Bericht vom IFOR-Council in Barlo/Niederlande vom 13.11-21.11.2010

Um es einmal vorweg zu nehmen: Das Council war absolut katastrophal vorbereitet. Das ICom (der internationale Vorstand) war die letzten Jahre seiner Amtsperiode (4 Jahre) faktisch funktionsuntüchtig. Vor Ort bekamen wir eine Tagesordnung, an die sich aber bis auf den ersten Tag nicht gehalten wurde. Dank fleißiger Lastminute Freiwilliger konnte das Council jedoch gerettet werden und wir verbrachten eine anstrengende, aber sehr schöne Woche mit den insgesamt 73 Council-TeilnehmerInnen, davon 63 Deligierte aus 39 Ländern.

Der erste reguläre Tagungstag war dem afrikanischen Kontinent gewidmet. Die IFOR-BGAs aus dem Tschad, Sudan, Madagaskar, DR Kongo und Burundi berichteten über ihre Arbeit und die aktuelle Situation in ihrem Land. Die Berichte der anderen anwesenden BGAs wurden immer wieder irgendwo dazwischen geschoben, was etwas schade war.

Gruppenbild des Councils

ICom- und Sekretariatsberichte: Der Präsident Jan Schaake, NL, gab den Vorstandsbericht. Die ehemalige Vizepräsidentin Française Petremont (MIR französischsprachige Schweiz) gab noch mal einen detaillierten Bericht über die ICom (Nicht-)Arbeit. Der Haushaltsbericht des IComs war hanebüchen; erst nach starkem Protest wurden uns zwei Tage nach der Berichtsvorstellung Zahlen geliefert, die aber nur über den Beamer mitverfolgt werden konnten und so nur schlecht nach vollzogen werden konnten. Der WPP-Bericht war gut vorbereitet und machte einen Strategiewandel deutlich. WPP richtet sich nunmehr auch an Männer und bot in der Vergangenheit bereits Train-the-Trainer Genderseminare für Männer an. Das Übergewicht von WPP im Verhältnis zu IFOR ist nach wie vor ein Bereich, der genauer angeschaut werden muss – und das ist auch so vom Council beschlossen worden. Auch die stark professionalisierte Arbeitsweise von WPP, die für ihre staatlichen Fördermittel konkrete Ergebnisse liefern müssen, führte in der Vergangenheit zu Konflikten. Die nächste Förderbewilligung mit einer Kürzung des Etats um 25% ist während des Council bekannt geworden, schon jetzt ist klar, dass es noch zu weiteren Kürzungen kommen wird, die sicher auch personelle Auswirkungen haben werden. WPP wird zunehmend weitere Finanzierungsmöglichkeiten suchen müssen, wenn die Arbeit im bisherigen Umfang fortgeführt werden soll.

Im SitzungssaalStrukturdebatte: Die folgenden Tagungstage wurden durch die Strukturdebatte geprägt. Die Probleme der letzten Jahre, die durch die personellen Schwierigkeiten noch verschärft wurden, haben dazu geführt, dass es auf dem Council zu einer sehr intensiven und fruchtbaren Arbeit dazu kam. Arfon Rhys (FOR Wales und seit acht Jahren im Personal Comitee von IFOR) hat uns durch diesen Teil sehr kompetent geführt. Es wurden Arbeitsgruppen zu neun Strukturbereichen gebildet, die zur Aufgabe hatten IFORs Stärken in dem jeweiligen Themengebiet aufzuzeigen und daraus ableitend Wünsche an IFOR zu formulieren. Arbeitsgruppen gab es zu den Funktionen, Entscheidungsstrukturen/-prozessen, Kommunikation, der IFOR-Satzung, Diversity, Gender und Youth, und natürlich Finanzen. Darüber hinaus gab es eine eigene Arbeitsgruppe zu der Diskussion, ob IFOR eine NGO ist oder eine Fellowship, eine Gemeinschaft. Zusätzlich gab es eine kleine Gruppe, die vorschläge für das Jubiläum und Council 2014 erarbeitet hat (siehe gesondertes Blatt). Die erarbeiteten Vorschläge wurden vorgestellt und an den kommenden ICom weitergegeben, der die Umsetzung in Angriff nehmen soll. Es wurde ein Zeitplan für konkrete Zwischenschritte und das Vorlegen von Beschlussvorlagen für das nächste Council erarbeitet. Arfon Rhys (FOR Wales) und Kees Nieuwerth (NL) werden den Prozess überwachen und koordinieren. Im ICom ist Jean-Pierre Massamba (Republik Kongo) dafür zuständig.

Anträge: Die Anträge lagen uns nur teilweise vor. Unser Kairos-Antrag wurde länger diskutiert. Abgesehen von der Strukturdebatte war es die einzige ausführlichere inhaltliche Diskussion.

Es sind drei (vier) neue Zweige aufgenommen worden: SONAD (Sudan, Moses Monday war vor zwei Jahren bei unserer JT), Trauma Healing and Reconciliation Services (Burundi), Association Tchadienne por la Non Violence. Bei einem dritten Antrag muss noch etwas geklärt werden, aber ICom ist autorisiert worden, die Aufnahme danach durchzuführen: ANANDO (Bangladesch).

Es gab einen sehr gut vorbereiteten Antrag der Youth Working Group. Der Council hat beschlossen, dass die Gruppe in Wien ein Büro eröffnen kann und von dort arbeiten wird. Für IFOR soll dies kostenneutral bleiben. Die Finanzierung muss die Youth Group selber mit Mittel andere Fördereren bewerkstelligen. IFOR unterstützt die Arbeit der Youth Group.

Arbeitsgruppen: Es wurden noch mal Arbeitsgruppen zu drei Themen (Gender/WPP, Solidarität und Nahost) eingerichtet. In einer kleinen Nahost-AG wurde noch mal weiter über das Kairos-Dokument diskutiert.

ICOM
Von links nach rechts: Hansuli Gerber, Jean-Pierre Massamba, Lili Baxter, Kyoko Iitaka, Davorka Lovrekovic, David Mumford, and Lucas Johnson

Wahl des neuen IComs:

Executive Comitee (ExCom):

  • Hans Ulrich Gerber (Präsident, FOR Schweiz),
  • Davorka Lovrekovic (Vizepräsidentin),
  • David Mumford (FOR Schottland; Schatzmeister)

Dazu kommen für den ICom (Inklusive ExCom):

  • Lucas Johnson (FOR USA, „Jugendvertreter“),
  • Lili Baxter (FOR USA),
  • Jean Pierre Massamba (FOR DR Kongo),
  • Kyoko IITAKA (FOR Japan).

Regionalvertreter:

Europa: Marion Schreiber (Österreich), Kees Nieuwerth (Niederlande)
Afrika: Moses John Monday (Sudan), Chantal Razafindravony (Madagaskar)
Asien: Beena Sebastian (Indien), Zoughbi Zoughbi (Palästina)
Amerika: Gustavo Cabrera (Costa Rica), Leel McKenna (Canada)

Mein (Davorka) Eindruck ist: So schlecht die Vorbereitung war

  • dadurch, dass wir nicht auf Papiere geschaut haben, sondern einander in die Augen
  • dadurch, dass wir versöhnend miteinander umgegangen sind
  • dadurch, dass wir bereit waren, in die Zukunft zu blicken

ist das Council mit guten Ergebnissen zu Ende gegangen. Es wird in den nächsten vier Jahren mehr Arbeit für die Gremien geben, um die neue Ausrichtung bei IFOR zu gestalten. Dafür haben alle Zweige wichtige Beiträge beim Council gemacht und sie werden weiterhin gefragt werden, sich aktiv einzubringen.

 

Miriam Klemm und Davorka Lovrekovic

Dezember/Januar 2011

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