Was ist falsch an Boykotten und Sanktionen? Kommentar von Avraham Burg in "Haaretz" und "Der Standard"

Di, 18/02/2014 - 12:38 - Clemens Ronnefeldt
Avraham Burg (59 J.), ehemaliger Berater von Shimon Peres, ehemaligerVorsitzender der Jewish Agency und ehemaliger Sprecher der Knesset,Sohn des früheren israelischen Innenministers Josef Burg, aktuell Senior Fellow am Kreisky-Forum für Internationalen Dialog in Wien, hat in der israelischen Zeitung "Haaretz" am 3.2.2014 den nachfolgenden Artikel veröffentlicht, den die Österreichische Zeitung "Der Standard" am16.2.2014 in deutscher Sprache übernommen hat:
 
Was ist falsch an Boykotten und Sanktionen? 
 
Kommentar der anderen | Avraham Burg
 
16. Februar 2014, 18:56
 
Palästinenser setzen neuerdings auf gewaltlosen Widerstand stattauf bewaffnete Rebellion. Israel wird hilflos sein, wenn der Diskursvon Begriffen wie Stärke und Widerstandsfähigkeit auf die Ebene vonRechten und Werten wechselt
 
Mehr unter:
 
Zum englischen Originaltext in "Haaretz":
http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.572079
"What´s wrong with BDS, after all?"
 
In seinem Buch „Hitler besiegen. Warum Israel sich endlich vomHolocaust lösen muss“, Frankfurt, 2009, schreibt Avraham Burgüber den ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin:
 
„Sein damaliger Kabinettssekretär Arye Naor erklärte, Begin habe seinKabinett mit folgenden Worten überzeugt, den Libanonkrieg anzufangen:
 
`Sie wissen, was ich selbst und was wir alle unternommen haben, um einen Krieg und Verluste an Leben zu verhindern. Doch in Israel istdies nun einmal unser Schicksal. Es gibt keine andere Möglichkeit, als selbstlos zu kämpfen. Glauben Sie mir, die Alternative ist Treblinka,und wir haben uns entschieden, dass es kein Treblinka mehr gebenwird.´ Zwei Wochen nach Beginn dieses unnötigen Krieges erwiderte derSchriftsteller Amoz Oz darauf in der Zeitschrift Yediot Aharonot:`Hitler ist schon tot, Herr Ministerpräsident ... Immer wieder, HerrBegin, legen Sie vor den Augen der Öffentlichkeit ein merkwürdigesBedürfnis an den Tag, Hitler wiederzuerwecken, um ihn dann in der Gestalt von Terroristen täglich neu zu töten ... Dieses Bedürfnis,Hitler wiederzubeleben und ihn dann auszulöschen, ist das Ergebniseiner Melancholie, der von Dichtern Ausdruck verliehen werden kann.Unter Staatsmännern aber ist sie ein Risiko, das leicht zu einertödlichen Gefahr werden kann´“ (S. 72).
 
(...)
 
„Wenn wir aufwachen, wird die Geschichte wieder weitergehen. Das Lebenwird zum Leben zurückkehren, und es wird klar werden, dass esunmöglich ist, sich für immer in den Gräben zu verschanzen, die sichzwischen den Friedhöfen erstrecken. Jemand wird erklären: `Das war´s. Es ist vorbei´. Ein anderer wird erklären: `Wir können Hitlerbesiegen´. Weil es möglich ist, müssen wir es tun. Wir müssen das Talder Tränen, die Schatten des Todes hinter uns lassen und den Berg der Hoffnung und des Optimismus erklimmen. Wir werden uns erinnern, aberheil sein. Narben haben, aber ganz und ausgeglichen sein“ (S. 264).