Motivation: Nachhaltigkeit und langer Atem in der Friedensarbeit

Di, 25/11/2014 - 20:52 - Uli Sonn

Internationales Fachkräftetreffen zum 100jähigen Jubiläum des Internationalen Versöhnungsbunds

Was braucht es, um Menschen zu nachhaltigem Einsatz für Frieden, Gerechtigkleit und Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen zu motivieren und dabei ihre Selbstständigkeit und ihre Selbsverantwortung zu stärken. ? Wie motiviert man insbesondere junge Menschen, sich den Herausforderungen zu stellen ? Was können wir von unseren Erfahrungen und Kenntnissen vermitteln, um den langen Atem, den es in der Friedenarbeit braucht, aufrecht zu erhalten ?

Um diese Fragen ging es bei dem internat. Fachkräftetreffen von 11 jungen Erwachsenen (Projektleiter oder Multiplikatoren), die sich aus Anlass des Internat. Versöhnungsbund(IFOR)-Jubiläums in Konstanz und anschließend in Berlin einfanden.

Entsprechend dem weltweiten Netzwerk von IFOR kamen sie aus allen Teilen der Erde: Pranu aus Indien, Isaac aus USA, Rana aus Palästina, Luciani aus Madagaskar, Luzia und Bettina aus Östrreich, Richard aus Uganda, Mira und Fjedor aus Russland, Almut und Angelika aus Deutschland.

Welch bessere Gelegenheit hätte es geben können , um „nachhaltig“ engagierten und erfahrenen Friedensaktivisten aus der ganzen Welt zu begegnen und sich mit ihnen auszutauschen als bei diesem 100-jährigen IFOR-Jubiläum? Daher begann das Programm, das insgesamt vom 31.Juli bis 15.August dauerte, mit der Teilnahme an den Feierlichkeiten, Workshops und Aktionen des Jubiläums in Konstanz. Dort erlebte der IFOR am 1.August 1914, genau am Tag des Ausbruchs des 1.Weltkriegs seine Geburtsstunde. Konstanz wurde damals bewußt gewählt wegen der Rückbesinnung auf den Grund des Konstanzer Konzils. Was gab es anlässlich dieses Jubiläums zu feiern : das Zeugnis jener Frauen und Männer, die dem Kriegswahnsinn vieler Menschen ihren Glauben, ihren Mut und ihren Einsatz entgegenstellten. Die vielfältigen Programmangebote und die Möglichkeit, von so vielen internationalen Menschen inspiriert zu werden, die selbst ein lebendiges Beispiel für Nachhaltigkeit in ihrem Einsatz für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit verkörpern, wurde als ungeheuer beeindruckende Bereicherung erlebt.

In den darauf folgenden 2 Tagen fand eine fröhliche Begegnung und ein informativer Austausch mit den Teilnehmern des gleichzeitig stattfindenden Jugendcamps statt: ein Workshop zu „was motiviert mich?“, der Bericht der japanischen Jugenddelegierten über ihre Widerstandsaktionen zu Fukushima, ein Ausflug per Schiff bei strahlender Sonne nach Meersburg, und zu guter Letzt das abendliche Pizza-Picknick am See.

Seine Fortsetzung erfuhr das Programm durch das Seminar, das wir anschließend im Martin-Niemöller-Haus in Berlin durchführten. Die beiden erfahrenen Teamerinnen Luzia Hämmerle und Bettina Schieraus vom österreichischen Versöhnungsbund hatten es hervorragend, ja professionell vorbereitet, strukturiert und moderiert. Die Methodenvielfalt in der Programmgestaltung und die aktive Einbindung der Teilnehmer durch die Übernahme der Moderation der verschiedenen Einheiten gab der Kreativität großen Raum und ließ den Seminarverlauf mit viel Spaß und Erfolg erleben.

Um Abwechslung in die intensive Seminararbeit zu bringen und einen kleinen Geschmack von dem zu erhalten, was denn Berlin so zu bieten hat, nutzten wir den Sonntag zu einer City Tour: Denkmal Rosenstraße (Gewaltfeier Aufstand der Frauen gegen die Internierung ihrer jüdischen Männer); Schiffstour durch das Regierungsviertel, Besuch signifikanter Orte in Berlin-Mitte, Flohmarkt am Spreeufer, ein Dinner im indischen Restaurant, abschließend ein Open-Air-Konzert am Bodemuseum mit Kammermusik vom Feinsten.

Sehr beeindruckend und informativ waren die Präsentationen über die Projekte, in denen die Teilnehmer sich engagieren und daher vielfache Erfahrungen zu den Themen des Seminars beisteuern konnten:

  • Richard aus Uganda: „Peace and Development Foundation“- Wiedereingliederung von ehem. Kindersoldaten
  • Rana aus Plästina: „Holy Land Trust“ - Gewaltfreies Handeln unter den Bedingungen der Besatzung, Wiederaufbau zerstörter Häuser, Internationale Freiwilligendgruppen zum Schutz bei der Olivenernte,etc
  • Isaac aus USA: „Peace Presence“ - Schützende Begleitung von Menschenrechtsaktivisten in Kolumbien ; „conflict kitchen“ in Pittsburg: Suppenküche mit Speisen aus Ländern die mit USA im Krieg liegen.
  • Mira und Fjedor aus Russland: „Ecologica“ - Durchführung von Umweltschutzkampagnen und Bewußtseins-bildungsprogramme zum Thema.
  • Almut aus Deutschland: Aktion Sühnezeichen-Friedensdienste“ Freiwilligendienste , lebendige Erinnerung
  • Pranu aus Indien: „Cultural Academy for Peace“ - Kampagnen für die Rechte von Frauen und Kindern, Frauenhaus, Beratung bei Schikanen und Hilfe zur Selbständigkeit; Peace Clubs
  • Luciani aus Madagaskar: „Versöhnungsbund Madag.“ - Gewaltfreiheitstrainings für lokale Konflikte,(Armeeübergriffe, Korruptionsaufstände, Folgen von Armut, etc)
  • Luzia und Bettina: „Versöhnungsbund Österreich“ - Gewaltfreiheitstrainings, Seminare und Kamapagnen,Soldaritätsarbeit mit Kolumbien-Friedensdorf, Bildungsarbeit;

Es wäre zu schade gewesen, wenn so viel Expertise und hochinteressante Information über die Projekte und deren Hintergründe und Ziele nur seminarintern geblieben wären. Deshalb luden wir zu einem (herrlich sommerlichen) offenen Abend im Niemöller-Garten ein, wozu zahlreiche Freunde/innen des Berliner Versöhnungsbunds und des Niemöller-Hauses erschienen.

Um die eingangs beschriebenen Fragestellungen vertiefend zu bearbeiten, bildeten z.B folgende Module den Inhalt des Seminars:

  1.  Rückblick auf die Projektarbeit der vergangenen Jahre unter den Gesichtspunkten: was waren die Erfolge, was waren die Herausforderungen und Hindernisse ?
  2. Motivationsstrategien und Techniken (Ansprechende Öffentlichkeitsarbeit, wie erreicht man speziell Jugendliche, wie kommunizieren wir, Nutzung von Methodenvielfalt, etc)
  3. Aktiver Einbezug von Jugendlichen bei den Aktivitäten ( Welche Theme bewegen Jugendliche, Strategien zu ihrer Einbindung in Entscheidungsprozesse, Plan- und Rollenspiele, Aufstellungen, Selbstbeobachtung und gemeinsame Reflexion.
  4. Kreativer Baukasten( Kreative Elemente zur Inspiration, Impulstheater und Theater der Unterdrückten, kreativer brainstorm für Mottos und Slogans, gemeinsames Lesen von Friedenstexten,Auswertungen und Reflexion in Bildern festhalten, gemeinsames Musikmachen,etc)
  5. Workshop zu Nutzung neuer Medien

fröhliche rundeUm die Sichtweisen, Erfahrungen und Strategien anderer Orgamnisationen zum Thema zu erhalten, wurden einige andere Organisationen in Berlin besucht (Frauenhaus, IPPNV-Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges,Eine Welt Laden).

Den wesentlichen Zusammenhang von Ökologie und Gewaltfreiheit illustrierte Christiane Lohse-Wagener, Mitarbeiterin im Umweltbundesamt und VB-Mitglied, in einem zusätzlich eingeschobenen Workshop. Der Kampf um Resourcen bildet die Grunlage für viele kriegerische Konflikte auf der Erde. Daher ist Engagement für Resourcenschutz, Kampf gegen Klimaerwärmung und Praxis eines energiereduzierenden und einfachen Lebensstils aktive Gewaltfreiheit !

Eine abschließende Aufbereitung hielt die Erkenntisse und erlernten Methoden zum Thema Motivation in einem Blog fest. - Gelingende Motivationsstrategien können eine ungeheure Wirkung entfalten für das friedenspolitische Ziel und damit auch zur Sinnstiftung und Persönlichkeitsentwicklung beitragen.

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