Ride for Peace – Abschlussbericht

Do, 18/09/2014 - 20:31 - Samya

Vom 19.7. bis zum 31.7. fand die Friedensfahrradtour „Ride for Peace“ des deutschen Zweiges des Internationalen Versöhnungsbundes (VB) statt. Sie wurde vom Jugendrat des VBs organisiert eigenständig organisiert. Anlässlich des 100 Jährigen Jubiläum des Internationalen Versöhnungsbundes führte die Strecke von Köln nach Konstanz.

Ziel der Friedensfahrradtour war auf der einen Seite durch Aktionen und Begegnungen klare Zeichen für Frieden und Gerechtigkeit und gegen Gewalt, Waffen und Krieg zu setzen. Auf der anderen Seite sollten sich die Teilnehmenden intensiv sowohl theoretisch als auch praktisch mit dem Thema auseinander setzen und Möglichkeiten kennen lernen selbst aktiv zu werden.

Teilnehmer:

Durch das Angebot auch nur Teile der Strecke mitzufahren, schwankte die Teilnehmerzahl zwischen 12 und 19 Personen, je nach Strecke. Insgesamt nahmen 23 Personen teil. Davon waren 13 Weiblich und 10 männlich.
Das Alter war gemischt. Der Großteil (12 Teilnehmende) war zwischen 19 und 25 Jahre alt. Drei weitere unter 31. Die jüngste Teilnehmerin war 10 Jahre alt, die beiden Ältesten waren etwas über 70.

Vorbereitung:

Die Friedensradtour wurde von dem Jugendrat eigenständig geplant und organisiert. Der sechsköpfige Jugendrat wurde in seiner Arbeit jedoch von der Geschäftsstelle des VBs, sowie von Mitgliedern unterstützt.

Die gezielten Vorbereitungen starteten im Sommer 2013. Das Organisationsteam traf sich insgesamt viermal persönlich, um die gemeinsame Arbeit zu koordinieren und die Planung zu konkretisieren. Zusätzlich wurden diverse Telefonkonferenzen, sowie Mailkontakt zur Abstimmung genutzt. Eine eigene E-Mail Adresse für die Projekt Friedensradtour, sowie Internationales Jugendcamp, wurde ebenfalls eingerichtet, um die Kommunikation nach außen, sowie später mit den Teilnehmenden zu vereinfachen.

Um Teilnehmer zu gewinnen wurde im Frühjahr 2014 ein Flyer erstellt. Dieser wurde an verschiedenen Universitäten verteilt, bei Kirchentagen ausgelegt und an diverse Verteiler geschickt. Außerdem wurde im Rundbrief des Versöhnungsbundes für die Aktion geworben. Um vorallem junge Menschen zu erreichen wurde weiterhin ein Facebook-Event erstellt, um über die Radtour zu infomieren. Über diese Plattform waren schließlich über 580 Menschen zur Teilnahme an der Radtour eingeladen.

Aktionen

Während der zweiwöchigen Radtour wurde ein ausgewogenes Programm aus inhaltlichem Input zum Beispiel über Vorträge, Begegnungen mit Friedensengagierten Menschen, sowie direkten gewaltfreien Aktionen geboten (detaillierter Programmablauf siehe unten)


Vorträge

Während der Radtour fanden drei Voträge statt.

Der erste wurde am 21.7. in Boppard vom Friedensreferenten des Versöhnungsbundes Clemens Ronnefeldt zum Thema Syrien und der Nahe Osten gehalten. Aufgrund der aktuellen Brisanz, wurde dabei auch ein besonderer Schwerpunkt auf die Situation in Israel Palästina gelegt.
Zur Vorbereitung auf die Protestaktion vor dem Waffenhersteller Heckler und Koch am 28.7. hörten wir am Abend zuvor in Schiltach einen Vortrag von Ernst-Ludwig Iskenius zum Thema Waffenhandel mit dem Schwerpunkt Klein Waffen und die verheerenden Folgen deutscher Waffen in der Welt.
Den dritten Vortrag hielt der Präsident des Versöhnungsbundes Ullrich Hahn am 29.7., in Donau-Eschingen einen Vortrag über die Geschichte und die Arbeit des Versöhnungsbundes.
Alle Vorträge stießen auf großes Interesse, so dass trotz anstrengender Etappen am Tag und teils recht später Stunde den Referenten noch viele Fragen gestellt wurden und die Themen diskutiert wurden.

Aktionen

Auftaktfest in Köln
Die Radtour begann mit einem bunten Auftaktfest im Hiroshima-Nagasaki Park in Köln. Für Musik sorgten eine Band und zwei Singer/Songwriterinnen, die für eine Spendensammlung unter den Zuschauern auftraten. Außerdem boten wir Essen gegen Spenden und informierten durch kurze Reden und einen Infostand über den Versöhnungsbund, sowie die Radtour an sich.
 

Aktionen vor Waffenproduzenten

Sowohl in Mainz als auch in Oberndorf protestierten wir gegen die dortige Waffenindustrie. In Mainz hielten wir eine Mahnwache mit Plakaten, Friedensliedern und Taizee Gebet vor einem Verwaltungsgebäude von Krauss-Maiffai Wegemann ab. Dabei kamen wir mit vielen Menschen in Kontakt die in anliegenden Gebäuden arbeiteten. Die Resonanz war sehr unterschiedlich. Vielen waren interessiert, während andere uns ignorierten.
Diese Aktion hat viele auf den Standtort von Krauss-Mafai Wegemann in Mainz überhaupt erst aufmerksam gemacht. Leider konnten wir keine Presse für einen Bericht gewinnen.
Auch vor Heckler- und Koch, dem großen deutschen Kleinwaffenproduzenten, fand ein friedlicher und kreativer Protest statt. Gemeinsam mit den Friedensbewegten vor Ort und einer internationalen Gruppe Jugendlicher, die an einem zeitgleich stattfindenen Friedenstheater Workcamp des ICJA Freiwilligenaustausch Weltweit e.V. teilnahmen, mahnten wir vor den Toren der Firma in Oberndorf, die tödlichen Folgen der Waffenproduktion an. Auch wurde der Protest durch Musik und mehrere Reden begleitet. Des weiteren ließen wir Luftballons mit Botschaften und Wünschen steigen. Diese Botschaften sollten nicht nur mahnen, sondern auch in Form von Wünschen für eine zivile Produktion Alternativen aufzeigen.
Leider konnten bedingt durch das Wetter und die recht abgeschieden liegende Produktionsstätte, kaum Laufpubilikum angesprochen werden. Wir hoffen aber, dass die Luftballons viele Menschen erreicht haben.

Begegnungen:

Unterwegs sind wie vielen Menschen und Organisationen begegnet, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. So zum Beispiel dem Bündnis für Frieden und Demokratie, dass uns einlud in Remagen zu übernachten und von ihrer Arbeit berichtete. Weitere Organisationen waren Fazenda da Esperanza, die sich für die Rehabilitation von Drogensüchtigen einsetzt und der Austausch Organisation ICJA freiwilligenaustausch weltweit e.v. In Oberndorf trafen wir weiterhin Ullrich Pfaff, der zusammen mit seiner Frau ein privates Mahnmal gegen Krieg und Zwangsarbeit in seinem Garten stehen hat und deswegen mit vielen Anfeindungen leben muss.
Durch den Kontakt mit der Organisation Mayors for Peace wurden wir außerdem in Mainz von Bürgermeister Günter Beck und in Karlsruhe vom Rathaus empfangen. Wir nahmen in beiden Städten einen von Oberbürgermeister und Bürgermeister unterschriebenen offenen Brief an die Bundeskanzlerin in Empfang, in dem eine klare Position gegen die letzten in Deutschland verbliebenen Atomwaffen gefordert wird. Dieser Brief soll noch von allen anderen Mayor for Peace unterschrieben werden, bevor er an die Bundeskanzlerin geht.

Öffentlichkeitsarbeit / Resonanz auf das Projekt

Während der zweiwöchigen Radtour entstand ein Internetblog (ride4peace@blogspot.de), auf dem mit Unterstützung der Teilnehmenden zu jedem Tag ein Bericht verfasst wurde.
In der Presse erschienen Artikel in der „Allgemeinen Zeitung“ Mainz am 29.7. 2014, sowie in den „Badischen Neueste Nachrichten“ am 26.7.2014. Außerdem berichteten die Internetseiten blickaktuell.de sowie r-mediabase.eu und Aktion Aufschrei

Im Oktober und November werden zudem vier Interviews mit Radtourteilnehmenden in der Sonntagmorgen Sendung „Big Spirit“ bei dem Radiosender „Big FM“ gesendet.

 

http://www.blick-aktuell.de/Politik/Radtour-setzt-ein-Zeichen-89972.html

http://www.r-mediabase.eu/?view=category&catid=461
 

http://bit.ly/1qf5Fvl

 

Internetblog mit täglichen Berichten (gemeinsam mit Teilnehmenden erstellt)
http://ride4peace.blogspot.de/

Evaluation:

Zur Evaluation wurden an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Feed-back Bögen verteilt. Die Auswertung ergab ein sehr positives Bild der Radtour. Die Bewertung der Tour war ausnahmlos sehr gut bis gut.
Bei den Aktionen wurde zum Beispiel die Aktion in Mainz sehr positiv bewertet, während der Empfang vom Bürgermeister eher enttäuschte, da sich dieser nicht genügend Zeit nahm und auch für keinerlei Getränke oder ähnliches sorgte.
Alle gaben an, dass sie gerne wieder an so einer Tour teilnehmen würden. Dass viele die Tour nicht komplett mitfahren konnten, wurde mit zu kurzen Urlaubszeiten oder generell mit Zeitmangel begründet.
Kritisch wurde gesehen, dass zeitweise zu wenig Informationen weiter gegeben wurden, so dass der Ablauf nicht ganz klar war, zum Beispiel bei der Verabschiedung in Köln. Außerdem gab es den Wunsch nach mehr Freizeit.
Positiv wurde die Idee, die Planung, die Aktionen und die entstandene Gemeinschaft hervorgehoben.
 

Insgesamt hat sich sehr schnell eine sehr positive Gruppenatmosphäre gebildet, in die Neuankömmlinge immer direkt integriert werden konnten. Auf dem Weg entstanden viele Begegnungen und Diskussionen, auch mit Menschen an denen wir vorbei fuhren und die auf unsere mit Friedensfahnen geschmückten Fahrräder aufmerksam wurden. Durch diese Begegnungen und die Presseartikel konnten wir dem Thema Frieden Gehör verschaffen, sowie ganz konkret Abrüstung in Deutschland fordern und unterstützen.
 

Ablaufplan:

19.7. Köln: Auftaktfest mit Kinderschminken, Live-Musik und Buffet auf Spendenbasis

20.7. Köln - Remagen: Begegnung mit dem Bündnis für Demokratie und Frieden
21.7. Remagen - Boppard (21.7.): Vortrag „Situation im Nahen Osten von Clemens Ronnefeldt, Friedensreferent des VB

22.7. Boppard - Geisenheim
23.7. Geisenheim – Mainz: Begegnung mit DFGVK, gemeinsame Aktion vor dem Rüstungsunternehmen Krauss-Maffai Wegemann (Mahnwache mit Taizée-Gebet und Musik), Empfang durch Bürgermeister Günther Beck mit Unterzeichnung eines offenen Briefs der „Mayor for Peace“ gegen die Modernisierung der Atomwaffen in Deutschland an die Bundeskanzlerin
24.7. Mainz - Mannheim
25.7. Mannheim – Karlsruhe: Bahnfahrt, Empfang durch Rathaus, Übergabe des offenen Briefes der Mayor for Peace, Workshops zu den Themen „Aktionen gegen Atomwaffen“ von Wolfgang Schlupp- Hauck sowie „Versöhnung am Beispiel Frankreich-Deutschland“ von Thomas Bühler
26.7. Karlsruhe –Kehl:
27.7 Kehl- Schiltach: Teilstrecke mit Bahn, Vortrag zum Thema „Kleinwaffen und ihre Folgen“ zur Vorbereitung der Aktion am nächsten Tag durch Ernst-Ludwig Iskenius, IPPNW
28.7. Schiltach- Epfendorf: Aktion in Oberndorf vor Rüstungsunternehmen Heckler- und Koch (Mahnwache, Reden, Musik, Steigenlassen von Luftballons mit Wünschen für eine friedliche Produktion) in Kooperation mit Friedensgruppen vor Ort, sowie dem internationalen Workcamp des ICJA Freiwilligenaustausch weltweit
29.7 Epfendorf - Donaueschingen): Vortrag über die Arbeit und Geschichte des Versöhnungsbundes von Ullrich Hahn (Präsident des VB)
30.7. Donaueschingen – Hilzingen
31.7. Hilzingen – Konstanz: Empfang am Hafen von Konstanz