Ullrich Hahn: Nachruf auf Holger Klee

21.10.1955 – 12.12.2012

Mit Holger Klee hat der Versöhnungsbund nicht nur seinen langjährigen Geschäftsführer verloren, sondern viele von uns auch einen guten Freund.

Als Holger im Herbst 2001 vom Vorstand aus mehreren Bewerbern als Geschäftsführer ausgewählt und zum 01.01.2002 angestellt wurde, war ihm noch vieles fremd. Er kam als Quereinsteiger zu uns in die Friedensbewegung. Als studierter Agrar-Ingenieur brachte er Erfahrungen aus der Landwirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit mit. 2 Jahre hatte er auf den Philippinen in einem Landwirtschaftsprojekt gearbeitet. Engagiert war er zuvor auch im Umweltschutz und bei der Suche nach Modellen eines gerechten Lebensstils.

Der Einstieg in die Geschäftsführung unseres Verbandes fiel ihm deshalb nicht leicht, wohl auch ein Grund, weshalb er aus dieser eigenen Erfahrung sich immer wieder auf fremde Freiwillige und Praktikanten einlassen und sie jeweils für kürzere oder längere Zeit in die Arbeit für unseren Verband einführen konnte.

In besonderer Weise war ihm dies dann 1 Jahr nach seinem eigenen Einstieg mit Maria-Elisabeth Scharinger gelungen. Auch sie war Quereinsteigerin, hatte über das Arbeitsamt zum ersten Mal vom Versöhnungsbund gehört und sich dann zusammen mit Holger zu einem Team in der Geschäftsstelle entwickelt, auf das zu jeder Zeit Verlass war. Als Höhepunkt ihrer Arbeit empfanden beider immer wieder die Jahrestagungen, bei denen sie nahezu rund um die Uhr für alle 200 – 250 Teilnehmer ansprechbar waren.

Holger entwickelte während seiner Zeit im Versöhnungsbund eine sehr tiefe pazifistische Grundüberzeugung, die er auch politisch vertreten konnte.

Er war aber –entsprechend der Aufgabenverteilung mit dem Vorstand- kein „politischer Geschäftsführer“. Er suchte nicht das Rampenlicht und schob sich nie in den Vordergrund.

Er verstand seine Aufgabe in der Geschäftsstelle als Unterstützung für die vielfältigen Aktivitäten der Mitglieder. Soweit es ihm zeitlich möglich war, setzte er sich dafür ein, dass die Ideen der anderen umgesetzt werden konnten, dass die Arbeitsvorhaben des Verbandes und vielerlei Projekte finanziert wurden, dass Erklärungen, Texte und Rundschreiben zeitnah ihre Adressaten erreichten. Seine Arbeit war Dienst, nie Selbstdarstellung.

Mangels jeder Eitelkeit war er im Umgang mit anderen immer offen und ehrlich. Er konnte sehr empfindlich sein für Unrecht, von dem er hörte oder wusste, aber auch empfindsam, wo er fremden Schmerz spürte.

Eigentlich war Holger kein Schreibtisch-Arbeiter. PC und Telefon waren nicht geliebt sondern nur unvermeidbare Notbehelfe für seine Arbeit. Mit seiner Kraft hätte er oft lieber den Boden gepflügt und schwere Steine zur Seite gerollt. Mit ihm hätte man auch gut Pferde stehlen können, wenn wir welche gebraucht hätten.

Bei allem Ernst unserer politischen Anliegen war er empfänglich für die Freude an guter Gemeinschaft. Es hat Spaß gemacht, nach ermüdenden Vorstandssitzungen noch über Mitternacht hinaus mit ihm Skat zu spielen.

Holger hinterlässt keine klugen Papiere und kein bleibendes Werk, aber gute Erinnerungen an seine Loyalität, seine Arbeit und seine Freundschaft.