Häuserzerstörung und Besatzung beenden - Friedensorganisationen stärken

Sa, 15/11/2008 - 00:00 - Clemens Ronnefeldt

Versöhnungsbund-Friedensreferent von Nahost-Delegationsreise zurückgekehrt

Bethlehem/Freising. Von einer zweiwöchigen Friedensdelegation der katholischen Friedensbewegung Pax Christi nach Israel und Palästina kehrte Clemens Ronnefeldt, Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes, Ende Oktober nach Deutschland zurück.

Eine palästinensische Familie südlich von Bethlehem, deren Haus zerstört wurde, weil  es zu nahe an der Grenzzaunanlage stand. Es wurde von Holy land Trust wieder aufgebaut."Was wir an Auswirkungen des Mauer- und Grenzzaunbaus sowie der nun mehr als 40-jährigen Besatzung im Westjordanland an Leid und Elend gesehen und erlebt haben, lässt sich kaum in Worte fassen", so Clemens Ronnefeldt, der sich seit vielen Jahren für Frieden im Nahen und Mittleren Osten einsetzt.

Durch den Verlauf des Mauer- und Grenzzaunverlaufes zum Teil tief im Westjordanland würden rund 555 Quadratkilometer palästinensischen Landes geraubt, die Entstehung eines künftigen Staates Palästina nahezu unmöglich gemacht.

Beim Besuch des Israelischen Komitees gegen die Zerstörung von Häusern (ICAHD) sowie eines akut vom Abriss bedrohten Hauses im Ostteil Jerusalems, das in ein Friedenszentrum umgewidmet wurde, um der drohenden Zerstörung doch noch zu entgehen, wurde das Ausmaß des Unrechts ansatzweise deutlich.

Angela Gottfrey-Goldstein vom Israelischen Komitee gegen die Zerstörung von Häusern im Haus Arabia im Ostteil Jerusalems, das viermal zerstört und viermal bereits wieder aufgebaut wurde

"Angela Gottfrey-Goldstein, enge Mitarbeiterin von Professor Jeff Halper, der 2009 den Kant-Friedenspreis in Freiburg erhalten wird, nannte die Zahl von etwa 13 000 zerstörten palästinensischen Häusern seit 1967 - was im Durchschnitt dem Abriss von fast täglich einem Haus über die letzten 41 Jahre entspricht", so der Versöhnungsbund-Friedensreferent. Durch Spenden gelang es dem Israelischen Komitee gegen die Zerstörung von Häusern, bisher etwa 150 Häuser wieder aufzubauen und den notleidenden Familien ein Dach über dem Kopf zurück zu geben.

Zwischen Bethlehem und Hebron liegt das Grundstück der Familie Nassar, die von vier Siedlungen umgeben ist und seit nunmehr 17 Jahren einen juristischen Streit um ihr rechtmäßiges Eigentum führt, das von Siedlern immer wieder angegriffen wird.

"Obwohl israelische Siedler mehr als 250 Olivenbäume auf ihrem Grundstück zerstört haben, lädt Amal Nassar, die mit ihren Brüdern Daher und Daoud das Grundstück bewirtschaftet, diese immer wieder ein, einen Kaffee mit ihr zu trinken - unter der einzigen Bedingung, dass die Siedler ihr Maschinengewehr am Eingang ihres Grundstückes ablegen.

Als Christin begründet sie ihr Verhalten mit der Umsetzung der Bergpredigt", zeigte sich Clemens Ronnefeldt und die Friedensdelegation aus Deutschland beeindruckt. In einem "Zelt der Nationen" treffen sich auf ihrem Grundstück jedes Jahr bis zu 150 junge Menschen aus aller Welt als Zeichen der Solidarität mit diesem gewaltfreien Widerstand.

die Altstadt von Hebron, wo Siedler Müll auf die Köpfe der Palästinenser werfen

In Hebron lies sich die Gruppe von einem lokalen Mitarbeiter des Christian Peace Maker Teams die schier unerträglichen Lebensbedingungen in der Innenstadt erläutern. Rund 400 Siedler, geschützt von 1500 israelischen Soldaten, würfen seit Jahren Müll und Steine aus ihren Häusern auf die Köpfe der palästinensischen Bevölkerung, ohne dass die israelische Regierung einschreite. Palästinensische Kinder würden durch Steinwurfhagel der Siedler am Schulgang gehindert.

"Die internationale Präsenz ist häufig der einzige Schutz, damit nicht noch Schlimmeres passiert", zeigte sich Clemens Ronnefeldt nach dem Hebron-Besuch, der Stadt der von Juden und Muslimen beanspruchten Gräber der Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob, erschüttert.

Bei einer Friedenskundgebung südlich von Bethlehem gegen den Mauer- und Grenzzaunverlauf, zeigte sich die jahrzehntelange Verhärtung des Konfliktes. "Ein Siedler, sagte, er trage sein Maschinengewehr aus dem einzigen Grund, sich gegen Terroristen verteidigen zu können, die immer wieder Israelis umbrächten, so kürzlich erst einen 86-jährigen alten Mann", hörte der Versöhnungsbund-Friedensreferent.

Auf der palästinensischen Seite fragte ein palästinensischer Teilnehmer, wann endlich 9000 seiner zum Teil misshandelten Landsleute aus den israelischen Gefängnissen entlassen würden und die Bombardierungen und Liquidierungen der israelischen Armee aufhörten.

Besonders beeindruckte die Friedensdelegation aus Deutschland eine Begegnung mit einem Vertreter der "Trauernden Eltern/Parents Circle". In dieser Organisation haben sich rund 250 israelische und 250 palästinensische Menschen zusammen geschlossen, weil sie engste Familienangehörige durch Selbstmordanschläge oder Militäreinsätze verloren haben.

Mit je einer Person beider Seiten gehen die Betroffenen gemeinsam in Schulen und Universitäten sowohl in Israel als auch in Palästina, um für ein Ende der Gewalt zu werben - unter dem Motto: "Wir haben unsere Kinder verloren - lasst uns die lebenden schützen!"

Der israelische Historiker Reuven Moskovitz, Träger des Aachener Friedenspreises und Mitbegründer des gemeinsamen israelisch-palästinensischen Dorfes "Neve Shalom/Wahat al Salam" (Oase des Friedens), zwischen Tel Aviv und Jerusalem gelegen, forderte dazu auf, gerade um der Zukunft des Staates Israel willen die Besatzungspolitik immer wieder zu kritisieren und sich nicht durch den leicht drohenden Vorwurf des Antisemitismus einschüchtern zu lassen.

Der palästinensische Pfarrer der Weihnachtskirche in Bethlehem, Dr. Mitri Raheb, nannte die internationale Gemeinschaft "Teil des Nahostproblems" und verwies gleichzeitig darauf, dass diese auch "Teil der Lösung" werden könne.

Kontakt für Interviews, Bilder, Rückfragen und Vorträge: Clemens Ronnefeldt: 08161-547015, C.Ronnefeldt@t-online.de

P.S. Ein Bericht von einer ähnlichen Reise unseres Mitgliedes Anka Schneider vom 2.-12.11.08  findet sich im Anhang.

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