"Nicht im Namen unseres Sohnes" - ein Wort von Eltern eines Opfers vom 11.9.2001

Ein Brief von Phyllis und Orlando Rodriguez's an die New York Times

Ihr Sohn Greg gehört zu den Opfern vom 11.9.2001

Unser Sohn Greg gehört zu den vielen Vermissten des Angriffes auf das Welthandelszentrum. Seit wir die erste Nachricht hörten, erleben wir Schmerz, Trost, Hoffnung, Verzweiflung und liebevolle Erinnerung. Wir erfahren dies gemeinsam mit seiner Frau, unseren beiden Familien, unseren Freunden und Nachbarn, seinen lieben Kollegen der Firma und all den trauernden Familien, die sich täg-lich im Pierre Hotel treffen.

Wir sehen unser eigenes Verletztsein und unseren Zorn auch widergespiegelt in allen, denen wir begegnen. Wir haben kein Ohr für die tägliche Nachrichtenflut über diese Katastrophe. Doch wir lesen genug Nachrichten, um zu spüren, dass unsere Regierung sich in Richtung gewaltsamer Rache

bewegt mit der Aussicht, dass Söhne, Töchter, Eltern, Freunde in weit entfernten Ländern leiden und sterben, und so wiederum Gefühle von Rache und Groll gegen uns geweckt werden.

Das ist nicht der Weg, den wir gehen sollen. Das wird den Tod unseres Sohnes nicht rächen. Es geschieht nicht im Namen unseres Sohnes. Unser Sohn starb als Opfer einen unmenschlichen Ideologie. Unsere Reaktionen sollten nicht demselben Ziel dienen. Last uns trauern. Lasst uns nachden-ken und beten. Lasst uns über eine vernünftige Reaktion nachdenken, die unserer Welt wirklichen Frieden und Gerechtigkeit bringt. Aber lasst unser Volk nicht die Unmenschlichkeit dieser Zeit noch vermehren.

Diplomatie, Vertrauen, Freundschaft - unsere einzige Hoffnung, zukünftige Angriffe zu stoppen

 

Dear President Bush:

>

> Our son is one of the victims of Tuesday's attack on

> the World Trade Center. We read about your response in

> the last few days and about the resolutions from both

> Houses, giving you undefined power to respond to the

> terror attacks.

> Your response to this attach does not make us feel

> better about our son's death. It makes us feel worse.

> It makes us feel that our government is using our son's

> memory as a justification to cause suffering for other

> sons and parents in other lands.

> It is not the first time that a person in your position

> has been given unlimited power and came to regret it.

> This is not the time for empty gestures to make us feel

> better. It is not the time to act like bullies. We urge

> you to think about how our governement can develop

> peaceful, rational solutions to terrorism, solutions

> that do not sink us to the inhuman level of terrorists.

>

> Sincerely,

> Phyllis and Orlando Rodriguez

>

 

Mennonite Brethren Biblical Seminary (MBBS)

Henry J. Schmidt

MBBS Seminary Präsident für die Fakultät des Seminars in Fresno

in Zusammenarbeit mit dem MB-Konferenz Mitarbeiter Loyal Funk
 

Sept. 14, 01
 

An die Pastorenschaft der Mennonitischen Brüdergemeinden in USA und Kanada

Betr.: Die terroristischen Angriffe dieser Woche

An diesem nationalen Tag der Trauer und des Gebets, beten wir für euch, unsere Kollegen im Ge-meindedienst. Wir beten besonders, dass ihr am Sonntag in euren Gottesdiensten Gottes tröstende Gegenwart deutlich machen könnt. Wir beten für euren Dienst als Hirten und Seelsorger.

"Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist die Kraft meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? Dringen Frevler auf mich ein, um mich zu verschlingen, ... sie müssen straucheln und fallen. Ps 27,1-2.

1. Wir unterstützen euch und eure Gemeinden, indem wir das ganze Volk Gottes zur Fürbitte aufru-fen - für die Familien, Freunde, Kollegen der Opfer - für unsere führenden Politiker, aber auch - für alle, die mit den terroristischen Angriffen zu tun haben.

Durch sein Sterben für uns alle hat Christus seine Liebe für alle gleich erwiesen.

"Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf ... für die Herrscher und für alle die Macht ausüben ... Das ist Recht und gefällt Gott, unserem Retter. Er will, dass alle Menschen gerettet werden." 1 Tim 2,1-3

2. Wir beten mit euch und euren Gemeinden für Frieden und für Gerechtigkeit. Scharfe Stimmen rufen in harten Worten nach einem "zornigen Amerika". Doch Gewalt zeugt erneute Gewalt. Die Eskalation der Gewalt führt zu neuer Ungerechtigkeit. Rassismus blendet die Augen selbst der Gerechten. Betet für Einhalten und Mäßigung. Betet, dass die Stimme der Kirche für den Frieden nicht zum Schweigen gebracht wird in diesen Tagen starker Gefühle und dem Verlangen nach Rache. Wenn auch wir wie David (vgl. Ps 109) Gefühle des Zorns haben, so wollen wir diese doch in der Erkenntnis zum Ausdruck bringen, die Römer 12, 19 formuliert: "Mein ist die Rache, ich will vergel-ten, spricht der Herr."

"... für die Menschen, die Frieden stiften, wird die Saat der Gerechtigkeit aufgehen." Jak 3, 18

"Der Herr gebe Kraft seinem Volk. Der Herr segne sein Volk mit Frieden." Ps 29,11

3. Wir beten mit euch, dass unser Volk umkehrt. Von politischer Seite wird mit dem Finger auf Menschen da draußen gezeigt. Wenige scheinen den Blick nach innen zu wenden oder auf den breiteren Strom von Gottes Plan und Führung.

Joseph erkannte Gottes Hand in den gegen ihn gerichteten Taten seiner Brüder. Gen. 45, 7,8. Da-niel entdeckte Gottes Handeln im Angriff und der Belagerung Jerusalems durch Babylon. Dan 1, 1,2. Bei unserem Bemühen, die Ereignisse der vergangenen Woche zu verstehen, erinnert uns die Schrift daran, dass auch Katastrophen ein Weg sein können, uns des eigenen Handelns bewusst zu werden - Hiroschima, 500.000 Tote verstreut im irakischen Wüstensand, unser unstillbarer Durst auf Öl, organisierte Unterdrückung in den Ländern der 3. Welt. Wir haben keine sauberen Hände. Betet, dass wir erkennen, wie wir daran beteiligt sind, politische und soziale Strukturen zu schaffen, die Men-schen zu solch zerstörerischen Gewalttaten treiben.

"Auch jetzt noch - Spruch des Herrn: Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen. Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte, und es reut ihn, dass er das Unheil verhängt hat." Joel 2, 12,13.

4. Wir beten, dass wir im Geist von Craig Hallmans Brief vorwärtsgehen. Craig ist ein Absolvent unseres Seminars, der nun mit MB Mission and Service International in Karatschi, Pakistan arbeitet. Sein Brief wurde in der Zeitschrift "FRESNO BEE" heute morgen unter der Überschrift "Der endlose Kreislauf" veröffentlicht:

"Als früherer Einwohner Fresnos und Leser des "Bee", der heute in Pakistan lebt, möchte ich den sicher vielen Zuschriften zu den Terrorattacken meine hinzufügen. Ich möchte die Vereinigten Staaten oder die Nato dringend vor einem Gegenangriff auf Afghanistan oder Osama bin Laden warnen. Das wird nur einen endlosen Kreislauf der Vergeltung fortführen. Israel ist das beste Beispiel für diese tödliche Falle. Je mehr Leute von den USA getötet werden, umso mehr Radikale werden produziert und zukünftige Angriffe garantiert. Das ist eine Realität, die wir in unserer nationalen Debatte über die Antwort auf den Terrorismus bedenken müssen. - Als ich die ersten Zeilen dieses Briefs schrieb, erhielt ich einen Anruf von einer muslimischen Nachbarin, die meiner Familie und Amerika ihr Mitgefühl und Beileid aussprach. Das schreckliche Blutbad von New York hat viele Muslime veranlasst, Sympathie für Amerika zu empfinden und Zweifel am Radikalismus genährt. Dieses Wohlwollen wird sofort verschwinden, wenn die erste Bombe fällt. Die Flugzeugentführer haben, ohne es zu wollen, ein Klima des Wohlwollens und der Partnerschaft mit gemäßigten islamischen Staates zur Bekämpfung des Radikalismus geschaffen.

Diplomatie, Vertrauen, Freundschaft - nicht Militanz - sind unsere einzige Hoffnung zukünftige Angriffe zu stoppen."

Der Herr gebe Kraft seinem Volk! Der Herr segne sein Volk mit Frieden! Ps 29,11

Gnade und Frieden,

Henry J. Schmidt