Pressemitteilung der europäischen Zweige zur Situation in der Arabischen Welt

P R E S S E M I T T E I L U N G

Das High Wycombe Statement zur Situation in der Arabischen Welt

Wir, Repräsentanten der europäischen Zweige des Internationalen
Versöhnungsbunds (IFOR*), die wir vom 29. April  bis zum 1. Mai 2011 im
Wycliffe Centre , High Wycombe (UK)  versammelt sind,

(1)     sind beeindruckt von den gewaltfreien Revolutionen in Tunesien und
Ägypten und halten fest, dass ihr Erfolg zu keinem geringen Teil bedingt ist
durch die Vorarbeit in der Zivilgesellschaft in den vorangegangenen Jahren,

(2)     halten fest, dass der libysche Aufstand schnell in Gewalt mündete
und mit gewalttätigen Repressalien beantwortet wurde,

(3)     beklagen die militärische Intervention in Libyen, wenn gewaltfreie
und diplomatische Optionen zur Verfügung standen (und noch stehen), wie die
Bereitschaft Indiens, Süd-Afrikas und Venezuelas zu vermitteln und die
Roadmap der Afrikanischen Union,

(4)     sind besorgt wegen der Situation in verschiedenen anderen arabischen
Ländern, wo gewaltfreie Erhebungen mit tödlicher Gewalt beantwortet werden,
aber wo die internationale Gemeinschaft keinen Bedarf sieht zu intervenieren
(wie in Syrien) oder sogar den Unterdrücker (Bahrain) unterstützt, ein
Beweis für die Heuchelei und die Doppelmoral der internationalen
Gemeinschaft,

(5)     sehen es als Notwendigkeit für die internationale Gemeinschaft,
besonders für die Europäischen Union, Mechanismen zu entwickeln, um Gewalt
vorzubeugen, bzw. sie zu entschärfen,

(6)     rufen religiöse Gruppierungen und die Zivilgesellschaft ganz
allgemein auf, ihre Netzwerke als Vorwarnsysteme für potentielle Gewalt zu
nützen,

(7)     bekräftigen, dass Gerechtigkeit und Frieden ausschließlich durch
gewaltfreie Mittel auf der Basis der Menschenrechte erreicht werden kann.

*IFOR (International Fellowship of Reconciliation) hat 85 Zweige, Gruppen
und affiliierte Organisationen in 51 Ländern auf allen Kontinenten. Seine
Mitglieder umfassen Anhänger aller großen spirituellen Traditionen sowie
jene, die das Lebensprinzip Gewaltfreiheit aus anderen spirituellen Quellen
speisen.
Gegründet 1914 am Vorabend des Krieges in Europa, hat der Versöhnungsbund
durch seine ganze Geschichte konsequent  Stellung bezogen gegen Kriege und
ihre Vorbereitungen. Mit der Einsicht in die Notwendigkeit von Heilung und
Versöhnung in der Welt formulierten die Gründerväter von IFOR die Vision
einer menschlichen Gemeinschaft, die auf dem Glauben beruht, dass aktive
Liebe die Kraft hat, ungerechte politische, soziale und ökonomische
Strukturen zu verändern.

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