolitikerin Katharina Dröge“. Mit der Marktmacht werde auch der politische Einfluss des neuen Konzerns steigen. ‚Die Kartellbehörden müssten sehr genau hinsehen’. Ähnlich die SPD-Abgeordnete Elvira Drobinski- Weiß: ‚Eine solche Marktmacht können wir im Nachhinein nicht mehr begrenzen’, warnte sie. (…) Die Bauern stünden unter enormen finanziellen Druck, beklagte Grassley (US-Farmer, Mitglied im US-Senat, Anm.: C.R.). Die Kosten für Saatgut, Pflanzenschutz und Dünger insgesamt hätten sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt“. (…)

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Es ist zu hoffen, dass Kartellbehörden doch noch die Notbremse ziehen, bevor es - wieder einmal - zu spät ist.

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